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Der kleine Liebes-Gott der stets gewohnt zu siegen/
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Der jede Stunde was von Raub und Beuthe zehlt/
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Und dessen güldner Pfeil kein Hertze hat verfehlt/
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Ließ auch den Köcher nicht im Winter müssig liegen:
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Er schwung sich wie er pflegt gewaffnet in die Höh/
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Und lachte trotzig auß deß Himmels Frost und Schnee.
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Es war das albre Kind kaum durch die Lufft gedrungen/
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Als voller Flocken hieng das aufgekrauste Haar.
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Es fuhr durch seinen Leib der grimme Februar/
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So daß im Augenblick der Glieder Wachs zersprungen.
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Er starrt als wie Metall/ ist durch und durch beeist/
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Und sincket auß der Lufft gantz ohne Seel und Geist.
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Er lag da in dem Schnee ein Raub der wilden Thiere.
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Nicht einer nahm sich mehr von Göttern seiner an.
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Sie sprachen/ der uns hat viel Schalckheit angethan/
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Ist würdig daß er auch sein Leben so verliere.
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Es tödt’ ihn Kält und Frost und der erboste Nord/
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Vollziehe wie er sol den wolverdienten Mord.
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Der so geraume Zeit in Einsamkeit gelebt/
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Und mit bedachtem Muth den Flammen widerstrebt/
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Daß sein getreues Hertz nicht irgend Glut erlitten.
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Er siehet recht bestürtzt den Knaben hingestreckt/
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Und wie sonst nichts als Schnee die zarte Blösse deckt.
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Dann naht er sich herzu und zwar nicht ohn’ erbarmen/
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Es schien die Göttligkeit auch unterm Frost herfür.
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Er lobte die Gestalt und Engel-gleiche Zier/
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Schloß endlich bey sich selbst. Verlaß ich nun den Armen/
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So fürcht ich Venus Zorn. Der
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Zeugt/ daß er muß ein Sohn der grossen
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Er nimmt ihn zu sich ein/ kein Leben war zufinden.
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Der schöne Purpur-Mund sah als wie Kreide bleich/
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Das Haar hieng voller Eiß so vor wie Wolle weich/
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Es weiß nicht Celadon die Ursach zuergründen/
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Begehrt nur wohl zuthun und reiset ferner hin/
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Biß daß er kan zu Brig nach seinem Wunsch einziehn.
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So bald nur Celadon den Fuß in Brieg gesetzet/
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So wittert sich bey ihm ein ungewohnter Trieb/
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Er fühlt durch Marck und Blut den Zunder neuer Lieb’
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Und sucht ein schönes Bild das Aug und Seel ergetzet.
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Der Himmel stimmt mit bey und läst es drauf geschehn/
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Er hatte kaum erblickt die Sternen ihrer Augen/
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Die Sonnen so sein Hertz mit hellem Glantz bestrahlt/
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Die Spiegel wo sich selbst die Venus abgemahlt/
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Die Blitze so erglüht ihm Seel und
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Als er gefangen sich nennt einen Unterthan/
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Chlorinde die voll Scham als wie Aurorens Wangen/
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Jm ersten Purpur stehn/ entfärbt sich im
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Mein unbefleckter Geist/ antwort sie/ weiß ja nicht/
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Was Lieb und Flammen seyn/ bißher bin ich gegangen/
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Als eine Priesterin der Vesta nur geweyht:
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Der Themis grossen Rath/ des Vaterlandes Zier/
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Der Musen Heil und Trost/ den an das Stern-Revier/
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Der Nachruhm längst gesetzt und Cedern eingeschnitten.
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Wie er ein Atlas stand bey manchem Fürsten-Tag/
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Als oft des Landes Last auf seinen Schultern lag/
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Er sprach mein eintzig Trost der abgeschwächten Kräffte/
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Mein süsser Aufenthalt in meiner Einsamkeit/
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Der müden Jahre Stab/ mein Alles/ meine Freud/
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Und Kummerwenderin im Drangsal der Geschäffte/
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Dich soll ich so verliehrn? Doch/ was der Himmel will/
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Das sey uns Sterblichen gesetzet auch zum Ziel.
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Mich reitzt sein edler Stamm/ Witz und Bescheidenheit.
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So mag das Kleinod er zu einem Preiß weg tragen.
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Wie listig ist die Lieb und was ersinnt sie nicht/
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Damit sie ihr die Bahn zu jenen Rosen bricht?
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So denckt er ferner nach/ Cupido fält ihm ein/
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Als der schon unterdeß würd aufgetauet seyn/
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Und daß sein Lebens-Tacht sey wieder aufgeglommen:
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Er sagt: Damit ihr Hertz
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So sey er/ wie er ist/ Cupido/ hier geschenckt.
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Es lag der schlimme Gast als könt er sich nicht rühren.
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So fieng der Bösewicht den Pfeil zu drücken loß/
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Die Flügel flatterten/ es schien da kein erfrieren.
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Der Köcher strotzte gantz von Flammen/ Glut und Brand/
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Und ihre Liebe nahm zusehend’ überhand.
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Sn sprach der kleine Schalck/ diß heischt die Danckbarkeit/
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Auf seinen Schlitten mit/ sonst wär’ ich eine Leiche.
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Geh diß Verbündnüß ein/ vergnüge seine Glut/
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Du find’st an diesem Mann dein höchst und bestes Gut.
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Drauf sog er Bienen gleich auß der
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So einen süssen Kuß der nichts als Ambra bließ/
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Ja der die Seelen selbst zugieich zerschmeltzen hieß/
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Und sprach/ diß Siegel geb’ ich itzt zu eurem Bunde.
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Es deck euch so viel Lust als Flocken mich von Schnee.
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Chlorinden war es nur als wie im Traum erschienen/
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Und sie der Liebe Trieb mit größrer Macht empfand/
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So schwur sie: Meine Treu soll auch auf ewig grünen/
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So lang ein Athem wohnt in dieses Leibes Höl.
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Und wie sie ferner sich in seine Arme schloß/
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Wie sie den Nectar-Safft der höchsten Lust genoß/
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Und ihm ingleichen gab den Zunder der Begierden/
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Verschweigt die schwartze Nacht. Und meine Hippocren/
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In dem es Phöbus heist darff nicht mehr weiter gehn.