Auf Hn. D. F. G. P. J. u. D. Jungf. R. M. B. Hochzeit den 27. Febr. 1671.

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Heinrich Mühlpfort: Auf Hn. D. F. G. P. J. u. D. Jungf. R. M. B. Hochzeit den 27. Febr. 1671. (1686)

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Rubelle/ nun mich heist Lieb und Verhängnüß schreiben/
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Zwey Dinge die gewiß der Seelen Meister seyn;
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Das erste lockt mich an/ das ander kan mich treiben/
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Mit beyden stimmet auch mein ernster Vorsatz ein:
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So wirst du diesen Brieff/ als wie du pflegst/ erblicken/
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Es ist dir ja die Schrifft/ als wie mein Hertz/ bekand.
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Du wirst ihn tausendmahl mit einem Kuß bedrücken/
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Und sagen: Ach mein Schatz
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Wo jede Zeile nun von heissen Flammen glühet/
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Und wo ein ewig Feur sich weiset auf dem Blat/
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Wo statt der Dinten-Flut die Feder Funcken sprühet/
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So sag ich/ daß mein Wunsch den Zweck erreichet hat.
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Verwundre nicht den Schluß/ holdseeligste
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Daß/ der ich Marmel war/ ein siedend Ethna bin.
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Was uns der Himmel schafft durch nnerfvrschte Fälle/
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Demselben gebe sich der Mensch nur willig hin.
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Diß ist der erste Brand/ der wein Gemüth entzündet/
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Es hat die Liebe mir die Sinnen nie bestreifft/
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Die Kette/ so mein Hertz itzt an dein Hertze bindet/
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Ist hart wie Diamant mit Ertz und Stahl geschweift.
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Was mich zuvor vergnügt/ sind Bücher nur gewefen/
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Minerven hab ich früh ein kräfftig Opffer bracht/
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Mein Zeit-Vertreib bestund im schreiben und im lesen/
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Und was sonst einen Geist in etwas schätzbar macht.
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Der kensche Lorber-Wald ergötzte meine Sinnen/
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Wenn Venus Rosen-Krantz auff jungen Häuptern stund.
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Ich ließ die Castalis durch Marck und Adern rinnen/
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Wenn deß Lyäus Safft bethörte manchen Mund.
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Zu dem/ das schlimme Glück verkürtzte mir die Zügel/
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Und hielt des Pindus Weg mit Dornen gantz umschränckt:
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Zeit und Gelegenheit verschnitten mir die Flügel/
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Ein Kummer/ der gewiß den Kern der Seele kränckt.
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Jedennoch hab ich diß großmüthig überwunden/
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Und wie ein
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Nach Blitz und Donner-Knall erfolgten helle Stunden/
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Apollo nahm mich an/ und hat für mich gekriegt/
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Ich sah ein weites Feld der edlen Wissenschafften/
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Was Grichenland geehrt/ was Rom unsterblich schätzt/
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Wie in der Zeiten Buch noch Lehr und Reden hafften/
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Die ein geschickter Geist der Nachwelt aufgesetzt.
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Mir brandte mein Gemüth die Künste zu begreiffen/
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Wodurch ein sterblich Mensch den Sternen sich vermischt/
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Sophia ließ mich auch bey ihren Lorbern reiffen/
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Die Hippocrene hat den dürren Mund erfrischt.
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Nach diesem waren mir die heiligen Gesetze
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Zum End-Zweck fürgestellt; Ich rieff die Themis an
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Sie wolte mildreich seyn/ und ihre hohe Schätze
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Eröffnen/ weil ich nun ihr erblich unterthan.
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Es hat ihr rother Sammt die Schultern auch gedrücket/
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Jhr grosses Buch war mir ein weites Königreich/
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Die Milch von ihrer Brust/ so meinen Mund erquicket/
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Schien Himmel-Brodt zu seyn/ und Götter Speisen gleich.
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Bey solchem Musen-Volck hat nur mein Hertz gelodert/
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Dem hab ich viel Altär/ und Tempel auffgebaut.
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Ich wuste daß ihr Ruhm und Lob-Spruch nicht vermodert/
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Wenn man gleich Stadt und Land in Staub und Asche schaut.
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In dieser stoltzen Ruh hab ich bißher gelebet/
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Cythercus Fackel war ein Jrrlicht voller Brunst.
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Euch/ Musen/ ruff ich an/ daß ich niemals gestrebet/
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Noch irgend mich bemüht umb schöner Jungfern Gunst.
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Was schliest der Himmel nicht/ wenn Menschen wollen säumen?
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Wenn das Verhängnüß klopfft/ so mache man nur auf.
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Rubelle kommt mir vor in unverhofften Träumen/
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Ein unbekandte Krafft macht meiner Liebe Kauff.
