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Ach lebte Tscherning noch/ der Ruhm gelehrter Zeiten!
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Der himmlische Poet/ des Vaterlandes Preiß/
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Von dessen Kunst und Witz der Belth zu sagen weiß/
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Daß er gewesen sey ein Meister deutscher Seiten.
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Ach lebte Tscherning noch/ wie ehrt’ er dieses Fest!
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Das euch Verlobte Zwey zusammen treten läst.
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Er würde/ wie er pflag/ den Helicon bewegen/
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Es müste Castalis mit vollen Strömen gehn/
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Und ihm der Lorber-Wald zu dienst und willen stehn/
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Damit er seiner Muhm als
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Erklärte durch ein Lied/ weissagte Heil und Ruh/
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Und Phöbus spreche selbst ein kräfftig ja darzu.
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Umbsonst! sein edler Geist wohnt nunmehr bey den Sternen/
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Er hat die Sterbligkeit schon längsten abgelegt/
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Mich/ den kein heisser Zug der Dichter mehr bewegt/
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Der ich den Kindern gleich die Reim-Kunst wil verlernen/
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Brennt itzt kein süsses Feur/ das solche Funcken sprüht/
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Worinnen man gebildt der Liebe Schönheit sieht.
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Jedoch die Freude wil die schwache Feder führen/
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Wenn ich die Eltern seh bey ihren Kindern stehn/
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Und seufftzen da zu GOtt/ dem Stiffter keuscher Eh/
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Daß es doch ihrem Blut und Saamen wolergeh.
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Nun sich ihr Ehren-Schnee mit Wolfahrts-Lilgen schmückt/
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Und es der grosse Rath des Himmels hat geschickt/
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Daß sich in gleiche Treu zwey gleiche Seelen kleiden/
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Und daß ein Bürgers Kind dem andern sich vermählt/
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Und in der Gleichheit auch noch Stand noch Uhrsprung fehlt.
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Und führet Seulen auff aus eurem eignen Blut/
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Denn fromme Kinder sind doch nur das höchste Gut.
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Wer die gezeuget hat/ den ehren gar die Rechte/
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Jhr wist wem ihr den Schweiß von euren Händen last/
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Und Erb und Eigemhum besitzt kein frembder Gast.
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Last ietzt die Sorgen seyn ihr hochbeglückten
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Der müden Kräffte Stab ist ein geliebter Sohn/
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Und keusche Töchter sind der Eltern Schmuck und Cron.
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Die Gunst des Himmels wil ob eurem Namen walten/
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Jhr könt nicht untergehn/ ob euch das Grab schon hält/
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Dieweil ihr wieder lebt durch eurer Enckel Welt.
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Nun zehlet diesen Tag vor einen von den besten.
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Allein/ wo lassen wir denn unsre schöne
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Die itzt mit keuschem Blick auff ihren Liebsten schaut/
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Und windet in sein Haar den Krantz von Myrten-Aesten.
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Gibt durch Veränderung der Mienen zuverstehn/
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Es müß ein heimlich Feur in ihren Adern gehn.
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Nichts anders steht die Ros’ als wie Eleonore/
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Wenn itzt die Morgenröth im lichten Scharlach blitzt/
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Und den gesunden Thau auff jede Blumen spritzt/
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Und gantz beperlet steht die Sternen-reiche Flore/
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Da breitet sie zugleich den Purpur Mantel aus/
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Und sie ist Königin in ihrem Blumen-Hauß.
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Jhr Thron ist grüner Sammt/ die Dörner sind Trabanten/
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Biß daß sie aus dem Schlaff mit ihrem Haupt erwacht/
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Und hundertfältig sich/ in ihrer Blätter Pracht/
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Zeigt mit Verwunderung den Augen der Bekandten.
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Der rühmet den Geruch/ und der der Farben Glantz
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Und sagt die Rose dient zu einem Jungfer-Krantz.
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Und Blumen so uns je der Gärte Schoß gewehrt/
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Er seinen liebsten Schatz und schöne
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Der selbst die Gratien und Tugenden liebkosen.
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Der Frühling ihrer Zeit trägt Blumen die stets blühn/
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Und nicht so bald davon als unsre Rosen fliehn.
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Wolan die Jugend ist ein Jahrmarckt süsser Liebe/
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Die Persien nicht schickt noch Ormus lieffern kan.
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Wer hier bey zeiten nicht dergleichen Güter sucht/
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Der findet denn zu spät die Schalen sonder Frucht.
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Ein Frauenzimmer hegt noch mehr als eine Messe.
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Sticht nicht der Augenlicht die Diamanten hin?
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Die Zeuge mancher Art/ wie künstlich sie auch blühn/
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Wie zierlich sie gedruckt die neuerfundne Presse/
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Verlieren Farb und Glantz vor dieser Schönheit Schein/
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Wo die Vollkommenheit wil Obermeister seyn.
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Erblast der Atlas nicht vor einem rothen Munde?
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Gleicht weisse Seide sich wol einer zarten Haut?
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Und wer das Rosenfeld der schönen Wangen schaut
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Wird sagen Sammet hat nicht solche Glut zum Grunde.
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Es sey verwunderns werth/ was Morgenland uns webt/
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Ein Bild verdient mehr Ruhm/ das sich bewegt und lebt.
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Wolan/ so kauff er ein das beste von den Schätzen/
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Der witzige Mercur/ der viel verkehren kan/
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Verspricht ihm zum Gewinn/ Vergnügen und Ergetzen.
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Es flicht die Einigkeit so ein gewünschtes Band/
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Dergleichen ihm noch nie ein Marckt hat zugesand.
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Scheint ihr der Sonnen-Rad was langsamer zu gehn/
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Weil Hoffen und Begier schon in Bereitschafft stehn/
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Und Hymen sie gereitzt durch seine süsse Lieder/
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Daß sie den Abend ihr hat vor den Tag erkiest/
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Dieweil als wie bekandt die Nacht verschwiegen ist?
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So gehe sie nun hin aus ihrer Eltern Armen/
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Es folge Glück und Heil ihr auf der Fersen nach/
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Getreue Lieb und Gunst stehn umb das Schlaffgemach/
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Und der Cupido will bey euer Lust erwarmen/
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Und dieser neue Stand den ihr itzt schreitet ein/
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Der müsse fort für fort ein trächtig Sommer styn.
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Pflantzt Blumen süsser Lust in eurem neuen Stande/
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Darob der Eltern Hertz und Auge sich erfreut:
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Die Nahrung geh nach Wunsch/ lebt in Zufridenheit/
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In eurer neuen Eh/ wie im gelobten Lande.
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Damit ihr/ wenn das Jahr hat seinen Lauff verkehrt/
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Von euer Fruchtbarkeit die Erstlinge gewehrt.