Auf Hn. J. E. H. u. R. G. Hochzeit den 21. Aug. 1674.

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Heinrich Mühlpfort: Auf Hn. J. E. H. u. R. G. Hochzeit den 21. Aug. 1674. (1686)

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Von ungewohntem Zug und Regung angetrieben/
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Hieng Hylas/ der vorhin der Musen Wonne war/
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In tieffer Einsamkeit/ der klugen Bücher Schaar/
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Und der Gelehrten Mund wolt ihm nicht mehr belieben/
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Nur Eckel und Verdruß befchlossen seine Zeit/
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Und das Gemüthe lag selbst mit sich in dem Streit.
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Er ließ Hof und Pallast/ und was sonst herrlich/ stehen/
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Und nahm ein ödes Feld zu der Gedancken Spiel/
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Je mehr er aber sich dem Trieb entreissen will/
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Je eifriger pflegt der die Geister anzugehen/
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Er fühlet eine Glutt so er nicht nennen kan/
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Ist frey/ und spühret doch man leg ihm Fessel an.
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Kein Ethna kocht nicht so die Schwefel-lichten Flammen.
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Die Seufftzer wehen auf die Funcken seiner Brust/
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Jhm ist zu diesem Feur der Zunder nicht bewust/
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Doch schlägt schon in dem Blut die helle Glut zusammen:
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Er klagt mit holer Stimm/ den Felsen diese Pein/
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Und rufft die Wälder an/ sie sollen Zeugen seyn.
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Als Majens witzig Sohn/ den wir Mercur sonst heissen/
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In Göttlicher Gestalt und Majestät erschien/
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Man sahe Blitzen gleich der Augen Fackeln glühn/
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Und seinen Purpnr-Rock als wie die Sterne gleissen:
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Er schwung den Herolds-Stab/ und rühmte seine Macht/
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Die schon entgeisterte ins Leben wieder bracht.
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Was/ sagt er/ so bestürtzt mein Hylas/ so verwirret?
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Dem die Geheimnüsse der grossen Gotter kund/
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Der hat für dich auch Rath/ du solst den Tag gesund/
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Von deiner Kranckheit seyn: Mein Wort das nie geirret/
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Und nicht zu irren weiß/ verspricht dir eine Bach/
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Zur Artzney deiner Pein: Auf folge mir bald nach.
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Der blasse Hylas fieng wie Aspen an zu zittern/
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Der gantze Leib erbebt/ die Glieder wurden Eiß/
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Die Lenden überfiel auß Furcht ein kalter Schweiß/
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So wancket nicht ein Rohr bey donnernden Gewittern.
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Ach! rief er/ Flügel-Gott sey tausendmal gegrüst/
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Bist du mein Esculap der zu mir kommen ist.
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Mit dir geh ich getrost biß zu den Nasamonen/
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Biß wo der Troglodyt in stetter Sonne schwitzt/
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Biß wo ein rauhes Volck auf Hämus Rücken sitzt/
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Ja gar nach Zembla hin/ wo keine Menschen wohnen.
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Allein schafft Sterbenden ein blosser Bach nur Rath/
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So sag ich daß er Krafft von deiner Gottheit hat.
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Mir ist nicht unbekand die Würckung vieler Brunnen/
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Wie Hypanis in Saltz die Süssigkeit verkehrt/
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Wie Ammon kalt und warm in einer Nacht gewehrt/
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Wie auß der Mohren Brunn die Schlaffsucht kömmt geronnen
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Und wie der Ciconer ihr Wasser steinern macht/
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Der Athamantis Holtz hat zu dem Brand gebracht.
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Doch diß sind der Natur Kunst-Spiel und Wunderwercke/
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Wodurch sie ihren Schatz und Reichthum zeigt der Welt.
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Was meinen Geist bestrickt/ den Sinn gefangen hält/
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Das glaub ich zwingt noch hemmt der grösten Bäche Stärcke/
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Wiewol weil dir der Schluß der Himmlischen vertraut/
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So hat mein Hoffen nicht auff leerem Sand gebaut.
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Nein/ gab Cyllenius/ in süsser Antwort wieder/
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Der ich die Geister selbst ruff’ aus der Todten Klufft
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Der Götter Wort Befehl bring über See und Lufft/
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Es schlägt kein Jrrthum leicht dein sehnlich wünschen nieder/
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Eh sol mein Herolds-Amt von keinem Nachdruck seyn/
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Wo mit Vollbringen nicht trifft mein Versprechen ein.
