Kleander und Rosellens Wechselbrieff bey dem K. und E. Hochzeit-Feste den 18. Nov. 1670. abgegeben

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Heinrich Mühlpfort: Kleander und Rosellens Wechselbrieff bey dem K. und E. Hochzeit-Feste den 18. Nov. 1670. abgegeben (1686)

1
Mein Licht/ ob gleich mein Brief mit Blumen nicht ge- schmücket/
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Und schlechtes Wintergrün zu seiner Kleidung hat/
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So kennstu doch die Glut/ die aus den Zeilen blicket
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Mehr roth als eine Nelck/ hell als ein Rosenblat.
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Es hat die Flora zwar die Bilder ihrer Auen/
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Der Gärte Bluhmenwerck entzogen unsrer Lust/
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Noch dennoch heist die Lieb ein Paradiß aufbauen/
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Dem die Veränderung der Zeiten nicht bewust.
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So muß der Winter auch zu einem Frühling werden/
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Und in dem Hertzen stets ein warmer Sommer seyn/
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Ja deiner Augenstral/ und freundliche Geberden/
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Sind mir mehr angenehm als aller Sonnenschein.
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So bald nur deine Hand wird meinen Brieff berühren/
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Ob gleich die strenge Lufft schon mit Gefröste dreut/
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So wirstu gar gewiß/ wie ich muß brennen/ spüren/
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Und wie dem
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Doch kanstu ohn Gefahr eröffnen was geschrieben/
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Hier hemmt uns kein Verbot/ noch schäles Angesicht/
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Der gantze Innhalt ist/ ich muß dich ewig lieben/
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Mein Dencken und mein Thun ist bloß auf dich gericht/
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Und heute kommt der Tag der uns wird mehr verbinden/
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Und dieses Bündnüsses ein kräfftig Zeuge seyn:
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Jhr Buhler jener Zeit mögt Eyd und Schwur erfinden/
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Er trifft an Heiligkeit mit dem nicht überein.
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Ist nicht von jener Brunst nur lauter Asche kommen?
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Wird nicht der Dido Schwerd/ der Sappho Felß verlacht?
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Ist nicht ihr Lebens-Tacht im höchsten Schimpff verglommen?
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Ertranck Leander nicht in Wellen bey der Nacht?
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Nein/ gar ein ander Trieb regieret unsre Geister/
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Es brennt ein stärcker Arm die Hochzeit-Fackeln an.
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Der Menschen erst erschuff/ und auch der Menschen Meister
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Hat Oele reiner Zucht zu diesem Feur gethan.
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Das selbst deß Priesters Mund wird heut andächtig segnen/
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Das nimmermehr verlescht und keinen Zufall kennt/
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In solchen Flammen wil ich dir mein Schatz begegnen/
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Biß daß der blasse Tod die Lebens-Geister trennt.
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Jedoch du kennst mein Hertz/ was sol ichs mehr entdecken/
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Du weist ja wie du bist versichert meiner Treu/
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Lieb und Verlangen sinds so diesen Wunsch erwecken/
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Daß meine liebste Braut doch bald zu Bette sey.
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Der Music süsser Klang/ der Safft von edlen Reben/
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Der Speisen Kostbarkeit ergetze Freund und Gast!
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Es wird dein rother Mund mir mehr Vergnügung geben/
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Wenn du mich so getränckt/ und satt gespeiset hast.
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Uns wird die Jugend schon zu neuen Freuden leiten/
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Und Anmuth wickelt uns in ihre Schlingen ein.
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Es wird der Juno Hand das Bette zubereiten/
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Cupido rings umbher der Wollust Rosen streun.
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Doch wo vergeh ich mich? und spiele mit Gedancken?
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Hier zeucht Verschwiegenheit uns eine Decke für;
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Der anberaumten Zeit gesatzte Stund und Schrancken/
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Die wollen/ daß ich nun soll eilen/ Schatz/ zu Dir.
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Verzeyhe mir mein Kind ich muß den Brief beschliessen/
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Mein Hertz das sehnet sich gekröhnt bey dir zu stehn/
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Und ich wil diese Nacht dich doppelt so viel küssen/
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Als viel der Zeilen hier auß schneller Feder gehn.

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Ich müste Marmel seyn und Stahl im Hertzen tragen/
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Wenn deine schöne Schrifft nicht meinen Geist ergetzt.
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Du darfst mein Seelen-Freund nit erst von Blumen sagen/
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War doch der gantze May in deinen Brief gesetzt/
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Die Wörter rochen mir wie Balsam von Jeßminen/
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Die Reden dauchten mich ein starcker Ambra seyn.
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Und was mich mehr erfreut/ ich sah die Liebe grünen/
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In unverwelckter Blüth/ und unbeflecktem Schein.
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Ich muß mit schwacher Hand nur diß zur Antwort geben/
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Wann du von Flammen sagst/ so fühl ich eine Glut:
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Nennstu mich deinen Trost/ so nenn ich dich mein Leben:
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Dein Mund der heist mich Schatz/ ich dich mein höchstes Gut.
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Denn weil die Tugend hat der Liebe Grund geleget/
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So muß Beständigkeit darauf ein Wohnhauß baun/
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Und weil dein Ebenbild ins Hertze mir gepräget/
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So solst du mich vermählt in deinen Armen schaun.
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Es soll des Priesters Mund heut unsern Schluß versigeln/
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Es windet uns die Eh ein unzertrennlich Band:
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Die Liebes-
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Die lichten Funcken auf zu mehren unsern Brand.
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Und weil du mir versprichst auf ewig mich zu lieben/
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So sol auch meine Treu der Deinen gleiche gehn/
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Ich würde durch die Glut/ durch Well/ und Wind getrieben
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So müst ich doch bey dir als Mitgefertin stehn.
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Ich wil mich höchst erfreun/ wird uns die Sonn anlachen/
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Und doch sein Wolgemuth wenn gleich der Himmel weynt:
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Ich wil die Sorgen Dir mit Liebe leichter machen/
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Und weisen wies mein Hertz bey allen Fällen meynt.
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Es mag die Arria die graue Zeit erheben/
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Laodami in Ruhm bey ihrem Ehman blühu/
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Ich will an Pflicht und Treu auch Diesen nicht nachgeben
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Und umb den Siges-Krantz der Liebe mich bemühn.
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Was aber säum ich mich das Braut-Kleid anzulegen/
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Ich weiß dein Hertze wünscht/ und sehnet sich nach mir.
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Die Liebe läst mich auch nicht lang Gespräche pflegen/
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Es wischt Ergetzlichkeit die Zeilen vom Papir.
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Mein eintzig Aufenthalt/ du Leitstern meiner Sinnen/
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Vergib mir wo mein Brieff von keiner Anmuth gläntzt/
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Auß Eile kan ich nicht was Zierliches beginnen/
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Die Hand die dencket nur/ wie sie dein Haupt bekräntzt/
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In deinem Arm zu ruhn/ das ist itzt mein Verlangen/
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Jhr Stunden lauffet fort/ brich an gewünschte Nacht/
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Daß ich kan meinen Schatz mit einem Kuß umbfangen/
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Den Venus selbsten hat zum Siegelring gemacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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