Die Ritterliche Venus Auf Hn. J. H. v. B. u. J. A. E. v. T. Hoch- Adel. Vermählung/ den 5. Novemb. 1680.

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Heinrich Mühlpfort: Die Ritterliche Venus Auf Hn. J. H. v. B. u. J. A. E. v. T. Hoch- Adel. Vermählung/ den 5. Novemb. 1680. (1686)

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Dars als er einst vergnügt aus Venus Armen stieg/
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Von Wollust überströhmt/ von Liebe satt gespeiset/
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Sprach; Göttin daß mein Hertz sich danckbahr dir er-
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Daß dein erhitzter Kuß mehr als ein blutig Sieg
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Mich auffgemuntert hat/ so schwer’ ich bey den Leichen
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Die diese Faust gewürgt/ ich wil dir alles reichen.

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Die Venus redte drauff und fiel ihm umb den Leib/
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Du Feld-Herr aller Welt/ sol ich noch was begehren?
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Daß nicht Vulcanus Nutz uns wieder wird beschweren/
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So ist auch buhlen nicht mein bester Zeit-vertreib
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Ich habe deinen Geist und Helden-Muth gefangen
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Stell’ ein Thurniren an/ so stillst du mein Verlangen.

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Es ist ein Küraß mir zu tragen gar nicht schwer.
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Ich lasse meinen Leib in blancken Stahl einschrauben/
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So sol hier dieser Hand niemand die Kolbe rauben.
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Ach daß doch Tag und Stund alsbald benimmet wär/
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Wie freudig wil ich nicht in hohen Zeugen stechen/
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Nie werden Bügel-loß und frisch die Lantzen brechen.

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Der strenge Waffen-Gott schrieb ein Thurniren aus/
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Die Pracht und Herrligkeit kan keine Feder melden:
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Der Kern der Ritterschafft/ die Blumen von den Helden
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Die Seelen voller Gluth/ verliessen Hof und Hauß
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Und eilten zu dem Ort! die Erde must’ erzittern/
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Als sie den Auffzug sah bekrönt mit so viel Rittern.

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Erst schalte durch die Lufft der Tromm- und Paucken Klang.
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Denn ritten Glied auff Glied/ die hohe Lantzen führten/
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So noch zu grössrer Pracht des Strausses Federn zierten;
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Bald kamen Fahnen nach/ darinn der Löwe sprang/
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Der Tyger Klauen wieß/ der Drache Feuer speyte/
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Daß das bestürtzte Volck vor Schrecken trat zu Seite/

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Drauff zog als im Triumpffder Welt-Bezwinger ein.
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Der Wagen troff voll Blut/ der Hengste Sprung und Schäumen
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Bließ Feuer-Funcken aus/ die Bahn rein auszuräumen.
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Zorn/ Rauben/ Mord und Tod sah man Gefehrten seyn.
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Es klunge schon das Schwerd/ es schwirrten schon die Spiesse/
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Als wenn der Marspiter in Klumpen alles schmisse.

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Hingegen Venus kam in Freundligkeiten an.
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Jhr Herold war die Lieb/ ihr Auffboth süsse Blicke/
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Jhr Persevante Gunst und himmlisches Geschicke;
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Erst traten Gratien verschwestert auff den Plan
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Sambt der neun Musen Reyh/ mit Lauten und Violen
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In lieblichster Music/ die Göttin abzuholen.

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Denn folgten Glieder weiß die nackten Amorn nach/
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Und schmissen in die Lufft Nareissen und Jeßminen/
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Jhr Gold-gekraustes Haar sah man von Myrten grünen.
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Der Wagen kehrte sich in ein schön Schlaff-Gemach/
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Darin die Venus lag/ den zogen Silber-Schwanen/
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Vorn flogen rings umbher die bunten Taffend-Fahnen.

