Hochzeit-Gedichte Auf Hn. F. A. K. M. D. u. J. M. M. T. Ehren-Fest/ den 19. Octobr. 1677.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Heinrich Mühlpfort: Hochzeit-Gedichte Auf Hn. F. A. K. M. D. u. J. M. M. T. Ehren-Fest/ den 19. Octobr. 1677. (1686)

1
Es lebte Filidor in banger Einsamkeit/
2
Sein Geist der konte nicht auß den gelehrten Büchern
3
Sich für des Traurens-Nacht des Kummers-Weh’ ver-
4
Und Eckel und Verdruß verzehrte seine Zeit/
5
Was vormals er bewehrt den Krancken fürgeschrieben/
6
Ist bey ihm ohne Krafft/ und ohne Würckung blieben.
7
Hier halff die Weisheit nichts/ so uns zu wundern macht/
8
Die tiefste Wissenschafft erfreute nicht die Sinnen:
9
Die Sprachen/ so gar viel begierig lieb gewinnen/
10
Die waren ihm verhaßt: was ein Galen erdacht/
11
Und Aesculap gelehrt/ und Theophrast erfunden/
12
Gab keinen Balsam nicht für seine Seelen-Wunden.
13
Sein Hauß schien ohne Liecht und eine Wüsteney/
14
Er selbst in dicker Nacht und Fünsternüß zusitzen;
15
Als sich der Artzney-Gott mit stralen-reichen Blitzen/
16
Apollo zu ihm fand; das göldne Haar flog frey/
17
Um sein geweyhtes Haupt die Majestät zu zeigen/
18
Für der sich Sterbliche demüthig müssen beugen.
19
Die himmlische Gestalt wieß seiner Jugend Blum’/
20
Es war sein Angesicht ein trächtig May zu nennen/
21
Und über seinem Haupt ließ er den Drey-Fuß kennen/
22
Der/ was verborgen/ sagt/ und den vollkommnen Ruhm/
23
Der Wahrheit hat ererbt. Die Rosen-gleichen Wangen/
24
Hat nie kein Milch-Haar nicht mit Schatten überhaugen.
25
Und seine rechte Hand trug Köcher/ Bogen/ Pfeil’/
26
Als in der lincken er die Geig’ und Laute zeigte/
27
Und zu dem
28
Und sprach: weil nichts mehr hilfft/ so suche Rath und Heil
29
Bey meiner Göttligkeit/ ich schwere bey den Kronen/
30
Wo mit mein Haupt geziert/ ich will mit Trost beywohnen.
31
Du weist wie einsten ich in Dafnen war entbrand/
32
Wie mich das schöne Kind in lichte Flammen setzte/
33
Wie meine Majestät in ihr sich hoch ergetzte/
34
Biß sie auf schnelier Flucht aus meinem Arm verschwand.
35
Zum Zeichen nun der Brunst des unverfälichten Lieben/
36
So ist der Lorberbaum ein ewig Zeuge blieben.
37
Komm/ wirfden schwartzen Flor des bleichen Kummers hin.
38
Laß sehn/ wie wol der Herbst die Wälder itzt entkleidet/
39
Der ungestümme Nord nicht Chioris-Kinder leidet/
40
Ob noch was grünt und blüht/ das deinen krancken Sinn/
41
Aufs neu beleben kan/ laß Buch und Kolbe stehen/
42
Hier dieser göldne Pfeil soll deine Lieb’ erhöhen.
43
Was thut nicht
44
Der alle Heimligkeit ihm der Natur vertrauet/
45
Der seiner Sieges-Pracht viel Tempel aufgebauet/
46
Und ihm von Jugend auff Danckopffer angebrennt/
47
Auch die Belohnung hat des Lorbers weggetragen/
48
Daß oft durch seinen Mund ein krancker Rath muß fragen:
49
Er folgt dem hohen Schluß sie eilen beyde fort/
50
Jhr Auge säumt sich nicht in den Cypressen-Wäldern/
51
Sie wünschen nicht zu seyn in dürren Myrrhen-Feldern.
52
Nein/ die Vergnügung sucht nur den bestimmten Ort/
53
Biß daß ein eben Feld mit einem Baum sich krönte/
54
Bey dessen grüner Nacht den Phöbus man versöhnte.
