Der Eisen-ziehende Liebes-Magnet Bey Hn. D. O. u. F. M. T. g. M. Hochzeit den 9. Novemb. 1677.

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Heinrich Mühlpfort: Der Eisen-ziehende Liebes-Magnet Bey Hn. D. O. u. F. M. T. g. M. Hochzeit den 9. Novemb. 1677. (1686)

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Was macht man auf der Welt das allen doch gefalle?
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Viel Lieben ist nicht gut
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Und wer es gar nicht thut
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Der spielet mit der Zeit als wie mit einem Balle;
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Und wenn die besten Jahre hin/
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So sieht er/ nichts ist sein Gewin.
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Was ist der Mensch ihm selbst? ein öde Trauer-Wüste/
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Ein Ampel ohne Licht/
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Ein Feld/ dem Graß gebricht/
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Ein Garten ohne Frucht/ ein schwartzes Schau-Gerüste/
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Wo die Personen alle schreyn:
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Weh! wer in Einsamkeit muß seyn.
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Herr Nachbar/ er hat auch bißher genung erfahren/
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Wie nah’ der Wittber-Stand
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Dem Kummer sey verwand/
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Und daß/ wer Handlung treibt/ und führet Gut und Wahren/
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Sol es in vollem Lauffe gehn/
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Alleine nicht kan wol bestehn.
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Es mag ein ander nun von grossen Wundern sagen:
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Diß ist der Lauff der Welt/
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Die nichts vor schätzbar hält/
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Was nicht mit grosser Pracht und Ruhm wird fürgetragen.
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Ich weiß/ sein redlich dentscher Sinn
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Wirft solche Eytelkeiten hin.
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Ich wil in seinem Kram bey seinem Eisen finden
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Wofern es mir erlaubt
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Und er nur selber glaubt/
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Was ihn/
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Und was mit Zunder-reicher Brunst
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Jhn hat bewegt zur Gegen-Gunst.
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Vor war sein Kram zwar voll und überall gespicket
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Man sah’ der Kunden Schaar
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Fast alle Stunden dar/
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Und seine Handlung lief nach Hertzens Wunsch beglücket/
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Er selbst nahm alles wol in acht
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Und wieß sich embsig Tag und Nacht.
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Allein was würcken nicht die Schickungen von Oben?
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Die Hand/ so alles schafft
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Durch ihre Macht und Krafft
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Braucht bey uns Sterblichen die grösten Wunder-Proben;
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Indem
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Fehlt in dem Kram noch ein
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Es kommet
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Sie wil den Urbar bauhn/
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Pflegt sich da umbzuschaun/
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Alsbald so reget sich der Wahren gantzer Hauffen/
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Man sieht aus Eisen/ Bley und Stahl
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Auffahren einen Liebes-Strahl.
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Es eilt das Pflugschaar nach/ und wil sie gar begleiten/
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Der Ege-Zincken schwitzt
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Von heisser Gluth erhitzt/
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Die Bohrer fahren aus/ und stellen sich zur Seiten/
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Ja was der gantze Kram nur führt/
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Das wird durch diesen Blitz berührt.
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Wohl! spricht
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Du werthste
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Bist mein
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Es ist dein süsser Strahl auch in mein Hertz gefahren
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Dein Auge zeucht mich gantz nach dir
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Ich brenne voller Liebs-Begier.
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Zerschmiltzt der harte Stahl durch deiner Augen-Blicke/
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Wie solt ich denn allein
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Gantz unempfindlich seyn?
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Ich lencke mich zu dir/ mein Leben/ mein Gelücke/
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Ich seh’ wie alles lacht und blüht/
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Nun mich dein Auge zu sich zieht.
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Indem ließ
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Durch Adern und Gebein
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Lauft alle Krafft hinein.
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So daß
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Und wundert sich/ wie ein
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So tief mit seiner Würckung geht.
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Er rief/ numehr entzückt/ den Punct hab ich gefunden/
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Durchgrübelt die Natur/
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Sucht eine neue Cur/
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Obs Pflaster vom
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Ich bin nun vollig im Besitz/
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Und lache nur ob eurem Witz.
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Jhr möget den Compaß stets nach dem Nord-Pol lencken/
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Ich weiß schon wie ich sol
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Aufsetzen meinen Pol/
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Und wo ich Ancker kan bey meiner Liebsten sencken/
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Wenn ihr noch Lauf noch Wind versteht/
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So weiset mich mein
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Ich darf auch keiner Uhr/ so nur die Stunden zeiget/
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Wenn nur der Wecker schlägt/
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Versichert das sich regt
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Was in mir lebend ist/ und Geist und Blut auffsteiget/
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So daß ich frölich sagen kan/
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Das hat mir mein
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Nun ich wil Eisen seyn/ eröffnen was verschlossen/
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Wird sonst in der
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Durch Kunst so spät als früh
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Der Stahl in einen Saft hochfärbig umbgegossen;
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Wie solte nicht der Liebes-Strahl/
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Magnetisiren meinen Stahl.
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Es flechte der
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Genung wenn ich verschrenckt
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Wie Mars und Venus henckt/
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Den Außzug süsser Lust genüß’ im Hochzeit-Bette/
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Daß diß was mich itzt zieht und treibt
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Auf ewig nun mein eigen bleibt.
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So schloß der Bräutigam/ biß sich der Kram verkehrte
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Und einen grossen Saal
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Sambt einem Ehren-Mahl
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Den Gästen voller Lust und Fröligkeit gewehrte/
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Daß ieder diesen Wunsch erhöht
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Es

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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