1
Es wolt' AlBaniE/ der Nymfen Cron und Licht/
2
Der Jugend Morgen-Röth’ und wunder-schöne Sonne/
3
Die Perle keuscher Zucht/ der Eltern Trost und Wonne/
4
Nachdem der Blumen-Schmuck nun meistens hingericht/
5
Des Herbstes Fruchtbarkeit/ und seine reiche Früchte
6
In einer Garten-Lust noch nehmen zu Gesichte.
7
Sie gieng und zwar umbzirckt von Jungfern voller Pracht/
8
Gleich wie Proserpina auff Aetnens bunte Wiesen/
9
Es schien/ als ob der Tag vom Himmel selbst erkiesen
10
Zu ihrer Wollust wär’: Aurorens Fackel lacht
11
Von der gestirnten Höh’/ und doppelt’ ihre
12
Der blauen Lüffte Feld mit reinem Gold zu mahlen.
13
Wohin ihr Auge sah’/ erblickt sie nichts als Lust/
14
Wenn hier ein reicher Baum der Aepffel Scharlach zeiget/
15
Und dort das Pflaumen-blau die Aeste niederbeuget;
16
Wenn da der Bachus krönt mit Trauben seine Brust/
17
Die an dem Reben-stock voll schwangrer Augen hängen/
18
Und sich bald Purpur-roth/ bald weißlich-grün vermengen.
19
AlBaniEn erfreut der Gaben Uberfluß.
20
Als die Göttinnen selbst erschienen ihr zu dienen.
21
Der Blumen letzter Schmuck/ die riechenden Jeßminen
22
Bringt Flora zum Geschenck/ und der Pomonen Fuß
23
Eilt eine Schüssel voll vom besten Obst zu reichen/
24
So wil auch Bromius mit seinem Safft nicht weichen.
25
Es lagert Schertz und Spiel sich umb der Nymfen Schaar/
26
Sie leben höchst vergnügt bey auffgesetzten Trachten;
27
Beginnen durch ein Lied die Liebe zu verachten/
29
Und als sie sich gantz frey unüberwindlich schätzten/
30
Ja rühmten/ wie sie sich den Flammen wiedersetzten.
31
So kommt der kleine Dieb/ den man der Benus Sohn
32
Und Bogen-Schützen nennt/ an diesen Ort geflogen/
33
Hat ihm ein Frauen-Kleidarglistig angezogen/
34
Tritt voller Zucht und Scham hin in der Jungfern Kron’/
35
Spricht: Schwestern/ solten wir uns ferner nicht ergetzen?
36
Wir wollen unsern Fuß in jene Höle setzen.
37
So wird der Hüner Volck offt durch das Garn berückt/
38
So gehen in den Schlag die Einfalts-volle Tauben.
40
(in Meinung/ daß der Ort nichts mehr als nur erquickt)
41
Und in die Höle tritt mit den geliebten Nymfen/
42
Fängt an der kleine Schalck zu schertzen und zu schimpffen.
43
Sie sehn die Felsen an/ worauff viel edler Stein’
44
Als Sternen bey der Nacht aus jeden Ritzen leuchten;
45
Als sie von oben rab ein Regen wil befeuchten.
46
Wie nun das arme Volck noch wil umb Hülffe schreyn/
47
Lacht Cypripor/ und spricht: Hier ist gar kein Erretter/
48
Zieht alle Röhren loß/ und macht ein grosses Wetter.
49
Nicht einer ist bekant was diese Sünd-Fluth sey.
50
In einem Augenblick ist alles wieder stille/
51
Sie sehen/ wie ein Glantz die Höle gantz erfülle.
52
Cupido fährt nur fort mit seiner Gauckeley/
53
Versichert/ das diß Naß nicht ein’ger würde schaden/
54
Es pflegte Venus selbst hierinnen offt zu baden.
55
Es heist der Vorwitz drauf sie in die Spiegel schaun/
56
Bald fährt ein Wasser-Stral der Schönsten ins Gesichte/
57
Indem die andre forscht woher der Quall sich richte/
58
Fängt an von unten auff die Fluth sie zu bethaun/
59
Und als die dritte wil auff eine Seite weichen/
60
Kan ein noch stärcker Strom sie hinter-rücks bestreichen.