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Statt einer Losung war der Spatzen Feld-Geschrey.
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Die Tauben flochten schon durch schnäbeln Rosen-Kräntze.
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Es machten Sängerin viel angenehme Täntze/
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So die Amazonin begleiten in der Reyh/
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Die wolten im Thurnir/ als Edle Ritterinnen/
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Die besten Dänck und Preiß für Helden weggewinnen/

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Mars sprengte hurtig aus und schrenckte seinen Spieß/
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Als der zum Balgen nur und Grausamkeit gebohren/
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Und sich zum Gegentheil die Venus außerkohren;
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Jhr/ die mehr Lieb und Gunst als irgend Kräffte wieß/
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Indem sie nun beginnt zum zierlichsten zu rüsten/
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Entfällt im Rennen bald der Spieß von Hand und Brüsten.

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Cupido der allhier ein recht Grieß-Wärtel war
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Rieff; freilich ist Carrer’ und auch der Danck verfallen/
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Wo aber einer sich wagt von den Rittern allen/
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So stellt sich zu dem Kampff die Anemone dar.
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Das Frauen-Zimmer sol hauptsächlich hier erkennen/
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Wie anzustellen sey das vorgesetzte Rennen.

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Scharff-Rennen taug allhier und Krondel-Stechen nicht.
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Beliebt der Carasell/ wo man mit Kugeln schmeisset?
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Wie oder die Copi/ da man den Kopff wegreisset?
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Welch Ritter lebt/ der nicht gern nach dem Ringe sticht?
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Auff Ritter/ auff den Platz/ es muß die Anemone
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Bey diesem Ritter-Spiel erhalten Preiß und Krone.

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Jhr Adel und Verstand erfordert solchen Danche
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Bald macht ein Ritter sich/ den wir ietzt Hector nennen/
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Begierig auff die Bahn/ trägt in dem Ringel-Rennen
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Die meinsten Treffen weg. Die Venus wurde kranck
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Und schry/ wagt Carasell; als er mit seinem Pfeile
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Und Kugeln ihren Schild gleich mitten brach im Theile.

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Der Kriegs-Gott rieff/ es sey Copy die letzte Lust/
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Wie spielt nicht das Gelück mit Siegern im Thurniren!
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Die Ring und Carasell vor muste nur verliehren/
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Setzt ferner ihr die Lantz behertzter an die Brust/
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Und hat Stirn-mässig nun so wol den Kopff getroffen/
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Daß ungezweiffelt sie den besten Dauck zu hoffen.

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Mars als Besiegter schloß die Venus in den Arm/
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Vermehrerin der Welt/ Lust-Göttin dieser Erden/
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Der auch die Ritter ietzt fuß-fällig müssen werden/
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Hier leg’ ich Helm und Spieß und ruff’ erbarm’ erbarm’
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Ich und mein Ritter-Volck bin durch das Spiel geschlagen/
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Laß doch den letzten Danck mich von den Jungfraun tragen.

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So zieren Sterne nicht des Mondens Silber-Blat/
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Wie Liebes-Engel sich bald umb die Göttin machten
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Frolockten in der Lufft/ liebkosten/ schertzten/ lachten.
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Held Hector der behertzt umb die Belohnung bat
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Erlangte zwar den Ring/ doch blieben Anemonen
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Dem Edlen Tugend-Bild/ Kopff/ Hertze/ Seel und Kronen.

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Der Schwanen langer Halß schry tausendmal Glück zu.
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Einhellig stimmten bey die unbefleckten Tauben;
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Man sol die Ritterin begnaden mit der Hauben/
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Die unter Lorbern hat bey der Laurette Ruh
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Und Schirm und Schutz gesucht/ ist würdig süsser Ketten/
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Und die Preiß Geberin verehrt man in Lauretten.

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Mars als ein Krieges Mann/ der nicht der Wörter Pracht/
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Der Reden Anmuth liebt/ sprach; unter Amazonen
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Stell ich mit höchstem Recht die Heldin Anemonen;
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Und weil die Venus hier das beste Vortheil macht/
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So überlaß ich ihr den Stech-Danck im Thurniren/
108
Und Anemone wird den Hector triumfiren.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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