1
Ich der ich flügen ließ vor zweyen Jahres-Zeiten
2
Die Feder in dein Lob und rühmte dich von weiten/
3
Du edle Drücker-Kunst/ bin itzund auch bedacht/
4
Wie doch dein ursprung nur werd' offenbahr gemacht:
5
Ich wil durch diesen Mund die blöden Menschen lehren/
6
Die noch nicht Menschen sind/ wie sie dich sollen ehren;
7
Durch diesen meinen Mund der sich was schwach befindt/
8
Drüm/ Clio/ ruff' ich dier/ du schönes Musen-Kind/
9
Komm/ komm und hilff mir auff; flicht aus die güldnen Zöpffe/
10
Daß Zephyr spielen mag und ich die Kräffte schöpffe;
11
Wenn er von dier auff mich den feuchten Nectar weht/
12
So weiß ich daß es mier gewündscht von statten geht.
13
Komm balde/ denn ich wil von solchen Sachen reden/
14
Die höher seyn als hoch; nicht wie uns Arme Blöden
15
Der kleine Hertzen-Schütz aus Paphos fällen kann;
16
Nicht wie Callicrates der Kunst-erfahrne Mann
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Sein Wunder-schiff gemacht; Wil nicht den Ruhm erlangen
18
Der Venus Bild/ das einst Apelles angefangen/
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Nach ihm zu mahlen aus; Es soll Hymettus nicht/
20
Noch seine schönste Lust hier werden mein Gedicht;
21
Zumahl weil Maro sie mit seiner scharffen Zungen
22
An Minces ufer schon hat zweymahl hergesungen:
23
Ich wil auch sagen nicht von Cocos aus Zebuth/
24
Dem Wunder-Baum und Stamm/ von dem man Rebenblut/
25
Oehl/ Butter/ Linnewand und Essig kan geniessen/
26
Ja Zucker noch dazu: Auch wil ich nicht vergiessen
27
Die Thränen über dich/ du edles Vater-Land/
28
Das von sich selbsten itzt fast nicht mehr wird erkant/
29
So als es öde steht. Diß alles bleibt verschwiegen
30
Von mir auff dieses mahl; Ich laße mir genügen/
31
Wenn ich nur reden mag nach Zierligkeit von Dier/
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Du edle Drücker-Kunst. Drüm/ Clio/ meine Zier/
33
Geruhe doch Entsatz und Worte zu zuschicken/
34
Wann mir der Mund besteht: Ach! laß mich doch erblicken
35
Dein Göttlich Angesicht; Dier fleh ich noch einmahl
36
Gib/ daß ich zieren mag mit Reden diesen Saal.
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Komt auch und hört mir zu/ Ihr träfflichen Elbinnen/
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Komm Hamburg/ komm heran und höre mein Beginnen/
39
Laß deine Schiffe stehn am blancken Elben-Stroom/
40
So lange/ biß ich das/ was noch Athen und Room/
41
Wie hoch sie flügen/ trotzt/ ursprünglich dier entdecket/
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Die edle Drücker-Kunst/ vor der der Pabst erschrecket
43
Auff seiner Siebenburg: Laßt eurer Presse Ruh/
44
Ihr edlen Drucker Ihr und hört ein wenig zu/
45
Merckt/ merckt auff meine Wort/ weil ich vornemlich preise:
46
Die Götter-gleiche Kunst und ihren Ursprung weise;
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Die euch zu Ehren setzt/ die euch berühmet macht/
48
Die alle Künstler trotzt und reisst hin aus der Nacht
49
Zur grauen Ewigkeit. Diß Lob laßt euch gefallen/
50
Das durch das Deutsche Reich anitzo wird erschallen/
51
und das üm desto mehr/ weil keiner diß gethan
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Vor mir in dieser Stadt/ merckt auff/ nun fang' ich an.
53
Als vierzehn hundert Jahr und viertzig war verflossen
54
Nach unser Christ-Geburt/ war Gott der Herr entschlossen
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Sein Wort zu breiten aus: Es war fast auff der Bahn/
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Den Huß im Geiste sah/ der theure Wunder-Schwaan.