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Ich wil des Morgens früh mich in den Büchern laben/
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Ich suche fleissig nach in Themis grossem Recht/
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Alsbald erschienen mir die nackten Flügel-Knaben/
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Und Venus gantzes Heer/ das Sinn und Geister schwächt.
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Wie! rieff ich/ soll ich nun die stummen Lehrer lassen?
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Ein Liebsgefangener der süssen Wollust seyn?
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Soll mich ein ander Arm/ als Themis Hand umbfassen?
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Nimmt denn die Strengigkeit der Recht’ auch Lieben ein?
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Ach ja! so bald ich nur dein himmlisch Angesichte
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Und den Rubinen Mund/ mein Engel/ angeblickt/
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So ward der Musen Lust und Eifer gantz zu nichte/
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Cupido hatte mich schon in sein Garn gerückt.
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Der Rechte weites Buch schien schwartz für deinen Augen/
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Kein mächtiges Gesetz verglich sich deinem Kuß.
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Dort kont ich leeren Trost/ hier süsse Kost aussaugen/
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Bey dir empfand ich Lust/ bey jenem nur Verdruß.
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Ja was mich mehr bestürtzt: Ich der aus fremdem Sande
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Von rauhem Schnee-Gebürg ein blosser Frembdling war/
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Erkühnte mich nicht so in diesem werthen Lande
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Dem zarten Nymfen-Volck mich einst zu stellen dar/
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Das sonst die gantze Welt nennt höchster Schönheit Sonnen/
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Des Himmels Meister-Stück/ und aller Tugend Zier/
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Spring-Quellen bester Lust/ der Liebligkeiten Brunnen/
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Der Höffligkeiten Glantz/ der Freundligkeit Saffir.
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Noch schlingst du mich/
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Dein unbefleckter Geist hat meine Seel umbzirckt.
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Du/ die ich über Gold und theure Perlen setze/
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Hast/ was kein Mensch vermocht/ in meinem Hertz gewirckt.
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Die Zucht und Frömmigkeit/ so deinen Wandel zieren/
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Das ehrliche Gemüth/ und was sonst Jungfern schmückt/
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Sind Weiser/ so/ mein Licht/ mich richtig zu dir führen/
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Dollmetscher/ derer Wort im Hertzen sich abdrückt.
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Mein allerliebstes Kind/ das gleich gemeintes Sinnen
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In unser Seel und Brust der Himmel hat gelegt/
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Daß unser Eyd und Schwur soll nimmermehr zerrinnen/
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Und die Beständigkeit in Marmel eingeprägt/
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Wird selbst des Priesters-Mund ein heilig Zeugnüß geben/
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Die Stund ist anberaumt/ so dich mir eigen gibt.
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Es soll da eine Seel in zweyen Cörpern leben/
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Und gleicher Wett-Streit seyn/ wer vor dem andern liebt.
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Rubelle meine Lust/ und meiner Augen Weide!
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Nun fühl ich selber wie Verliebten ist zu muth:
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Mich dünckt ich seh dich schon im saubern Hochzeit-Kleide/
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Wie Turtel-Tauben gleich dein Geist nach meinem thut.
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Entfärbe dich auch nicht mich Frembden zu empfangen/
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Helm/ Wapen/ Schild/ und Spieß sind nicht für mein Ge-
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Die Tugend ist mir stets zur Seiten nur gegangen/
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Asträa nennet mich den Priester in dem Recht.
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Offt hat der Ahnen Sonn’ ein schändlich Sohn verdecket/
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Ich habe durch mich selbst ein Kleinod mir bereit/
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Es hat die Ehren-Fahn der Enckel offt beflecket/
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Ich nicht/ mein
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Mein Schatz! Ich bin numehr leibeigen ja zu nennen/
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Das edle Pleis-Athen gönnt mir nun Feur und Heerd.
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Ich wilfürs Vaterland das schöne Leipzig kennen/
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Das herrlich Lob verdient/ und vieler Kronen werth.
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Rubell ich wil numehr die Last der Arbeit theilen
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Der Themis ist der Tag und dir die Nacht geweyht.
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Was mich bißher betrübt/ das solst du/ Aertztin/ heilen/
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Ich weiß daß es dein Mund mit Zucker überstreut.
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Die Worte fehlen mir/ und die Gedancken irren/
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Denn wer verliebet ist/ ist selten gantz bey sich.
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Die Augen/ liebstes Kind/ so meinen Geist verwirren/
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Sind Spiegel/ derer Blitz entwerffen dich und mich.
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Ich muß die Ewigkeit des Namens daraus schliessen/
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Wenn GOttes Segen wird ins Mittel treten ein.
131
Genung. Nun Stund und Zeit mir unverhofft verfliessen/
132
So ist der Seelen Wunsch/ mein Schatz/ bey dir zu seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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