Glückwunsch auf die W. und G. Hochzeit den 17. Febr. 1670.

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Heinrich Mühlpfort: Glückwunsch auf die W. und G. Hochzeit den 17. Febr. 1670. (1686)

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Apollo kam zu mir und wolte mich besprechen/
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Er hatte sein Gesicht in schwartzen Zorn verhüllt:
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Er schwur; Ich und mein Chor muß diesen Frevel rächen/
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Weil keine Pflicht bey dir der alten Freundschafft gilt:
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Versagst du dem ein Lied/ der an der Pallas Brüsten
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Die Kost der Wissenschafft genossen als wie du?
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Wirst du bey diesem Fest den Pegasus nicht rüsten/
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Daß er der Schuldigkeit ein voll Genügen thu?
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Ich sprach: Gekrönter Fürst/ für dem der Pindus zittert/
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Und den der Musen Schaar als ihren König ehrt/
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Seynd eure Majestät auff mich so hoch erbittert?
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Ach ihr fußfällig Knecht werd auff ein Wort gehört!
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Den Freunden hab ich nie der Freundschaffts-Pflicht entzogen/
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Und der Vertrauten Fest ist mir nicht unbekand/
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Es wäre längst mein Geist in Helicon geflogen/
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Und hätte zu dem Quell Pirenens sich gewand.
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Allein was bringt man für? von Lieb und Lieben fingen/
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Von Schertzen/ Freud und Lust/ das ist ein altes Spiel/
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Und über Hals und Kopff die Reim auff Wünsche zwingen
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Ist ein gemeines Werck/ und gilt numehr nicht viel:
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Des Frauen-Zimmers Pracht und Schönheit zu beschreiben
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Muß ein Narcissus seyn der selbst voll Flammen brennt/
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Denn/ wem der Liebreitz nicht die Geister pflegt zu treiben/
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Macht ungereimtes Ding/ das keine Zierrath kennt.
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Und du/ o Delius/ kanst selber nicht wol leiden/
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Wenn man verächtlich Zeug in deinen Tempel bringt:
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Weß aber soll ich mich auff solchen Fall bescheiden/
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Wo nehm ich ein solch Lied/ das dir und allen klingt?
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Ich mag nicht den Gebrauch der Völcker hier erzehlen/
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Und wie das Morgenland sein Hochzeit-Fest gemacht/
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Den Deutschen wil ich nur zum Beyspiel hier erwehlen/
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Der einen Kopff der Braut gab vor die erste Nacht.
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Er muste sich zuvor wol für dem Feinde halten/
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Eh als der Hymen ihn zu Bette hat geführt:
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Ob zwar nun die Gesetz auch mit der Zeit veralten/
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Und diß was gestern galt uns heute nicht gebührt/
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Nichts destoweniger würd aus der Venus Munde
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Kein ander Urtheil gehn/ als: Welcher sich verfreyt
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Ist schuldig/ daß er auch zum festen Liebes-Bunde
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Mit einem Kopff die Braut beschenckt die Lebens-Zeit.
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Verknüpffte last euch nicht die Rede dunckel scheinen/
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Die Warheit macht den Schluß als wie die Sonne klar:
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Ich weis das Frauen-Volck wirds gäntzlich mit mir meynen/
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Der Kopff/ den ich versteh/ hat nicht nur Haut und Haar/
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Er muß auch mit Verstand und Weißheit seyn gezieret/
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Denn Männer ohne Witz sind Lampen ohne Licht/
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Und wem die Pallas nicht die Glut der Sinnen rühret/
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Vermist hernach zu spät den Schatz/ so ihm gebricht.
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Denn wie im Gegentheil man an dem Frauen-Zimmer
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Zucht/ Schönheit/ Stand und Gut als Eigenschafften zehlt/
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So dencket es auch drauff/ und irret hierin nimmer
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Wenns einen weisen Mann für eine Thoren wehlt.
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Was soll dem Narren Geld umb Weißheit zuerkauffeu/
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Und hätt er Potosi und Lima im Besitz
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Er möcht in Lybien und gar nach Zembla lauffen/
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Er ändert zwar die Lufft doch nie den Aberwitz.
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Dis hat ja die Natur sonst einem Mann gegeben/
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Daß er auff Ernst bedacht/ und nicht mit Tocken spielt/
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Und wo die Weißheit uns gebricht in diesem Leben/
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Wird nimmermehr der Zweck verlangtes Glücks erzielt.
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Setzt sie nicht Salomon weit über alle Schätze?
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Erbaut die Königin nicht Städte/ Feld und Land?
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Erklärt sie nicht das Recht/ und schreibet die Gesetze?
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Macht sie uns Menschen nicht dem Himmel nah verwand?

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Ja ist sie nicht ein Licht/ das uns die Wege weiset?
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Ein Leit-Stern der zum Trost und auch zum Nutze brennt?
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Ein unverzehrlich Tisch der uns mit Manna speiset?
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Ein unbeweglich Gut das keinen Zufall kennt?

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Und dieses ist der Kopff den jederman soll briugen
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Der Braut als ein Geschenck/ und wahres Heyrats-Gifft/
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So wird das Band der Eh/ hauptsächlich wol gelingen/
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Und Fried und Einigkeit hat nichts als Lust gestifft.

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Der alte Deutsche mag den Kopff vom Feinde schencken/
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Es gilt ein kluger Kopff zu unsern Zeiten mehr.
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Die Richtschnur der Vernunfft muß Hertz und Sinnen lencken/
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Wo uns beglücken soll vollkom̃ner Ruhm und Ehr.

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Herr Bräutigam/ der längst der Weißheit sich verpflichtet
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Und in dem Helicon sich umbgesehen hat/
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Daß seine werthe Braut ihr Hertz auff ihn gerichtet/
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Ist eine gute Wahl/ und Lobens/ werthe That.

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Denn/ wem ist unbekant wie in den ersten Jahren/
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Er seine meiste Zeit in Büchern zugebracht/
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Und denn den Lauff der Welt noch besser zu erfahren/
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Als Mars zu Felde bließ/ ins Lager sich gemacht.

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Nun folgt auff Schweiß und Fleiß ein ruhiges Ergetzen:
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Der Himmel sey euch hold und segne euren Stand!
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Und wolle gleich der Neid an euch die Zähne wetzen/
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So ist er ungehirnt und führet einen Brand.

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Diß ist der Lästrer Art die Tugend zu verdrücken/
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Wiewol sie Palmen gleich biß an die Sterne geht/
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Wil euch das Glücke wol mit seinen Gnaden blicken/
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Was fraget ihr darnach wies umb den Momus steht.

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Indem ich dieses sing’/ heist mich Apollo schweigen/
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Und spricht: Verstöre nicht der Treu-verliebten Ruh;
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Der Arm der da gekont die Schlange Python beugen/
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Ist mächtig/ daß er auch dem Neid dergleichen thu.

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Wer meine Musen ehrt/ den ehren sie hinwieder/
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Sie stellen insgesammt sich bey der Hochzeit ein/
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Und wünschen diesem Paar durch Freund-gesinnte Lieder/
100
Daß ihre Liebe mög ohn alles Ende seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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