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Der Keyser Albrecht starb der Ander so genennet/
58
Drauff Friederich der Dritt' als Keyser ward erkennet;
59
Im ebenselben Jahr ward uns die Drückerey
60
Von Gott geschenckt/ daß sie der Künste Mutter sey.
61
O Fürstin aller Kunst/ Du aller Lehrer Amme/
62
Durch dich hat Gott gezeigt im Dunckeln seine Flamme/
63
Die Fackel seines Worts. Wer hat dich dann erdacht?
64
Wer hat ein solches Werck mit kluger Hand gemacht?
65
Und wo ist das geschehn? Ists Phidias gewesen
66
Der Künstler von Athen? von dem man noch kan lesen/
67
Daß er Minerven Bild neun Klafftern hoch gemacht
68
Auß Gold und Helffenbein und in das Schild die Schlacht
69
Der Amazonen grub? Sol man es dier zumessen/
70
Lysippus/ weil nur dir dein König ist gesessen
71
Sein Bild zu bilden ab? Praxiteles vielleicht/
72
In dessen Venus sich/ dem keines sonsten gleicht/
73
Ein Jüngling hat verliebt? Hats Daedalus erfunden?
74
Der sonst das Labyrinth zur unglückhafften Stunden
75
Ihm selbst und seinem Sohn' in Creta hat gemacht/
76
Daraus er wiederüm mit Flügeln ward gebracht/
77
Die Kunst ihm angesetzt? Hastu es dann ersonnen/
78
Perillus? oder wie? hat sich von dir entsponnen/
79
Epeus/ diese Kunst? Ists Alcman ein Poet/
80
Der erste/ der ein Lied von Liebes-Lust anfäht?
81
Dem man so emsig folgt? Sol Palamedes lehren
82
Die schöne Drücker-Kunst/ von dem wir sehn und hören/
83
Daß er das Abece geordnet auff ein Schild?
84
Ists dann Pyrgoteles/ der Alexanders Bild
85
In Perlen graben mag? Nein/ nein! hier ist es keiner/
86
Die Deutschen übergehn die Griechen und Lateiner.
87
Schweig/ Anagallis/ still/ die du dein Ebenbild/
88
Das Ballen-Spiel erdacht: Ertichte was du wilt/
89
Du frische Thymele; Den Deutschen müsst ihr weichen
90
Ihr Künstler von Athen/ Ihr Griechen müsst verbleichen;
91
Du großes China du/ du rühmest dich ümsunst/
92
Auch hast du/ Franckreich/ nicht erfunden diese Kunst.
93
Ihr Niederländer ihr laßt euer Harlem schweigen/
94
Auch Welschland kan uns nicht den urerfinder zeigen.
95
Kommt/ nehmt uns dieses Lob: Johannes Guttenberg/
96
Ein Mann von edlem Stamm bringt auff das Drucker-Werck/
97
Zu Meyntz im Deutschen Reich; Er hilft mit scharffen Sinnen
98
Was Peter Schöfer hier und Faust zu erst beginnen;
99
Was sonst Hans Mäntelin zu Straßburg hat erdacht
100
und (wie man wil) von dar Hans Gense-Fleisch gebracht
101
An vorermeldten Ort/ Den billich wir erkennen
102
Vor unsre Schreiber-Stadt und Kirjath-Sepher nennen/
103
Weil da der erste Pfeil aus Dinten ward gemacht/
104
Weil Sie die Drücker-Kunst zum ersten ausgebracht/
105
Daß sie nunmehr bey uns so schön und herrlich blühet;
106
Da Guttenberg sich erst so trefflich hat bemühet;
107
Er macht' erst breite Schrifft und bracht es auch so weit/
108
Daß mit Verwunderung man drauff in kurtzer Zeit
109
Gedruckte Schrifften laß. Nun werden tausend Bogen
110
In einer Tages-Frist auch eher abgezogen/
111
Wenn nur die Schrifft gesetzt. Ging deine Schreiberey
112
Athen und Room so fort? da du in Wachs und Bley
113
Annoch die Zeit verderbt? Gings auch so wol von statten/
114
Ihr Alten/ wann ihr schriebt/ was euch gelehret hatten
115
Die Weisen von Athen? was Cicero/ Lucan/
116
Was Aristoteles/ der Mantuaner Schwan
117
und der von Sulm euch lehrt? O nein! ihr stoltzen Griechen/
118
Wie weis' ihr immer seyd/ nun möcht ihr euch verkriechen:
119
Seht/ seht der Deutsche schreibt so viel auff einen Tag/
120
Als einer unter euch im Jahre schreiben mag.
