Auf die Z. und H. Hochzeit den 24. Octobr. 1665.

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Heinrich Mühlpfort: Auf die Z. und H. Hochzeit den 24. Octobr. 1665. (1686)

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Die Liebe saß erfreut auf ihrem Purpur-Throne/
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Vor dem Ergetzligkeit an statt der Wache ligt/
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Auf ihrem schönen Haupt stund eine solche Krone/
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Die über Diamant und über Perlen sigt/
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Das Haar lieff umb die Brust mit mehr als goldnen Füssen/
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So von Jeßminen-Oel und Balsam trächtig war/
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Man sah der Brüste höh Rubinen Ringe schliessen/
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Und wie der zarte Schnee so hulde Glut gebahr/
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Jhr Auge/ das den Kreiß der grossen Welt durchsiehet/
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Das Ohr/ so niemahls Ruh von heissen Seuffzern hat/
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Der Mund/ der Urtheil spricht und sich umbs Recht bemühet/
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Mit kurtzem jedes Glied/ gieng wie es schien/ zu rath/
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Jhr himmlisches Gesicht/ und das vertieffte
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Gab etwas wichtiges und grosses zu verstehn/
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Die Augen konten nicht die Blicke recht versencken/
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Und in dem lichten Kreiß so gar behutsam gehn;
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Drauff komt ein dichter Sturm/ wie wenn sich Wetter mischen/
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Nur daß diß Ungestüm’ ein Blumen-Hagel war/
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Da auß gemahlter Wolck ein paar der Tauben wischen/
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So eintzig sind bestimmt der Liebe Lust-Altar/
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Dolmetscher aller Brunst und Bothen der Gedancken/
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Zu welchen sich die Schaar der Silber-Schwanen fand/
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Sie melden ingesambt von nichts als tausend Krancken/
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Und/ wo die Liebe säumt’/ erstürbe Volck und Land.
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Wie? rief sie halb bestürtzt und schlug auf ihre Brüste/
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Doch/ daß der sanfte Schlag die Lilgen nicht zerbrach/
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Welch Sinnen-Fieber macht mir meine Länder wüste?
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Belagert bleiches Weh mein lustig Schlaffgemach?
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Auf Tauben! mein Befehl der schwebt in eurem Munde/
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Sagt wer empfindlich sey der soll sich stellen ein/
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Mit Dräuung/ wer versäumt die anberaumte Stunde/
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Der sol hinfort verbannt von meinen Gräntzen seyn.
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Ja selbst die Feder starrt bey solches Volckes Menge;
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Denn als die Meinung nur die Tauben kund gethan/
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Eilt beyderley Geschlecht in stürmendem Gedränge/
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Und jedes wil die Noth zum ersten zeigen an.
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Die Schwanen geben drauf sanfftmütig zu verstehen/
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Der Vorlaß sey bereit den Jungfern zugesagt.
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Die Nymfen heißt Begier und schneller Vorwitz gehen/
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Zu melden diese Qual so sie bißher geplagt:
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Die trauret/ daß ihr Schatz mit Eyd und Schwüren schertze/
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Und jene/ daß man sie nur liebe bey der Nacht;
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Ein’ andre wie die Treu gar oft vom Buhler stertze/
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Daß sie ein Kuß/ und nicht ein Ehschluß froh gemacht;
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Die zeigt ihr blaß Gesicht/ und wie sie sich verwachet;
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Die denckt durch Firniß noch zu mahlen Wand und Mund;
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Viel schätzen sich vergnügt wenn nur der Liebste lachet/
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Und bauen uns gemein auf einen faulen Grund.
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Es ligt das bleiche Volck der Liebe zu den Füssen/
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Kocht einer noch das Blut/ so wil sie einen Mann;
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Viel die den Kern verzehrt und leer sich speisen müssen/
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Die reitzet doch der Leim von eitler Wollust an;
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Ja manchen wächst der Muth und zancken mit dem Glücke/
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Sie schlagen Reichthum für/ Witz/ Jugend/ Schönheit/
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Der Himmel ist nur taub und eisern das Geschicke/
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Sie werden nicht gefreyt/ wie sehr sie sonst bekand.