61
Hier klagen sie zu spät ihr albre Thorheit an;
62
Und daß Cupido noch die Jungfern mehr erschrecke/
63
So wirfft er von sich weg die angenom̃ne Decke/
64
Steht nackt/ als wie er ist/ lacht/ was er lachen kan/
65
Zeigt Bogen/ Köcher/ Pfeil/ und sagt: Jhr seyd gefangen.
66
Denn ohne Fluth und Glut ist kein’ hinausgegangen.
67
Glaubts/ daß hier meine Ström ohn End entzündlich seyn/
68
Und es entspringen nur aus meinen Quellen Flammen/
69
Mein unvertrocknet Naß bringt alles Feur zusammen/
70
Und meinen Röhren senck ich nichts als Bränder ein.
71
Mehr/ daß ihr meiner Red’ ein mercklich Wunder schauet/
73
Das allerwerthste Kind/ voll Schrecken/ voll Gefahr/
74
Ließ in die hole Lufft viel tausend Seuffzer steigen/
75
Die Rosen wolten sich nicht auf den Wangen zeigen.
76
Man sah’ ihr Angesicht/ das gantz verändert war/
77
Als dieses Wort erschallt. Ach! wer wil mich befreien?
78
Leib-eigen wil ich dem mein gantzes Hertz verleihen.
79
Herr Künemann der vor in Rechten obgesiegt/
80
Gedacht auch hier davon den Sieges-Krantz zu tragen;
81
Fängt an mit künem Muth sich an den Ort zu wagen;
82
Und als er in die Schoß der Höle sich verfügt/
84
So siht man auff ihn zu viel tausend Funcken sprühen.
85
Wie wenn der Mulciber in einen grossen Kloß
86
Vielfält’ge Schwärmer mischt/ und läst sie alle fahren.
87
Das schien ein Wunder-Werck daß Tropffen Flammen waren/
88
Und daß die Höle Feur aus Wasser-Röhren goß/
90
Siht dem Berg Aetna gleich von Gluth der Liebe rauchen.
91
Nein/ sprach Dionens Sohn/ man widerstrebe nicht/
92
Der Himmel hat den Rath längst über euch beschlossen;
93
So viel als Tropffen itzt umb eure Brust geflossen/
94
So viel Behägligkeit gewehrt diß edle Licht.
95
Auff daß ihr preißbar spürt/ wie ich alleine rette/
96
So wandle ich die Höl’ itzt in ein Hochzeit-Bette.
97
Eh’ daß Vernunfft und Sinn es nur begreiffen mag/
98
Verlohr der Marmel-Stein die Härtigkeit und Flecke/
99
Von oben welbte sich der groben Steine Decke
100
In Jaspis und Rubin/ des Demants lichter Tag
101
Vertrat der Fenster Glaß/ statt der gefrornen Spitzen
102
Sah’ man von Helffen-Bein sich Seulen unterstützen.
103
Die Quellen gossen itzt Amonens Balsam aus/
104
Und Pomerantzen-Oel/ und der Jesminen Seele;
105
Violen und Narciß beblümeten die Höle/
106
Und die vor eine Grufft/ wurd’ itzt der Liebe Hauß
107
Und ewig Lust-Pallast/ und der Vergnügungs-Bette/
108
Bot auch der alten Kunst und Schnitzwerck Kampff und Wette.
109
Vier Bilder/ derer Sinn verborgne Deutung gab/
110
Bekleideten den Raum/ Apelles muste weichen/
111
Noch Zeuxes/ noch Parrhas’ würd eintzig Lob erreichen.
112
Es sey daß Polyclet und Mentor künstlich grab’
113
In Marmol/ Gold und Ertz/ so müsten sie bekennen/
114
Daß ihre Arbeit nur ein Schatten-Werck zu nennen.
115
Zu erst stand Juno da/ der Wolcken-Königin/
116
Die schloß dem Hercules/ von wegen hoher Tugend
117
Die Hebe in die Hand/ das Bild haupt-schöner Jugend.
