Auf Hn. S. R. v. R. u. J. A. M. S. Hoch- zeit in eines andern Namen/ 29. Aug. 1679.

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Heinrich Mühlpfort: Auf Hn. S. R. v. R. u. J. A. M. S. Hoch- zeit in eines andern Namen/ 29. Aug. 1679. (1686)

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Soll denn die Vor-Burg deutscher Erden/
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Das Schatz-Haus aller Fruchtbarkeit/
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Der Barbarn Raub und Beute werden/
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Durch Enderung der bösen Zeit?
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Gewehrt es nicht mehr seine Gaben
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Und zieh’t uns seine Güter ein/
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Läst es die Berge nicht durchgraben
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Und wil ohn Gold und Silber seyn?

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Nein: Unger-Land steht dennoch feste/
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Wie sehr ietzt Blitz und Donner kracht/
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Wie hoch es kräncken wilde Gäste
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Mit zugestoßner Krieges-Macht;
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Es weiset uns noch ihre Schätze
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Die Wunder-gütige Natur/
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Sie krönt mit Fruchtbarkeit die Plätze/
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Mit Adern die erfundne Spur.

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Es wil sich Flora zwier da kleiden
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Und Bacchus immer trächtig stehn/
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Die Pales trotzet Samm’t und Seiden/
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Wenn sie ihr Vieh läst weyden gehn;
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Die Ceres lehrt mit ihren Garben/
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Daß nichts an Reichthum noch gebricht/
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Wenn andre Länder müssen darben
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Hat sie ein Korn-Haus aufgericht.

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Alleine diese Treffligkeiten
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Wie herrlich man sie schätzen mag/
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Thun nichts zu den’n Vollkommenheiten
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Und halten nicht die Gegen-Wag’/
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In welcher sich sein Hertz ietzt wieget/
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Herr Bräutigam/ das nunmehr brennt/
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Und ist von einem Schatz besieget
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Der keinen Feind noch Zufall kennt.

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Wenn andre reiche Beute loben/
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Und sie erfreut manch fündig Gang/
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Wenn sie ergetzen Silber-Proben/
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Und auch der Wünschel-Ruthe Hang;
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So sind der
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Von solchem Fadem/ Zeug und Krafft/
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Daß sie ihm das Geblüt aussaugen
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Und nehmen Hertz und Seel’ in hafft.

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Es sey daß uns viel Silber-Kuchen
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Zusenden kan die neue Welt;
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Hier kan er mehr Vergnügung suchen/
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Sein Preis ist höher noch gestell’t.
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Die Schätze kan der Feind verderben:
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Der Seelen Lieb und Einigkeit/
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Die bleibt beständig biß ans Sterben/
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Und wird nicht durch den Tod entzweyt.

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Das Bergwerck mag so reich sich zeigen/
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Gefahr und Müh die schläft dabey/
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Offt wenn sich gute Blicke neigen/
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Ist man vom Kobolt doch nicht frey.
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Hier aber seiner Liebsten Blicke
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Sind ihm auch Sternen bey der Nacht/
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Die ihm weissagen sein Gelücke
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Und was ihn hat verpflicht gemacht.

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Und solt er nicht bey
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Ein Bergwerck finden voller Lust?
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Ein gleicher Sinn/ ein gleicher Willen/
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Ein gleiches Hertz in einer Brust.
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Die werden ihn noch mehr ergetzen
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Und voller Liebes-Pfänder seyn/
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Als wenn er liesse Stuffen setzen
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Und führe frembde Fahrten ein.

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Sein Wald wird auch im Winter blühen/
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Ob ietzt des Herbstes Purpur prahl’t/
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So ist die Röthe vorzuziehen/
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Womit der
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Er findet auf der
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Stets einen Blumen-reichen May/
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Was er kan wünschen und verlangen/
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Das legt ihm dero Schönheit bey.

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Diß ist die beste Zeit im Jahre/
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Wenn Bacchus seine Kelter tritt/
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Die Ceres liefert ihre Wahre/
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Und den so reichen Erndten-Schnidt/
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Wenn uns der Wald sein Wildpret sendet/
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Die Gärten liefern ihre Frucht/
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Wer ist der seinen Sinn wegwendet/
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Und da nicht Lust und Freude sucht?

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Doch was die Seele kan vergnügen/
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Und was des Menschen Hertz erfreut/
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Das kan die Liebe nur zufügen/
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Der Zucker aller bösen Zeit:
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Noch Wald/ noch Berg/ noch alle Gaben
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Sind seiner
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Hier kan er seine Ruh-Stätt haben
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Und fast ein irrdisch Himmelreich.

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Ich wünsche/ daß weil Mars ietzt blitzet/
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Und Unger-Land noch immer breun’t/
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Sein Hertz im Lieben sey erhitzet/
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In gleichen Flammen unzertrenn’t.
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Der schönen
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Daß sie wie Gold und Silber sey/
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Und in des Glückes Prob und Streichen
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Behalte reine Lieb und Treu.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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