121
Wie elend war es nur: Ihr schriebt auff Wachs und Rinden/
122
Bis endlich einer kam und wies' euch armen Blinden
123
Papier und Pergamen. Der Reiche kont' allein
124
Was lernen dazumahl und Bücher kauffen ein
125
üm einen solchen Werth; Wer solt' itzt wol bezahlen/
126
Dier Triphon deinen Kraam/ nun darffstu nicht mehr pralen
127
Du großer Gordian/ du Tullius und Du
128
Tyrannion schleuß nur die Bücher-Schräncke zu.
129
Was war zu Heidelberg? wie viel geschriebne Sachen/
130
Was Bücher waren da? die manchen traurig machen
131
Durch ihren untergang? der Wald der Weißheit weicht
132
In Constantinus Stadt: Alphonsus auch verbleicht.
133
Der Deutsche zeigt itzt mehr durch sein so schönes Drücken/
134
Das ihm gegeben ward durch Gottes hohes Schicken;
135
Die Bücher werden mehr. Die edle Drückerey
136
Geht nun durch alle Welt und steht den Künsten bey.
137
Room weis itzt auch davon/ dahin sie mit sich führte
138
Zum ersten Ulrich Hahn und ihren Nutzen spürte.
139
In Franckreich hat zu erst Sixt Rüssinger gedrückt;
140
Ist also diese Kunst in kurtzen fortgerückt.
141
Viel Fürsten haben sie so sehr und hoch geliebet
142
und diese schöne Kunst mit eigner Hand geübet:
143
Es hat sie Friederich der Dritte so erhöht/
144
Daß auch der Drücker-Stand fast gleich dem Adel steht,
145
Er lässet ihnen zu vor andern Gold zu tragen/
146
Begnadigt sie so sehr und setzt sie auff den Wagen
147
Des adlichen Triumffs/ wie irgend einen Held/
148
Der seinen starcken Feind mit Ehr und Rühm gefällt;
149
Gibt ihnen freye Macht den offnen Helm zu führen/
150
Ein Adler muß zur Pracht des Setzers Wapen zieren/
151
Weil er sich schwingt empor/ nimmt Adlers-Flügel an
152
und fleucht mit mancher Schrifft zur grauen Lebens-bahn
153
Der Unvergängligkeit. Dem Drucker ist gegeben
154
Der nimmerschwache Greyff/ und dann ein Ball darneben/
155
Den er nach Druckers-Art in seinen Klauen führt
156
und so gantz adelich die Wapen-Felder ziert.
157
So wird ihr Stand verehrt. Sie werden von den Alten
158
Wie von den Jungen auch sehr lieb und wehrt gehalten/
159
Des Drückers Haus und Hoff ist frey in mancher Stadt
160
Daß mit gelehrten er offt gleiche Freyheit hat.
161
Diß hat das Heupt der Welt vor zweymahl hundert Jahren
162
Aus lauter Gnad und Gunst euch laßen wiederfahren;
163
Fürst Friedrich Wilhelm auch von Sachsen hielt euch werth/
164
Ein' eigne Drückerey zu haben Er begehrt:
165
Nam Drucker auff sein Schloß/ ließ schöne Schrifften giessen
166
und seine Gnad' und Gunst den Druckern auch geniessen.
167
Viel Fürsten wolten sehn/ was Faust und Guttenberg
168
Vor eine schöne Kunst und künstlich Wunder-Werck
169
Zu Meyntz herfür gebracht. Der Pabst auch selbst erstarrte
170
Vor diesem Feder-Kiel/ fürnemlich da er knarrte
171
In Luthers Schrifft so sehr/ daß auch gantz Room erschrack
172
und hörte seinen Knall. O seelig ist der Tag/
173
Da diese Schreiberey zum ersten ist erfunden!