118
Denn hielt des Tituls Spruch und Kürtze dieses inn:
119
Zwey Gleiche sonder Gleich. Wer kan hier nicht verstehen/
120
Daß dieses sol allein auff die
121
Die andre Seit’ entwarff den Orpheus mit der Laut’/
122
Und wie er embsig ist Euridicen zu holen/
123
Die schon dem Pluto war und seiner Nacht befohlen/
124
Verliehrt dieselb’ indem als er zurücke schaut/
125
Mit solcher Uberschrifft:
126
Sind in der Aschen auch der Todten nicht versuncken.
127
Zum dritten/ liebten da Eyß-Vögel in der See.
128
Das Meer stund ohne Sturm und ungeheure Wellen/
129
Und seine Heiterkeit sah’ wie Crystallen-Quellen/
130
Ceycis lebte da mit der Alcinoe/
131
Daraus der Innhalt floß;
132
Jht solt in Ewigkeit in Fried und Segen lieben.
133
Die vierdte Seit erschien/ wie Perseus zuckt sein Schwerdt/
134
Befreyt Andro meden vom Wall-Fisch und von Banden/
135
Worbey der Innbegrieffrecht sinnreich war vorhanden:
136
Der eintzig und allein ist meiner Liebe werth.
137
Der hat mich auch verdient/ der sol mich auch besitzen/
138
Mich kansein Helden-Muth für allem Unfall schützen.
139
Indeß die beyde nun das schöne Zimmer sehn/
140
Und fühlen gleichen Trieb in gleich entbranten Flammen/
141
Rufft Amor überlaut die Gratien zusammen/
142
Und schreyt: Kommt Nymfen/ kommt/ bemercket was geschehn/
145
Damit euch aber sey der edle Stamm bekant/
146
Von dem die edle Nymfden Ursprung hat genommen/
147
So wisst/ ihr Lebens-Licht ist von
148
Den/ als ein Wunder ehrt das gantze Vaterland/
149
Und den der Erden-Gott/ der Käiser/ hat erhoben/
150
Von wegen seiner Dienst und ungemeinen Proben
151
Was Rom und was Athen in ihren Circkeln führt/
152
Was sonst die Wissenschafft in den geheimen Schätzen/
154
Der Ruhm der einem Paul' und Ulpian gebührt/
155
Wird mit nicht minderm Ruhm aus seiner Feder leuchten/
156
Und mit der Weißheit-Thau das gantze Land befeuchten.
158
Der Eltern vor sich selbst mit eigner Zier geschmücket/
159
Es sind die Tugenden tieff in ihr Hertz gedrücket.
160
Der Frömmigkeit Safier/ der Keuschheit Lorber-Krantz/
161
Der Freundligkeit Smaragd/ der Liebligkeit Rubinen
162
Und seltner Redligkeit stets grüne Roßmarinen.
163
Seht aber/ wie ihr Aug’ in süssen Blicken spielt/
164
Wie ihre Rosen sich der Wangen wieder färben/
165
Ob für dem Nelcken-Mund nicht die Corallen-Schärben/
166
Und wie der Augen-Blitz nur nach dem
168
Dem Venus und Asträ’ sich so geneigt erweisen.
169
Eh’ noch Cupido schleust/ kommt wie ein Bienen-schwarm
170
Ein ungezählte Zahl von allen Liebes-Engeln/
172
Viel hundert Arten aus. Es weiche Neid und Harm
173
Sagt Eros göldner Mund/ und knüpfft die Friedens-schlingen/
174
Es müss’ euch Glück und Heil bey Tisch und Bett umbringen!
175
Lucina sagte zu gewünschte Fruchtbarkeit/
176
Es solt’ ein reicher Herbst sie offtermals erfreuen.
177
Und Flora ließ darauff so ein Gewitter schneyen/
178
Das von der Blumen Geist und Anmuth war bereit.
179
Was sonst die Gratien holdseeliges nur hatten/
180
Das kam dem Edlen Fest der
181
Nach dem schwung Cypripor die Flügel in die Lufft/
182
Lebt Nymfen/ lebet wol/ und bleibet mir bewogen/
183
Bis daß in meine Höl euch gleiche List gezogen/
184
Und wie er dreymal diß’ mit lauter Stimm ausrufft/
185
Sucht er der Mutter Schoß/ in welcher er erzehlte/
186
Wie er den Sieg erlangt/ und seine Kunst nicht fehlte.