55
Hier nun/ sprach Cynthius/ erforderts Muth und Blut/
56
Geliebter
57
Du solt zu diesem Baum die Gratien sehn eilen;
58
Bemercke doch mit Fleiß/ was jede wünscht und thut.
59
Denn meine Dafne lebt und schwebt in Lorberzweigen/
60
Ich hoffe/ daß sie auch dir deinen Schatz sol zeigen.
61
Die Kronen/ die du siehst/ wormit der Gipfel prangt/
62
Hab ich des Vatern Ruhm und Diensten längst geweyhet/
63
Versichert/ daß ein Pfand der Himmel dir verleyhet/
64
So nur von Ahnen nicht bloß ihren Glantz erlangt/
65
Mehr durch deß Vatern Witz und angebohrne Tugend/
66
In reiner Keuschheit färbt den Purpur ihrer Jugend.
67
Solt ich
68
Die ihr der Parcen Reich mit solchem Ruhm bestritten/
69
Unfehlbar Rath geschaft/ wenn Krancke Noth gelitten/
70
Ja oft den Sterbenden geflöst das Leben ein.
71
Wohl/ wer mir treulich dient/ den wil ich auch ergetzen/
72
Und seiner Dienste Preiß biß an die Sternen setzen.
73
Es hielt sich Delius mit fernern Reden auf:
74
Die gantze Gegend fieng behäglich anzublühen/
75
Und ihr gestücktes Kleid von neuen anzuziehen/
76
Als sich drey Gratien in ungehembtem Lauff/
77
Dem Baume nahen zu/ ihr Opffer zu vollbringen/
78
Und den Sirenen gleich mit süsser Stimme singen.
79
Die lobt die Einsamkeit/ und jene Lieb und Glut/
80
Alleine
81
Biß ihr den göldnen Pfeil läst in ihr Hertze schiessen/
82
Der Kunst- und Artzney-Gott: Es wallt und kocht ihr Blut/
83
Sie weiß nicht was geschehn/ sie kan nicht widerstehen/
84
Und fühlt den heissen Brand durch Marck und Adern gehen.
85
Die andern sehn betrübt die schöne Schwester an/
86
Und sagen/ laß uns doch zu Kräntzen Blumen lesen.
87
Ja rief die
88
Ich sehe freylich wol den blum-besternten Plan;
89
Nein/ Blumen thun es nicht/ sucht Schwestern Tuberosen/
90
Hier müssen Kräuter seyn soll ich der Qnal gelosen.
91
Sie sucht/ der Kräuter-Schaar sproßt unter ihrem Fuß/
92
Es pflückt die zarte Hand
93
Den frischen
94
Vergiß mein nicht aufblüht; hat/ nach des Himmels-Schluß/
95
Liebstöckel unvermischt mit Ehren-Preiß umwunden/
96
Und nutzbar
97
Apollo führt darauf den
98
Bemüh’ dich diesen Krantz der Nymfen abzubitten/
99
Ertheilt er diesen Rath. Du hast genug gelitten/
100
Hier/ glaube
101
Der Artztin geb ich Krafft die Schmertzen dir zu heilen/
102
Und du als Artzt solst Hertz und Leben mit ihr theilen/
103
Die schöne
104
Jm ersten Purpur blinckt mit rosen-lichten Wangen/
105
Hier hielt sie Scham und Zucht/ dort treue Glut gefangen.
106
Der
107
Ruft den Apollo an/ den Bund zu unterschreiben/
108
Daß ihre Liebe soll in Ewigkeit bekleiben.
109
Wie mein Baum immer grünt/ wahrsagte Phöbus-Geist/
110
Und auf sein krauses Haar kein Donnerstral kan blitzen:
111
So sol euch Heil und Lust in eurer Eh’ beschützen/
112
Daß euch kein herber Fall des Unglücks-Keile weist.
113
Vergnügung müss’ euch stets zu Tisch und Bette dienen
114
Und eures Namens-Ruhm wird in den Kindern grünen.
115
Kein Päan hat mich so im Capitol erfreut
116
Als dieser Lobgesang: daß Priester meiner Ehren
117
Rathgeber der Natur/ so Sohn als Vater/ hören/
118
Wie itzt Budorgis Stadt viel tausend Glück zuschreyt:
119
Lebt zu gemeinem Heyl/ nutzt zu gemeinem Wesen!
120
Man müsse spät von euch des Todes Urtheil lesen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.