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Als sich der süsse Lentz in holder Anmuth zeigte/
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Und die belebte Lufft wie Diamanten schien’
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Als sich der Himmel selbst zu seiner Erden neigte/
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Und wolt’ ihr wiederumb den Sommer-Rock anziehne
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Hat Flora sich bemüht ihr Garten-Werck zu bauen/
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Sie rief den Westen-Wind als ihren Liebsten an/
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Er solte Safft und Krafft auf ieder Lust-Stück thauen/
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Und durch den linden Hauch beseelen ihren Plan.
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Die Sonne stimmte bey mit reichen Gnaden-Blicken/
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Der Monde sagt ihr nichts als Fruchtbarkeiten zu/
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Die Lufft die wolte sich nach ihrem Willen schicken/
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Mit Regen milde seyn/ den Winden schaffen Ruh.
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Drauff hat sie ingesambt die Gratien gebeten/
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Sie möchten bey der Lust doch nur Gehülffin seyn/
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Es würden auch hierzu die Feld-Napeen treten/
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Und Samen bringen mit und Pflantzen sencken ein.
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Drauff sind nach ihrem Wunsch die Nymfen alle kommen/
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Und haben mit Begier den Garten angelegt/
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Die Flora hat zu erst den Rosen-Stock genommen/
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Weil sie ihr buntes Kleid damit zu zieren pflegt.
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Den Gratien beliebt der Stengel weisser Lilgen/
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Denn ihre Reinligkeit sucht eben solchen Glantz.
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Beynebenst Roßmarin/ den nicht der Frost kan tilgen/
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Der unbefleckte Strauch mehrt ihren Ehren-Krantz.
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Das andere Nymfen-Volck küst Blumen von dem Orden
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Der Buhler/ wo Narciss die Oberstelle hat/
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Weil seine Schönheit ist sein Meuchel-Mörder worden/
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Das weiche Hochzeit-Bett’ ein eitle Grabesstat.
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Die hat den Hyacinth der Sonnen-Schatz/ erkohren
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Und jen’ ein’ Anemon’ in ihrer Purpurtracht
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Ein andre Clytien so mit dem Tag gebohren
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Und mit dem Tage sich auch wieder schlaffen macht.
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Hier stieß des Saffrans Gold/ dort der Jeßminen Seele/
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Den stärcksten Balsam aus/ der den Geruch ergetzt/
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Die Myrrhen schwitzten noch ihr brünstig Liebes-Oele/
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Nebst welchen nach der Rey Citronen eingesetzt.
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Der Garten war nunmehr dem Himmel zu vergleichen/
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Die Blumen konten da die schönsten Sterne seyn/
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Als Febus und sein Chor von dem Parnassus weichen/
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Und stellen sich behend’ in Florens Lust-Haus ein.
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Es sey uns auch vergönnt/ sprach eine Pierinne/
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Weil der Apollo wil zusetzen unsre Blum/
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So schätzt der Grieche hoch der Amaranthen Ruhm.
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Diß schöne Tausendschön/ der Musen liebste Pflantze
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Sol unvergänglich seyn und ewig lieblich blühen/
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Es brauchet unser Fürst die Blume selbst zum Krantze.
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Drumb ist die Fürsten-Blum auch andern vorzuziehn.
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Nimm Flora dieser wahr daß sie kein Wurm beflecke/
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Daß keine Raupe nicht an ihren Blättern nagt/
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Daß sie kein kalter Wind/ noch gifftig Thau erstecke.
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Und dencke daß die Zeit von deiner Pflegung sagt.
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Bald ist die gantz Rey der Musen weggezogen/
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Der niedlich’ Amaranth wächst prächtig in die Höh’/
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Die Sonne lacht ihn’ an vom blauen Himmels-Bogen/
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Die Hitze brennt ihn nicht/ noch irgend rauher Schnee/
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Ein wundernd’ Aug’ erstarrt ob diesen Liebligkeiten/
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Der Rose Purpur stirbt/ die Lilgen werden blaß/
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Nur seine Schönheit lebt und die Vollkommenheiten
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Erregen bey dem Heer der Blumen schier den Haß.
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Die Chloris weiß ihr Glück nicht sattsam zu erheben/
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Umb daß ihr Garten war ein Paradiß der Lust/
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Das diesen Amaranth die Musen selbst gegeben/
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Dem keine Wechselung der Zeiten sey bewust.
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Doch allzuschnelle Freud’ und ungegründtes schliessen
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Der Frühling hatte sich dem Sommer kaum genaht/
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Als von der Hitze Gluth die Blume hingerissen/
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Der matte Stengel dorrt/ es welckt das schöne Blat.
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Früh’ eh der Tag erwacht eilt Flora ihre Bilder
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Und unter diesen nur den Amaranth zu sehn/
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Der Seuffzer trüber Schall klingt durch die Lust-Gefilder/
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Und bleich erschrecken lehrt das Unglück sey geschehn.
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Die Blumen prangten nicht/ sie hingen ihre Cronen
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Und düstre Traurigkeit lag auff dem trüben Feld/
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Sie fraget gantz bestürtzt die nechsten Anemonen
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Und hört ihr Tausendschön sey aus der Blumen-Welt.
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Und Chloris auch zugleich/ rief sie mit vollem wimmern/
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Und riß den lichten Rock/ der Sternen trotzt’/ entzwey/
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Man sah kein einzig Glied wie vor von Schönheit schimmern/
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Die Wehmuth lehrte schon/ wer ihr gestorben sey.
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Ach/ rieff sie abermahls/ welch Unstern der Cometen
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Ist auff mein Reich verhetzt/ hat je ein Ohr gehört/
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Daß auch der Himmel wil aus Neid die Blumen tödten/
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Die seine Hoheit doch gebücket stets geehrt.
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Wie mir nur einzig lieb mein Amaranth gewesen/
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Das werthe Tausendschön weiß auch der Musen Schaar
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Die Götter sollen selbst auf ieden Blumen lesen
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Das nur mein Augen-Trost die werthe Pflantze war.
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Jm Aufwachs zarter Jahr’ in so beliebten Tagen
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Reist unvermerckte Hitz all unsre Hoffnung ein;
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Nur was noch übrig ist muß ich zu Grabe tragen
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Doch sol der Name stets bey mir geheiligt seyn.
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Auf meine Nymfen auf/ und windet Trauer-Kräntze/
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Brecht die Cypressen ab und auch den Eybenbaum/
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Hegt umb mein Tausendschön die herben Todes-Täntze.
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Gebt ungehemmtem Leid nur freyen Platz und Raum.
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Es sollen Blumen stets den lieben Ort umschliessen
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Wenn auf den Stengeln früh die Thränen werden fliessen/
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So weiß man daß es umb den Amaranth geschehn/
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Den mir hinweggerafft der Hitze dürres Fieber/
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Pflantzt ihm den Ehren-Preiß ihr Nymfen/ doch aus Pflicht/
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Ich setz’ ihm diese Blum/ je länger und je lieber/
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Mein letztes Opffer ist/ das Kraut/