Auf Hn. F. C. P. in K. u. J. A. E. K. Hochzeit/ den 9. Julii 1680.

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Heinrich Mühlpfort: Auf Hn. F. C. P. in K. u. J. A. E. K. Hochzeit/ den 9. Julii 1680. (1686)

1
Weg mit der Einsamkeit/ was soll der leere Stand?
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Kein Mensch lebt auf der Welt/ der sich kan selber lieben.
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Es ist das Weib erbaut aus einer Seiten-Rieben/
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Die Adam/ wie er nur erwachte/ fertig fand.
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Diß war sein erster Schatz/ an dem er sich ergetzte/
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Die er ein Paradis im Paradise schätzte.
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Er sah verwundernde der Augen Sternen an/
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Die Lichter konten ihn mehr als die Fackeln blenden/
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So uns bey stiller Nacht der Monden pflegt zu senden/
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Wenn er sein güldnes Heer führt auf die blaue Bahn.
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Die Strahlen zogen ihn/ die Blicke wurden Blitze/
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Und er empfand bey sich ein’ ungemeine Hitze.
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Ob schon die gantze Welt zu seinen Füssen lag/
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Und Flora unter ihm den schönsten Teppicht machte/
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Das Feld grün/ wie Smaragd/ der Wald von Anmuth lachte/
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Der Sonnen güldnes Rad verlängerte den Tag/
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Die Lufft wie Demant hell/ die Brunnen wie Crystallen/
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Mit welchem sich vermischt der Thon der Nachtigallen.
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So rührt ihn doch nicht so das grosse Kunst-Gebäu/
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Als ihn die Lilien auf der Geliebten Wangen/
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So sind die Rosen nie im Frühling aufgegangen/
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Mit solchen Blumen prangt nicht der besternte May/
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Als seiner Eva Mund/ der/ wenn er sich nur regte/
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Den Zunder größrer Glut in feine Seele legte.
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Er sah die Glieder an/ sein eigen Fleisch und Blut/
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Ein solches Helffenbein/ das Indien nicht schicket/
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Da mit Saphiren war der Aderu Grund durchstücket/
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Er siht den Schnee der Brust/ da wächset ihm der Muth.
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Daß auf der weissen Höh Granaten-Knospen blühen/
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Und die Rubinen die Narcissen überziehen.
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Die Woll’ ist nicht so zart/ die Seide nicht so weich/
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Als der formirte Leib auß schlechtem Thon und Erden.
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Es muß ihm jedes Glied zu Lust-Magneten werden/
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Und sie ist Königin in seinem Königreich.
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Er theilt mit ihr sein Hertz/ und gibt ihr zu verstehen/
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Daß diese Würckung komm auß den gestirnten Höhen.
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Sie hatte kaum den Kuß/ den heissen Kuß geschmeckt/
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Dem sich kein Zimmet-Oel und Amber-Kuchen gleichet/
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Dem Ambrosiner-Marck und Safft des Nectars weichet/
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Als sie ihn gantz verliebt deß Hertzens Grund entdeckt/
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Sich flicht umb seinen Hals/ und in die Armen schrencket/
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Und wie ein Reben-Blat am grunen Stocke hencket.
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Mein Adam/ sagte sie/ du An-Herrerster Welt/
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Ertz-Vater vom Geschlecht/ und Brunn-Quell aller Kinder/
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Mein Herrscher und mein Herr und der Natur Ergründer/
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Der ungewohnte Trieb/ der meine Brust befällt
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Heist mich deß Höchsten Schluß gehorsam nur erkennen/
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Ich will in gleicher Glut biß auf die Asche brennen.
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Sie schloß; und Augenblicks rieff Erde/ See und Lufft/
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Ein schönes Braut-Lied zu/ der Nach-Welt anzuzeigen/
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Daß gleiche Regung solt’ in ihre Seele steigen.
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Wer glaubt/ mein
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Und schlägt/ gleich einer Uhr/ von Flammen angeglühet/
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Wenn er das Ebenbild der ersten Mutter sihet?
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Sie stellt ihm gleichfalls für ein schönes Paradis/
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Die keusche Scham und Zucht sind ihre Purpur-Decke/
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Die seltne Häußligkeit vergleicht sich einer Schnecke/
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Und ihre Tugend ist mehr als ein güldnes Fließ.
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Ein wilder Jason mag nach Colchos immer reisen/
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Es wird ihm ihre Treu weit beßre Schätze weisen.
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Diß was er vormals nur in stummen Büchern laß/
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Wie offt die Lesbia hat den Catull geküsset/
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Wie Cynthia die Nacht hat dem Propertz versüsset/
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Wie Naso höchst-vergnügt bey der Corinna saß/
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Wie Violanten hat der Statius beschrieben/
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Das ist ein Gauckel-Spiel für Eh-verknüpftem Lieben.
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Zwar/
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In Heydnische Gedicht’/ als ein Wegweiser/ führe/
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Wo bey der klugen Welt ich nicht das Lob verliere/
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So weiß ich/ daß mein Mund ihm diß gelesen vor/
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Und daß kein munter Pferd so kan zum Ziele rennen/
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Als wie sein feurig Geist in Künsten pflag zu brennen.
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Wenn nicht verwandtes Blut mir schnöder Heucheley
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Brennt’ einen Argwohn an/ so wolt’ ich Zeugnuß geben/
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Wie Rom und Griechen-Land in seinem Kopfe leben/
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Wie er ein Inbegrieff der Wissenschafften sey/
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Und/ was das Alterthum in seiner Schoß verborgen/
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Er ihm bekandt gemacht durch Lesen/ Wachen/ Sorgen.
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Allein ich wende mich zu seiner schönen
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So prangt die Nelcke nicht in ihrem Sommer-Kleide/
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Der Gärten höchste Zier/ deß Frauen-Zimmers Freude/
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Als er jetzt seine Blum’ im besten Wachsthum schaut;
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So werden nimmermehr der Chloris Kinder strahlen/
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Als Tugend und Verstand die Eh-Geliebte mahlen.
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Man liebet einen Baum von einer guten Art.
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So können Adler nicht gemeine Tauben hecken.
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Jm Crocodilen-Ey wird nicht ein Phönix stecken.
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Man seh die Ceder an/ die sich mit Cedern paart:
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So auch ein edler Sinn von guter Zucht entsprossen/
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Sucht wieder mit Bedacht dergleichen Ehgenossen/
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Es wird der Giertischen ihr Wolverhalten blühn/
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Und ihre Redligkeit noch im Gedächtnüß bleiben/
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Dieweil der Oder-Strom wird seine Wellen treiben/
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Und mit vermehrtem Fluß vor
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Wenn Eltern eifrig nur der Tugend nachgestrebet/
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So sieht man/ wie ihr Licht auch in den Kindern lebet.
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Er nehm’/ als Priester/ an das Himmels-werthe Pfand/
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Sie selbst/ als Priesterin/ wird helffen eifrig beten/
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Und vor den höchsten
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Zu segnen unsern Staat/ zu segnen Dorff und Land.
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Diß Rauchwerck wird gewiß dem Schöpffer wolgefallen/
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Und dieses Jubel-Lied in seinem Ohr erschallen.
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Mein
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Jhm hat bißher gemacht. Er hülle sich in Rosen.
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Und wie Adonis pflag der Venus liebzukosen/
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So geb’ er seiner
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Zu wissen/ wie sie sey ein Paradis-Gerüchte/
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Das künfftig bringen wird die angenehmsten Früchte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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