174
Die Wunder-Feder die! o seelig seyn die Stunden/
175
Da Faust und Guttenberg zum ersten mahl gedacht
176
Auff diese Schreibe-Kunst! o seelig ist die Nacht/
177
Die Schlaffloß ging vorbey. Es muste so geschehen/
178
Weil Gott es längst zuvor der Wunder-Gott versehen;
179
Es solte Luthers Lehr in aller Welt ausgehn
180
Durch diese schöne Kunst und voll im blühen stehn.
181
Halt Clio/ meine Zier/ halt doch ein wenig inne/
182
Damit ich auff ihr Thun und Wesen mich besinne.
183
Wie geht es bey euch zu? Was habt ihr Drücker dann
184
In eurer Drückerey/ daß itzt ein jedermann
185
Mit Wunder schaut und siht? Was habet ihr vor Sachen/
186
Daß in so kurtzer Zeit ihr könnet Bücher machen?
187
Vors erste seh' ich hier Buchstaben die von Bley
188
Der Schrifften-Giesser macht/ so viel und mancherley
189
In kleinen Fächern stehn. Da ligt bey großen Lasten
190
Die allergröbste Schrifft in ihrem eignen Kasten:
191
Hier ligt Canon Versal/ Missal Antiqua dort/
192
Roman-Antiqua dann an einem andern Ort.
193
Bey Parion Cursiv kömmt Parion die Alte/
194
Die wohl beysammen stehn in einer Zeil und Spalte/
195
Die dritt' Antiqua folgt und Tertia Cursiv;
196
Dann bey der Mittel-Schrifft/ die etwas krümmer lieff/
197
Antiqua Mittel steht. Nun komm' ich zu den beyden/
198
In welchen Guttenberg den Cicero mit Freuden
199
Zum ersten hat gesetzt/ drüm sie auch heissen so
200
Nach ihm/ die Alte nun und Schieffe Cicero.
201
Seh' ich mich weiter üm/ so seh' ich eben liegen
202
Garmuth-Antiqua dort zu der man pflegt zu fügen
203
Cursiv/ doch nicht ümsonst. Was kleinre nun betrifft/
204
Findt man die neue schieff- und alte Jungferschrifft.
205
Diß seyn die Schrifften nun/ damit man pflegt zu drücken
206
Welsch/ Ungrisch und Latein/ zu denen sie sich schicken.
207
Nun fahr' ich weiter fort und setz' auch ordentlich
208
Dieselbe/ die gar schön zum Griechschen schicket sich.
209
Da pflegt man auch zu erst die grobe Schrifft zu haben/
210
Darnach die Cicero/ die etwas schmaal gegraben;
211
Dann auch das Corpus folgt/ so Garmuth sonst genennt/
212
und/ weil sie kleiner ist/ gar leichtlich wird erkennt.
213
Auch hat man eure Schrifft und Puncten ihr Hebräer/
214
Die etwas schwerer ist/ dieweil im andern eher
215
Drey Blätter seyn gesetzt/ als hier ein eintzig Blat/
216
Denn sie was sonderlichs vor andern Sprachen hat.
217
Wie auch das Syrische; der Türcken Schrifft ingleichen;
218
Hier können wir auch sehn der Memphen Schreibe-Zeichen
219
Die gleich den Bildern seyn: Arabisch und so fort
220
Chaldäisch drücket man und was an jenem Ort/
221
Da sich zu früher Zeit des Himmels Buhlschafft schmücket
222
und aus dem Schlaaff-Gemach zum ersten mahle blicket/
223
Noch mehr vor Sprachen seyn; ja was der Welt bewust/
224
Das können alles wir im Drucke sehn mit Lust.
225
Zuletzt laßt uns die Schrifft der Deutschen auch berühren/
226
Die/ weil sie immer steigt/ viel neue Schrifften führen.
227
Erst findet man Canon gar zierlich grob und klein
228
Darnach ist Teuerdanck und Fibelschrifft gemein/
229
Wie auch gebrochne Schrifft/ so man die Dritte nennet/
230
Mit Tertia Fractur/ so leichtlich wird erkennet;
231
Die Grobe Mittel auch/ Schwabacher/ welche mann
232
Postillen Schrifft sonst heist und wol gebrauchen kann
233
Zur Mittel Schrifft Fractur: Hiernächst ist auch zu finden
234
Schwabacher Cicero und bleibet nicht dahinden;
235
Bald Cicero Fractur/ so Gabon auch sonst heist/
236
Vielleicht von dem der sie zum ersten mahl abreisst.
