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Wer jener Herrligkeit höchst-seligstes Vergnügen
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Das unumbschribne Licht/ und unumgräntzte Reich/
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Des Lammes Rosen-Blut/ der Außerwehlten Sigen/
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Verklärter Leiber Glantz/ der Sonn und Sternen
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Mit Augen der Vernunfft was ernstlicher betrachtet/
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Und denn die Flüchtigkeit des Menschen recht bedenckt/
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Wie hier sein sicher Leib in strengen Martern schmachtet/
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Wie kaum ein Blick der Zeit verfleust der ihn nicht kränckt/
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Der merckt den Unterscheid/ den Schatten und die Sonne/
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Das Licht und Finsternüß/ den hell und trüben Tag/
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Des Lebens bittern Kelch/ des Sterbens neue Wonne/
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Das Thor dadurch man ein zur Freyheit gehen mag.
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Wie schwartz der Todt auch scheint/ wie finster Grufft und Höle/
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So sind sie doch der Weg in das bestimmte Reich.
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Es zancke Fleisch und Blut mit seinem Gast der Seele/
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Was dorte schimmern sol das muß hier werden bleich.
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Wir können nicht die Frucht noch für den Blüten haben/
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Und wenn die Schlacken weg/ so ist das Gold erst rein/
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Wie sehr die Läuffer sonst in ihrem Kreissen draben/
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So wird/ ders Ziel erreicht/ nur Uberwinder seyn.
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Ach sichre Sterblichen/ wie können wir genesen?
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Wenn auch die Himmel selbst in drüm̃ern sollen gehn.
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Des Lebens kurtzer Brauch ist so ein eitel Wesen
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Daß wir mit einem Fuß stets in dem Grabe stehn.
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Ein Schiffer der die See hat hin und her durchkreutzet
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Wünscht/ und erlanget auch den Hafen sichrer Ruh.
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Der Mensch/ der so erhitzt nach langem Leben geitzet/
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Weiß nicht aus Aberwitz/ wie er so thöricht thu;
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Welch Kauffman tauschet Glas/ und giebet Amethisten?
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Wer wechselt den Demant umb Folgen und Cristall?
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Noch läst ein Sterblicher zum offtern sich gelüsten/
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Daß vor des Himmels Schloß er wehlt der Erden Ball.
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Da keine Gleich nüß doch ist irgend wo zu finden/
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Hier ist der Dörner Thal und dort das Rosen-Land:
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Wer liest ihm Ketten aus vor Kron und Ehren-Binden?
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Der guten Acker hat der sä’t nicht in den Sand.
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Hoch-Edler/ wolte GOtt daß diese Zeilen kräfftig
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Zubrechen Angst und Weh/ das seine Seele nagt!
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Die Feder wär’ anitzt mittleidende geschäfftig/
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Und hätte sich was mehr zu fertigen gewagt.
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Allein ein solcher Schmertz der nach dem Hertzen greiffet/
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Ein Leid das grösser nicht auff Erden kommen kan/
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Ein Blitz/ der umb das Haus mit Feuer-Stralen schweiffet/
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Ein unerhörtes Ach nimmt schlechten Trost nicht an.