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Es hat/ Ehrwürdiger/ der Himmel außgeweinet/
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Deß Traurens schwartze Nacht zertheilt ein liechter
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Versichert daß ihm jetzt der Wolfahrt Sonne scheinet/
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Das Glücke führet ihn in seinen Freuden-Saal.
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Weg mit Napell und Bur und tunckelen Cypressen/
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Hier muß der Lilgen Schnee/ der Rosen Purpur seyn.
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Es ist das alte Leid auf diesen Tag vergessen/
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Und Lieb’ und Fröligkeit stellt sich zu Gästen ein.
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Es pflegt deß Himmels Schluß nicht ewig zu betrüben/
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Es plagt die Sterblichen nicht stets Egyptens Nacht:
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Und wenn der Wetter-Sturm fast alles auffgerieben/
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Hat früh ein Dornen-Strauch die schönsten Rosen bracht.
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Diß Leben ist vermischt mit Leiden und mit Freuden.
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Verändert doch das Jahr Lauff/ Wechsel und Gestalt:
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Jm Frühling wird es sich in bundten Taffend kleiden/
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Jm Winter ist es Schnee/ voll Runtzeln kalt und alt.
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Es ist kein Becher nie der Traurigkeit so bitter/
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Daß nicht der Wollust Hand geust was von Tropffen ein.
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So schrecklich ist auch nie das hefftigst Ungewitter/
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Es folgt nach Sturm und Plitz ein heller Sonnenschein.
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Bißher sich satt gequällt/ und seinen Geist betrübt.
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Jetzt wandelt sich das Leid in neue Freuden-Zeichen/
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Nun sein getreues Hertz in reinen Flammen liebt.
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Die angenehme Zeit/ (da alles blüht und lachet.
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Und Feld und Gärten stehn mit Blumen außgestickt/
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Da selbst die Flora sich zu einem Teppich machet/
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Und ihre Kinder gleich den Tocken hat geschmückt/)
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Lockt durch geheimen Zeug zu diesen süssen Stunden/
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Und heist die Einsamkeit deß Winters seyn verbannt.
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Er hat des Traurens Frost nur allzusehr empfunden/
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Jetzt soll sein Hertze glühn in einem wahren Brand.
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Denn soll er für das Hauß des HErrn embsig wachen/
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So muß in seinem Hauß’ auch eine Leuchte seyn/
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Die weiß die Finsternüß der Sorgen licht zu machen/
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Und durch Behägligkeit vertreibt deß Kummers Pein.
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Unmöglich kan ein Mensch ihm selbst in allem rathen/
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Bevor/ wo Ampt und Pflicht verzehrt das befle Theil.
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Der Körner Uberfluß zersprenget die Granaten;
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Nicht nur ein eintzig Arm regiert der Schiffe Seil.
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Was ist ein Garten doch von keinem Zaun umbgeben?
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Was ist der güldne Lentz/ wenn er nicht Blumen trägt?
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Was ist der beste Stock/ der ohne Safft und Reben?
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Was ist ein solcher Grund worzu kein Stein gelegt?
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Diß ist der Wittber-Stand. Denn Seelen zuversorgen.
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Bleibt ein hochwichtig Werck/ das Centnern gleich beschwert.
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Stehn fertig und bereit vom Abend biß zum Morgen/
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Wenn hier ein Krancker Rath/ ein Armer Trost begehrt/
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Wenn Welt und Teuffel offt den Menschen Stricke legen/
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Mit unerschrocknem Geist da für den Fall zustehn/
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Und/ wie sein Wollen-Vieh ein Hirte denckt zu pflegen/
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Mit Wachsamkeit und Treu dem Volck entgegen gehn/
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Ist nur die gröste Müh. Ein Träger fodert Stützen/
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Wenn allzu grosse Last die müden Schultern drückt:
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Und soll ein Priester denn gantz ohne Beystand sitzen/
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Daß nie ein freundlich Aug’ und Anblick ihn erquickt?
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Der ersten Kirche Satz hat dieses Band bestärcket/
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Da sich ein Bischoff nicht der keuschen Eh’ entfernt/
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Ja wie die Folgerung der Zeiten aufgemercket/
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So war des Priesters Eh’ ein Himmel der besternt/
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Ein Tempel wahrer Treu/ ein Opffer der Gemüther/
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Des Glaubens sein Petschier/ der Hoffnung Unterpfand/
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Ja die Gemeinschafft gar der grossen Himmels-Güter/
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Und weit gesegneter noch als der Jungfer-Stand.
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Sein Ehbett ohne Sonn’ und Liebes-Strahlen seyn?
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Wie selig ist doch der/ der es kan so erwegen/
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Daß gleiche Seelen gehn ein gleiches Bündnüß ein!
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Es wird die werthe Braut mit ungemeinen Gaben/
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Was nur ersinnlich ist/ nach seinem Hertzen thun.
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Er wird nach Müh und Schweiß so ein Ergetzen haben/
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Daß seine Seele kan in ihren Armen ruhn.
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Denn es wird beyder Hertz in gleicher Andacht brennen/
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Von wahrer Gottesfurcht und Glauben angeflammt.
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Sie wird ihn ihres Haupts Schmuck/ Heil und Krone nennen/
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Den Baum auf dem gerüst ihr gantzes Wolseyn stammt;
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Sein Garten ist umbzäunt/ sein Hauß ist wol verschlossen/
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Und neue Mutter-Treu nimmt sich der Kinder an.
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Ach gleichgesinntes Zwey! Gesegnet’ Ehgenossen!
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Die so des Höchsten Hand nach Leid erfreuen kan.
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Jhr habt ja beyde wol in Asch’ und Staub gesessen.
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Wer sucht im Schulen-Staub die Witwen jetzt hervor?
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Doch/ scheint es auf der Welt/ sie wären gantz vergessen/
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So reicht der Höchste doch sein gnädig Aug’ und Ohr.
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Die hoch-geliebte Braut bringt ihm weit beßre Schätze/
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Als jetzt die tolle Welt nach tausenden nur zehlt.
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Sein Wort ist ihr Befehl/ sein Will’ ist ihr Gesetze!
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Sagt ob man in der Eh was herrlichers erwehlt?
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Nun ihres Hauptes Schnee ein solcher Segen deckt!
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Nun sie der Kinder Heil mit Augen noch geniessen/
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Eh sie der blasse Tod hat in den Sand gestreckt.
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Was wird die Freundschafft nicht vor treue Wünsche hegen!
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Der unter Glück und Heil und Gnaden-vollem Segen/
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Spricht/ daß dergleichen Eh’ ein Paradiß kan seyn.
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So wird auch ihre Lieb’ in stetem Wachsthum stehn/
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Was Angst und Leid gebührt/ das müsse ferne ziehen/
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Hingegen stets ihr Fuß auf Roß’ und Nelcken gehn.
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Er kan weit freudiger zu seinem Ambte schreiten/
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Da vor das gantze Haus Abigail jetzt wacht/
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Da Wonn’ und Liebligkeit ihm ruhet an der Seiten/
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Und ihm der Liebsten Mund den schönsten Frühling macht.
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Es sey ein ewig May das hochvertraute Lieben/
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Denn weil die Ehen längst im Himmel unterschrieben/
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So wünsch ich diß allein: