Trost-Worte/ An Hn. T. G. J. U. C. bey Beerdigung seiner Eheliebsten/ den 16. Febr. 1665.

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Heinrich Mühlpfort: Trost-Worte/ An Hn. T. G. J. U. C. bey Beerdigung seiner Eheliebsten/ den 16. Febr. 1665. (1686)

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Daß ihm das gröste Theil des Hertzens sey gerühret/
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Daß dieser Fall/ mein Freund/ biß an die Seele geht/
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Darff keiner Wunderung. Wo Liebe wird gespüret/
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Da wird zu gleich das Leid/ so bald was köm̃t/ erhöht.
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Die Augen so zuvor den Weg zur Huld gezeiget/
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In denen Lieb und Gunst als wie zusammen lieff/
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Sind weiter nur ein Quell auß dem die Thräne steiget/
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Und sagt auf welcher Fluth schwebt der Gedancken Schiff.
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Ein eintzig Jahr gewehrt ihm Lust vermengt mit Leiden/
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Die Rosen-Liebe so zu erst die Eh fing an;
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Muß sich jetzt mit Napell/ mit Bux und Rauten kleiden/
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Wer dencket/ was alsdenn nicht so ein Wechsel kan?
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Hier ist kein Eigenthum/ es wird nur dargeliehen/
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Wie Kleider zu dem Spiel. Nach dem das Ende schleust/
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Muß der vor König war/ den Purpur-Rock ausziehen/
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Und jeder lernt daß man in frembden Kleidern gleist.
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Das Leben selbsten ist leibeigen nicht gegeben/
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Der Brauch der Jahre hat schon sein gesetztes Ziel.
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Dem eintzig-weisen
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Der muß gezwungen fort der nicht gutwillig will.
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Zwar diß verwerff’ ich nicht die Todten zu beweinen/
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Wir aber sind vielmehr/ denn jene/ Thränen werth/
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Der Himmel kan uns nicht stets hell und gölden scheinen/
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Wer wol gestorben ist/ der wird nicht mehr beschwert.
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Es sey daß ihm/ mein Freund/ die Liebste früh verblichen/
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Man glaub’ts/ der Eltern Angst vergrössert seinen Schmertz.
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Daß sie bey strenger Noth von dieser Welt gewichen/
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Zugleich ein Pfand verläst/ drumb blutet jetzt das Hertz.
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Je dennoch wenn er will des Höchsten Schluß erwegen/
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Und wie die Liebst’ ihn treu biß in den Tod geliebt/
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So wird der wache Schmertz sich endlich schlaffen iegen/
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Weil auch der Seel’gen Ruhm dazu viel Artzney gibt.
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Ob Agathocles lobt sein’ eintzige Texene/
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Ob schon die Porcia ein Spiegel aller Welt/
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Die Arria bekand/ wie auch ihr Klag-Gethöne/
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Als sie mit ihrem Mann dem Thrasea verfällt;
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Der Reigersbergin Ruhm biß an die Sterne steiget/
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Durch welche Grotius/ der Phönix unsrer Zeit/
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Mit neu-erdachter List die scharffe Wacht beschweiget/
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Läst sie zur Geissel da/ und macht sich anderweit.
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Nichts minder war die Treu in Demant eingepräget/
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So ihm sein Schatz erwieß. Die hulde Freundligkeit
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Hat offt der Sorgen Last vernünfftig weggeleget/
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Mit angenehmer Lust versüßt die schwere Zeit.
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Ich solt’ ein ewig Lied ihr zum Gedächtnüß schreiben/
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Die Freundschafft reitzet mich/ so uns im Pleiß-Athen
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Verknüpfft. Doch wider Wunsch und Willen muß es bleiben/
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Die Reime wollen nicht auf guten Füssen gehn.
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Der stete Leichen-Dienst verwandelt mich in Leichen/
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Ich werde lebendig was ich einst werden muß/
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Und weil die Gratien aus den Gedichten weichen/
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So sag’ ich gute Nacht der Hippocrene Fluß.
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Ich überlasse was den künfftigen Poeten/
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Und reiffer Vorbedacht verändert meinen Sinn/
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Apollo nimm von mir die anvertrauten Flöthen/
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Nun Reim’ auch eitel sind/ so geht ihr Reime hin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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