Auf Hn. M. S. J. C. und Jungf. E. C. F. Hochzeit den 1. Septembr. 1676.

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Heinrich Mühlpfort: Auf Hn. M. S. J. C. und Jungf. E. C. F. Hochzeit den 1. Septembr. 1676. (1686)

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Freund/ dem Minerva mich von Jugend auf verbunden/
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Es fodert meine Pflicht/
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Durch ein beliebt Gedicht/
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Zu ehren deinen Tag/ und süsse Hochzeit-Stunden;
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Alleine Geist und Glut/
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Verlassen meinen Muth/
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Die alte Liebligkeit ist bey mir gantz verschwunden.
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Denn wer von Liebe schreibt/ dem muß die Feder glühen/
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Der Kopf recht feurig seyn/
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Sol Leben/ Licht und Schein/
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Und aufgeweckter Schertz in seinen Reim einziehen:
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Der Liebes Engel Chor/
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Schenckt selbst ein Zucker-Rohr/
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Dem
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So wird der
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Wenn er vom Küssen sagt/
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Und voller Eyfer klagt/
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Daß nicht die
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Ja in nicht mindrer Brunst/
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Schreibt
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Wie man recht lieben sol/ wenn ihn
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Vergeß’ ich den
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Der nach der Sterne Wahl/
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Inungezehlter Zahl/
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Deß Küssens süsses Werck bey Leßbien will üben.
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Wo bleibt
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Der allen Uberfluß/
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Von Lieb und Buhlerey auf jedem Blat getrieben.
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Die Lehrer gelten nicht nun mit verliebten Blicken/
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Dir deine schöne Braut/
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Tief in das Hertze schaut/
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Uns deine
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Der Fühling ihrer Zier/
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Stellt dir mehr Anmuth für/
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Als jener todte Schrifft ist mächtig zu erquicken.
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Gleicht nicht der Augen Pracht zwey hellen Liebes-Sonnen/
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Jhr Blitz der flammt und spielt/
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Biß er dein Hertz erziehlt/
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Das von getrener Brunst als wie ein Wachs zerronnen.
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In der Crystallnen Höhl’/
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Als Spiegel deiner Seel’/
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Hat Liebreitz anfangs bald sein Netz und Garn gesponnen.
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Und siehstu wie ihr Mund in Schalen von Rubinen/
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Dir liefert ein Confect/
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Das nach dem Himmel schmeckt/
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Als wie der Götter Tranck und Kost von Ambrosinen.
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Geneuß den Honig-Thau/
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Auf ihrer Lippen Bau/
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Und zeuch da auß und ein/ gleich den bemühten Bienen.
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Es rühme sich der Herbst mit seinen Fruchtbarkeiten/
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Wenn
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Und seine Trauben bringt/
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Pomona wil mit Obst die Schüsseln zu bereiten/
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Diana jagt und hetzt/
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Daß sie den Tisch vollsetzt/
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Und umb den Vorzug kan mit ihrem Wiltpret streiten.
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So weidet sich dein Geist in andern Reben-Feldern/
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Die Aepfel auf der Brust/
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Gewehren dir mehr Lust/
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Als deß
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So schmeckt dir auch zu Tisch/
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Kein/ ob zwar seltner Fisch/
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Als den die Liebste giebt auß ihren Liebes-Häldern.
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Mein Freund/ es muß dein Hertz in lichten Flammen brennen/
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Wenn dieses Tugend-Bild/
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Der Zucht und Keuschheit Schild/
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Jhr redliches Gemüth dir giebet zu erkennen.
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Der Demant ihrer Treu/
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Entdecket dir dabey/
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Wie weder Noth noch Todt sol eure Liebe trennen.
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So theilen Venus jetzt und Themis ihre Schätze/
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Und wollen daß du bleibst/
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Und unablässig treibst/
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Das Lieben bey der Nacht/ im Tage die Gesetze.
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Auf daß ja keine Frist/
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So dir gegeben ist/
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Verstreiche/ daß sie nicht auch deinen Schatz ergetze.
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Wolan! laß heute nur den Lüsten freyen Zügel/
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Geneuß der Freud und Ruh’/
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Die Cancelley ist zu/
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Und vor der Richter-Stub ist auch ein grosser Riegel:
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Die Venus sagt alleiu/
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Wie du solt fertig seyn/
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Zu öffnen als ein Mann der Jungferschafft ihr Siegel.
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Cupido hat die Nacht holdselig anberäumet/
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Der Hertzog eurer Lust/
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Nun drücke Brust an Brust/
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Sieh’ wie die schöne Braut sich auch nicht länger säumet/
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Sie wünscht in deinem Arm/
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Von Lieb und Wollust warm/
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Zu schlaffen/ daß ihr drauf was angenehmes träumet.
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Nun mische Kuß in Kuß wie die verliebte Tauben/
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Die Muscheln in der See/
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Die Schnecken in dem Klee/
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Und an dem Reben-Stock die schwesterlichen Trauben/
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Daß beyder Seelen sind/
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In gleicher Lust entzündt/
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Und Wechselweise Kuß auf Kuß einander rauben.
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Aurora wird hernach mit ihrem Scharlach prangen/
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Wenn sie den Tag entdeckt/
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Sehn wo die Braut versteckt/
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Ob sie ihr Morgen-Roth gesetzt auf ihre Wangen/
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Weil sie auß Scham nicht will/
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Bekennen/ ob das Spiel
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Bey jüngst verlauffner Nacht anmuthig abgegangen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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