237
Hier siht man auch mit Lust Schwabacher Corpus liegen
238
und Corpus von Fractur so schön zusammen fügen;
239
Zuletzt die Jungferschrifft Fractur und was uns mehr/
240
Die schöne Nomperell/ Ihr Drücker/ wundert sehr/
241
Die Zieffern/ Röselein/ die groß- und kleine Noten/
242
Die Leisten/ Züg' und Stöck/ einfache Strich und Knoten/
243
Figuren allerhand auff Kupffer Holtz und Bley
244
und was man alles siht in dieser Schreyberey.
245
Diß seyn die Schrifften nun/ die aus den Fächern langet/
246
Ihr sätzer alsobald/ wenn ihr ein Werck anfanget
247
und setzt sie ordentlich ins Winckel-Maaß hinein/
248
so lange/ biß das Maaß mag voll an Schrifften seyn;
249
Dann nehmt ihr wiederüm heraus die vollen Zeilen
250
und setzt sie auff ein Bredt/ die ihr dann pflegt zu theilen
251
In gantze Blätter aus/ biß eine Form ist voll/
252
Dann legt ihr Rahmen drüm und/ wie ein Drücker soll/
253
Schließt ihr die Forme zu/ daß ihr sie könnet tragen
254
zur Pressen unverrückt nach eurem Wohlbehagen;
255
Setzt sie auff festen Grund/ tragt Farben alsobald
256
Mit zweyen Ballen auff/ treckt zweymal mit Gewalt
257
Den Bengel zu euch zu/ und wann der erste Bogen/
258
So Schöndruck wird genennt/ einmahl ist abgezogen/
259
Macht ihr den Wieder-Druck und ändert was versetzt/
260
Auch sonst nicht richtig ist; Drauff nehmet ihr zuletzt
261
Papier/ so schon gefeucht/ damit es Farbe fangen
262
und an sich nehmen kan; Eh nun ein Tag vergangen/
263
Habt tausend Bogen ihr ja mehr schon abgedrückt/
264
Die werden auffgehängt/ getrucknet und geschickt
265
Zu dem/ der sie verlegt; der ihren Nutzen spüret/
266
Wenn er sie durch die Welt in manche Länder führet:
267
Room lieset gantz bestürtzt/ was nun zu Wittenberg
268
Zum meisten wird gedrückt/ das edle Himmels-Werck.
269
Die Biblien seyn nun verdeutschet und gedrücket/
270
Daraus die Himmels-Lehr uns offenbahr anblicket/
271
So vor verborgen lag/ man wuste nichts von ihr
272
Biß endlich Luther kam und brachte sie herfür.
273
Die Bücher brechen aus/ die vor verschwiegen lagen/
274
Durch unsre Drückerey; Sie ist der rechte Wagen/
275
Der aus der Sterbligkeit die edlen Geister führt
276
Dahin/ wo niemand stirbt; wo man die Sternen rührt
277
und ewig ist bekant. Es kan nunmehr nicht tödten
278
Das unglück dieser Zeit die Edelen Poeten/
279
Ihr Nahme wird berühmt und bleibet nun dabey/
280
Daß keiner untergeht/ so lange Drückerey
281
Der edlen Tugend meldt. Daß in so kurtzen Zeiten
282
Die Deutsche Poesie erschallt auff allen Seiten/
283
Das macht die Drückerey/ die erstlich ausgebracht/
284
Was Opitz unsre Zier mit kluger Hand gemacht.
