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Mein Leser laß dir nicht vor meinen Zeilen grauen/
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Die voller Asche sind und reden nur von Staub/
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Du wirst den Inbegriff der Eitelkeiten schauen/
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Wie nichts mehr übrig ist als dieser Aschen-Raub.
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In eitlen Augen sind es wol betrübte Blicke/
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Daß von der Herrligkeit des Menschen diß nur bleibt/
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Doch weil sie GOtt erwehlt/ und braucht zum Opferstücke/
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Ja gar des Himmels Erb’ in solcher uns verschreibt:
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So kan ein feurig Geist auch hier Vergnügung finden/
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Wenn er sich Adlern gleich schwingt zu der Sternen Höh’/
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Und weiß durch wahre Spur deß Glaubens zuergründen/
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Daß der verweste Leib in Asche nicht vergeh’.
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Hier ist sie ein Entwurff der irrdischen Gebrechen/
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Und dort ein Saame der zu Schmuck und Klarheit blüht;
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Wenn GOttes Richt-Tag wird das grosse Urtheil sprechen/
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Gewiß/ daß sie mehr schön als alle Blumen sieht.
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Die tieffste Weißheit kan ein Aschen-Hauff uns zeigen/
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Ein morscher Todten-Kopff ist eine hohe Schul.
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Wenn sich das Leimen Hauß muß zu der Erden neigen/
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So steht doch einst der Leib verklärt fürs Höchsten Stul.
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Die Heyden glaubten selbst was Göttlichs von der Aschen/
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Bevor das güldne Rom hielt seine Käyser werth;
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Denn wenn sie sie genug mit Thränen abgewaschen/
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Fast’ ein vergold Geschirr diß was noch unverzehrt.
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Ich will vom Götzendienst der neuen Welt nichts sagen/
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Diß ist ja wunderns voll was Pegu aufgebracht:
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So bald sein Priester wird/ ein Rolim/ hingetragen/
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So ist ein Traur-Gezelt aufs herrlichste gemacht;
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Die Leiche steht umzirckt vom König’ und den Seinen/
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Biß den gesalbten Leib die Flamme hat verzehrt/
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Alsdenn bey Seiten-Spiel/ und bey der Grepos weinen/
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Hebt die geheiligt’ Asch’ ihr König auf und schwehrt.
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Man frag’ in China nur die witzigen Bramipen/
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Was vor ein Heiligthum verbrandte Cörper seyn.
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Fing nicht auch Jsrael dem Moloch an zu dienen/
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Als in dem Aschen-Thal diß Ungeheur brach ein?
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Nun dieser Aschen-dienst gleicht mit der Höllen Kohlen/
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Und geht nicht unsern Leib noch die Verwesung an.
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Wir können bessern Trost auß erster Kirche holen/
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Da sie mit einem Kuß die Asche beygethan;
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Und diese Pflicht beruht’ auf gutem Angedencken;
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Der Mensch ist ja kein Felß/ noch irgend Zemblisch Eiß/
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Daß er den Seinigen nicht Thränen solte schencken/
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Wenn er sie von dem Liecht der Welt geschieden weiß.
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Hoch-Edle/ die ihr jetzt in Staub und Asche sitzet/
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Und eurer Mutter Asch auß treuem Hertzen ehrt;
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Ich glaube daß der Schlag tieff in die Seele ritzet/
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Und ein ergrim̃tes Leid nicht gern vom trösten hört.
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Jedoch muß hier Gedult den klügsten Meister spielen/
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Und daß des Höchsten Schluß unwiderruflich sey.
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Wer vor der Erden Ball den Himmel kan erzielen/
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Lebt in gekrönter Lust von bleichen Sorgen frey.
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Das Sodom dieser Welt zeigt Frucht und Kost von Aschen/
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Da Schwefel/ Graus und Stanck im innern Busem steckt.
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Weh’ dem/ der aus Begier wird von den Aepffeln naschen/
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Weil sie der Fluch noch mehr als selbst ihr Gifft befleckt.
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Betrübtste/ diese Brust so wir zu erst gesogen/
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Der Mund/ der uns so offt hertzinniglich geküst/
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Die Pflegung die uns hat als Kinder aufgezogen/
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Ist tausend Thränen werth/ und wird nicht gern vermist.
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Allein’ die Seelige ist nicht so gar gestorben/
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Das minste Theil das wird hin in die Grufft gelegt;
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Es ist auch bey der Stadt ihr Ruhm noch unverdorben/
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Den selbst die Tugenden in Marmel eingepregt.
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Sie ist dem Labyrinth der Eitelkeit entgangen/
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Dem Fallstrick der sich offt umb Leib und Seele zeucht:
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Sie darff nun weiter nichts noch hoffen noch verlangen/
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Weil ihre Freude sich mit Menschen Lust nicht gleicht.
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Wir feyren nur noch hier die Angst- und Marter-Wochen/
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Sie speist vom Oster-Lamb und trinckt den Lebens-Wein:
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Sie/ als Amazonin/ ist hurtig durch gebrochen/
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Und geht als Siegerin die Ehren-Pforten ein.
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Wir wollen auch den Rest der Asche nicht entweihen/
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Weil sie ein wahres Bild der Auferstehung gibt.
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Der Saamen/ den wir hier in Gottes Acker streuen
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Bringt Aehren/ welcher Frucht der Himmel eintzig liebt.