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Dort wo Budorgis-Stadt die Königin des Landes/
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Europens sein Smaragd/ und Schlesiens Saphier
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Mit stoltzen Thürmen reicht biß an der Sterne Zier/
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Die Mauren aber wäscht des sanssten Oderstrandes
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Gelinde Wellen-Fluth/ da wird ein Quell entstehn/
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Der mit der Götter-Tranck dir kan entgegen gehn.
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Sie eilten/ Liebe heists/ zu der beraumten Stelle/
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Als gleich der Sonnen Rad im höchsten Mittag stand
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Und Wälder/ Thal/ und Feld vor Hitze schier verbrand.
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Der matte Hylas rieff: Wo? ach wo ist die Quelle?
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So mein verschmachtes Hertz mit ihrem Thau erquickt/
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Und mir Eutkräffteten den edlen Nectar schickt.
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Unfern ereigte sich ein angenehme Höle/
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Umb die der Bäume Nacht wie einen Bogen schloß/
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Ein rieselnder Crystall sprang aus der grünen Schoß?
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Die Anmuth dieses Orts gab Steinen Geist und Seele/
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Daß
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Und fragten/ wer diß Paar hett’ auff den Platz gebracht?
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Es wandte vor Mercur der Götter Schluß und Willen/
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Und Hylas gantz entzückt blieb unbeweget stehn/
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Er ließ die Augen nie von diesem Brunnen gehn/
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Und sah den Silber-Thau sich in die Blumen hüllen/
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Indem er bald durch Ros’ und bald durch Lilgen rann/
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Bald Hyacinthen vor Jeßminen lieb gewann.
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Der Hylas mühte sich das schöne Bild zu küssen/
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So durch die Spiegel-Fluth zu küssen willig schien;
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Wolt’ er den Marmel-Leib was näher zu sich ziehn/
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So sah’ man seinen Wunsch im Augenblick zerfliessen.
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Wie/ rieff er/ strafft mich nun der Echo strenge Rach’
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Und wird zur Marter mir der angenehme Bach!
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Mercur ließ unterdeß den heilgen Gürtel fliegen/
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Und rührte mit dem Stab dreymal der Erden Brust.
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Als sich ein Jungfern-Bild voll Schönheit/ Schertz und Lust
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Jm klaren Brunnen wieß. Nun/ Hylas/ dein Vergnügen/
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Sprach der beredte Gott/ entdeckt die grüne Höl’/
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Das Labsal deiner Noht/ den Zucker deiner Seel’.
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Die Najas/ so wir jetzt Rosette wollen nennen/
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Ist würdig/ daß auch du zerschmiltzst in gleicher Flut.
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Schau an der Augen-Pracht/ der Wangen Milch und Blut/
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Wo du kein Kieselstein/ du wirst empfindlich brennen.
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Ich weiß daß sonst kein Thau den Liebes-Durst dir lescht/
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Und daß dich diese Bach mit Rosen-Oele wäscht.
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Narcissens Schönheit starb in ihren eignen Flammen/
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Diß ist die Lebens-Bach/ der auch nicht Tagus gleicht
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Noch Hermes der uns Gold in seinem Sande reicht/
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Fliest nun/ Verliebte/ fliest/ wie Salmacis zusammen/
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Als sie der Venus Sohn in ihren Arm umbfieng
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Und wie ein Rebenblat an seinen Gliedern hieng.
109
Mercur fährt in die Lufft/ die lieblichste Rosette
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Rufft: Hylas fleuch doch nicht/ hat Nymfen jene Zeit
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Der Hylas in den Brunn verwandelt höchst erfreut/
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Ach so verschmähe nicht mein Blumen-reiches Bette/
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Du solst mein Hylas seyn/ ich deine Salmacis/
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Und unsre Liebe bleibt biß in den Tod gewiß.
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Was schafft des Himmels Rath wenn treue Seelen lieben
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Es rinnet beyder Geist in einen Nectar-Fluß/
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Der Lippen Rosen-Feld erquickt ein feuchter Kuß/
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Nichts kan die Reinligkeit der Liebes-Bach betrüben.
119
Biß daß die Wollust selbst ein Zeugnüß leget bey/
120
Wie hier ein Paradieß der Treu-Verliebten sey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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