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Dergleichen Klagen mehr/ erhub der Jungfern Orden/
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Als eifrig umb Verhör die Frauen hielten an;
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Die/ als sie/ nach Gebühr/ sind vorgelassen worden/
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Btfestigten den Streit deß Rechtes/ wie man kan:
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Die erste wolte bald die Oberherrschafft haben/
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Der Mann der solle nur ein treuer Frohne seyn/
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Und eine junge rufft: ach! daß mein Greiß begraben;
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Die dritte/ weh! mein Mann liebt mich nicht/ nur den Wein;
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Die spricht: mein Knoblochs Haupt hat weiter keine Keime/
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Und die: ein Buch gilt mehr/ als mein gerader Leib;
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Die etwas blöder ist: sagt ich weiß nichts als Träume/
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Bin Jungfer in dem Werck und vor der
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Viel andre klagen mehr und Angst-erfülltes Kümmern/
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Beschwunge/ wie mit Nacht/ der Liebe goldnen Thron;
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Sie aber sprach: es muß bey mir heut’ Anmuth schimmern/
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Und die Behägligkeit verschönern meine Kron:
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Es sey/ auf eurer Brust/ sind Fehler wo begangen/
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Man hör ingleichen auch der Männer Nothdurfft an/
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Zwey Schalen hat das Recht/ an selben muß es hangen/
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Ich bin den Parten nicht wie Menschen zugethan.
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Die Reden unterbrach die Rey von den Poeten;
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Es war ein prächtig Volck/ mit Lorbern außgeziehrt/
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Sie stimmten aufden Ruhm der Liebe ihre Flötten/
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Und stritten/ wem die Kron und Vorzugs-Recht gebührt/
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Beklagten sonst ihr Glück und wie der Jungfern Hertzen
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So kalt als Zemblisch Eiß/ mit Stein und Stahl umschränckt/
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Wie sie Gefangene vertrügen herbe Schmertzen/
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Wie man vor tausend Verf’ auch einen Kuß nicht schenckt;
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Sie hätten nachgedacht/ die Federn abgebissen:
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Die Nägel schier verzehrt/ den Kopf fast kahl gemacht/
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Auf daß ein ewig Lied holdselig möchte fliessen/
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Und rühmen Himmel-hoch des Frauen-Zimmers Pracht;
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Die Liebe wolle doch sich ihrer auch erbarmen/
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Sie würden für den Spruch auf ewig danckbar seyn;
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Jhr Wunsch wär/ auf der Brust der Liebsten zuerwarmen/
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Ein Kuß wär ihnen mehr als andern Himmel-Wein.
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Ein freyes lächeln hat der liebe Mund entschlossen;
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Diß was ihr vorgebracht schützt eure Sache nicht/
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Mein Frauen-Volck und ihr treibt nur verliebte Possen/
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Faßt euch zu andrer Zeit auf kräftigern Bericht/
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Jetzt soll der werthe Tag mit zancken nicht verrauchen:
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Wen aber seh ich dort in einem Krantze stehn?
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Gewiß/ ihr habt gewollt zum Vorspruch ihn gebrauchen.
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Allein er muß nur selbst vor sich zu rathe gehn
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Und dencken wie er kan bey Glück und Wollust lachen/
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Weil ihr noch schmachten müst in Marter-
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Mein Urthel das ist kurtz: Ich gebe sie zusammen/
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Jhr andern führt eur Recht aufs nechste besser auß;
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Seht dieser trägt den Preiß und seine süsse Flammen/
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Führt die Ergetzligkeit in ein gesegnet Haus:
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Holt/ Tauben/ holt mir her die frischen Myrrthen-Kräntze/
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Und Hymen zünde nur die Hochzeit-Fackeln an;
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Mein allerschönstes Volck hegt itzt die Freuden-Täntze/
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Und suchet/ was den Geist durchaus erquicken kan.
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Diß war der Liebe Schluß/ in dem ein zartes Netze
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Des Schlaffes linde Hand für ihre Augen webt;
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Der Glieder Sternen-Pracht entdeckte Lust und Schätze/
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Und stund nun alles bloß was sonst der Flor begräbt/
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Die Tauben schnäbelten und flochten Küß in Küsse/
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Sie wolten so ein Bild der ersten Ubung seyn/
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Die Schwanen fachten zu/ der Braut/ die neuen Grüsse/
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Und sungen: geht und schlaft/ Verliebte/ liebreich ein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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