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Wje kan die Tugend ihr auf dieser Unter-Welt/
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Ein ewig Wonhaus bau’n/ und schnöden Augen dienen?
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Wenn sie in ihrem Licht vollkommen ist erschienen/
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So zeucht sie von uns ab/ damit ihr nicht entfällt
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Der angebohrne Glantz/ weil unser Fehl’ und Flecken/
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Die höchste Reinligkeit mit Lastergift anstecken.
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Je heller sich die Flamm’ im ersten Aufgang zeigt/
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Je schneller fährt der Schein nach den gestirnten Höhen;
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So eben ist die Seel’/ sie läst diß Wesen stehen/
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Das irrdisch ist und heist/ ihr Tugend-Feuer steigt
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Weit über Wolck’ und Luft/ verläst des Cörpers-Bande/
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Geht seinem Ursprung nach zum wahren Vater-Lande.
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Ob zwar ein sterblich Leib der Seelen Wohnhaus bleibt/
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Und sie als Königin das Leben übermeistert/
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So ist doch Fleisch und Blut mit der Gewalt begeistert/
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Die Anfruhr gegen ihr fast alle Stunden treibt.
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Und soll die Hoheit nicht in tiefsten Sünden schmachten/
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So muß sie/ Himmlische/ nur nach dem Himmel trachten.
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Sie sieht wol/ wie die Welt sucht Finsternüß und Nacht/
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Wie sie ihr Hertz verstellt den Nechsten zubetriegen/
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Wie sich der Mund befleist der Tugend vorzuliegen/
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So unter Schimpf und Schand an Bettelstab gebracht/
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Wie in der Augen-Glantz die Freundligkeiten spielen/
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Wie in dem Busen Haß/ Zorn/ Rach’ und Meineid wühlen.
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Sie jammerts/ daß der Mensch bey solcher Nichtigkeit
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Sich so vergnüget schätzt/ sie klagt daß unser Leben/
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Begierden unterthan/ und Wollust übergeben
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Ja daß wir selbsten seyn ein Spiel und Traum der Zeit/
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Das Leben ein Magnet/ der uns zur Bahre ziehet/
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Ein blasser Wermuthstrauch/ der auf dem Kirchhof blühet.
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Ein Alabaster-Grab mit Kohlen außgesetzt/
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Ein Gold-geflochtner Strick/ der Jahr’ und Freyheit bindet/
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Ein Molch/ den man verdeckt in Ros’ und Lilgen findet.
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Ein Spiegel/ dessen Schein uns auf den Tod verletzt/
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Ein Feur/ das unser Blut zu kalter Aschen brennet/
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Ein Bild/ das man bey Nacht und nicht bey Tage kennet.
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Ein Mahler/ der nur sich und keinen sonsten trift/
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Ein Aethna/ der mit Schnee von aussen überdecket/
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Ein brennender Vesuv/ der doch Krystallen hecket/
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Ein Thau/ der seine Perl’ im Essig beitzt und schliefft/
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Ein Pomerantzen Knopf/ in dem die Maden nisten/
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Ein Stall/ den nur der Tod/ sonst niemand/ auß kan misten.
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Was wunder ist es nun/ wenn sich die Seel’ entbricht?
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Es sey/ daß noch den Leib der Tugend-Rosen ziehren/
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Er mag den Mittlernstand erwachsner Jahre führen.
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Es sey auch/ daß der Schnee gibt Haar’ und Scheitel Licht/
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So bleibt sie doch nicht hier/ und bey verlebten Zeiten
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Wird sie noch frölicher auß diesem Nothstall schreiten.
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Sie schleicht denn wie ein
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Es ist kein groß Geräusch’ und stürmendes Gedränge/
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Das ihrem Aufbruch folgt/ sie hält sich in die Enge/
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Und bläst das Lebens-Licht ohn alles dämpffen auß.
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Drauf reis’t sie freudig fort/ weil schon ein ander Morgen/
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Den Himmel aufgeklährt/ den vor die Nacht verborgen.
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Ein ewig-lichte Sonn’ und Klarheit voller Blitz/
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Bestrahlt den reiffen Tag/ und macht ihn gantz vollkommen.
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Die müde Pilgramin wird freudig aufgenommen/
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Ins Schloß der Ewigkeit/ deß Höchsten Schöpffers Sitz/
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Da kleidet sie sich erst ins rechte Braut-Gepränge/
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Und opfert mit der Schaar der Engel Lobgesänge.
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Orumb ruffen wir itzt recht der
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Daß sie nach Sturm und Wind den Port ist eingelauffen/
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Daß sie das Jrrd’sche kan umbs Ewige verkauffen/
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Und daß sie nun geneust der ungekränckten Ruh:
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So tragen wir auch nur den mürben Leib zu
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Weil ihrer Tugend-Ruhm frist weder Wurm noch Schabe.
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Glückfelig ist der Tod/ der so viel Leiden schafft/
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Durch einen süssen Schlaf und sanften Hintrit endet.
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Diß was nicht sterblich ist/ wird Himmel-an gesendet/
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Ob schon ein dürres Bein bleibt in des Grabes haft/
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&q;Was auferstehen sol/ das muß zuvor verderben:
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&q;Heißt doch ein weltlich Recht erst nach dem Tod uns