285
Gantz Deutschland ist bemüht/ auch in den grösten Kriegen/
286
Wie Wunder ist doch das! den andern abzusiegen/
287
Die Griechen stehn bestürtzt/ Homerus gantz erbleicht/
288
Horatius erblasst und Maro selbst entweicht
289
Vor unsrer Poesie; Die nun so hoch sich schwinget/
290
Daß Wiesen/ Berg und Thal vor Freuden wieder klinget:
291
Die Arten eurer Vers' ihr Griechen allzumahl
292
und Ihr aus Latien/ seyn nicht so viel an Zahl/
293
Als ich im Deutschen nur aus Jamben und Trochäen
294
Alleine machen kan: Ihr müsst es selbst gestehen/
295
Daß wir so schön als Ihr die Anapästen auch
296
Itzt haben auffgebracht/ daß nunmehr seyn im Brauch/
297
Wann wir die Arten all' in unsren Versen zählen/
298
Wohl funfftzig/ ja noch mehr/ daraus wir eine wählen
299
Nach Lust/ und schreiben dann was unser Hertze will/
300
Bald diß bald jenes Lied; Die Helden schweigen still
301
und hören selbsten zu; Der Helm muß niederliegen/
302
Der Harnisch ruht indeß/ wann unsre Verse siegen/
303
Sie werden so entzückt/ daß mancher WERTHER Held
304
Die Waffen nichts mehr acht/ sucht vor das Krieges-Zelt
305
Den edlen Helicon. Der Fortgang und das Steigen
306
Der Deutschen Poesie ist/ kürtzlich anzuzeigen/
307
Durch unsre Drückerey so eilend fortgebracht/
308
Daß itzt fast jederman ein Deutsch Getichte macht.
309
O edle Drückerey! Wo wolte man die Stunden
310
Nur immer bringen zu/ wenn du nicht werst erfunden:
311
Daß itzt so manches Buch ein jeder lesen mag/
312
Das vor verborgen war und schaute nicht den Tag/
313
Das kömmet her von dier. Nun kan ein jeder lesen/
314
Was Aristoteles und Tullius gewesen/
315
Wie weise Plato sey und was er uns gelehrt/
316
Wie sehr Severus auch den Flaccus hat geehrt
317
und sich vor ihm gefürcht: Wie hoch Trajan erhoben
318
Den jungen Plinius; Was dieser pflegt zu loben
319
und jener strafft und schilt. Die edle Wissenschafft
320
Der Weisen von Athen/ so längsten hingerafft/
321
Die lebet noch durch Dich/ und wird auch nun wohl bleiben/
322
So lange du bestehst. Was wir noch itzo schreiben/
323
Das wird den untergang auch niemahls sehen nicht/
324
So lange Drückerey/ der Tugend Glantz und Licht/
325
Noch funckelt auff der Welt. Ein Pferd siht bald von fernen/
326
Den Feind und reisst hindurch; so reisst sich zu den Sternen/
327
Durch alle Sterbligkeit mit uns die Drückerey/
328
Macht unsern Nahmen groß und steht den Künsten bey.
329
Ein Adler/ wann er sich bey kühler Lufft geschwungen
330
Zur rothen Sonnen hin/ trägt nachmahls seine Jungen
331
Auch eben so hinauff/ zu schärffen ihr Gesicht/
332
Daß sie gantz unverwandt das klare Wolcken-Licht
333
Auch könten schauen an: So werden wir getragen
334
Auch durch die Drücker-Kunst nach unserm Wohlbehagen/
335
Wo Phöbus uns bestrahlt/ zur blancken Himmels-Bahn;
336
Sie schwinget sich ermpor/ nimmt Adlers Flügel an
337
und führt uns aus der Nacht. Die sehr-verborgnen Sachen/
338
Die manchem Freud' und Lust bey schwerem unmuth machen/
339
Die lieset man durch Sie. Die Albern werden klug/
340
Die Blinden sehen nun den schrecklichsten Betrug.
341
Drüm soll man ehren die/ die unsre Drückereyen
342
Befördern noch itzund/ auff die sich manche freuen;
343
Die aus der Niedrigkeit gedencken da hinan/
344
Wo man betreten kan die Sternen-liechte Bahn
345
Der unvergängligkeit. Man solte dier zu Ehren/
346
Du edler Guttenberg/ dein edles Werck vermehren/
347
Man solte noch itzund mit Gold in Demant-Stein
348
Dein Lob und deine Kunst/ wie billich/ schreiben ein.
349
Wo ist dein Denckmahl dann? Wo ist die Ehren-Seule?
350
Wo ist die Ehren-Schrifft? Ich sehe keine Zeile/
351
Kein Denck-Mahl ist auch hier/ kein Zeichen seh ich nicht/
352
Das dier ein eintzig Mensch zu Ehren auffgericht/
353
Wann einer diese Kunst gezeigt vor vielen Jahren/
354
Da noch Athen und Room in vollem Wachsthum waren/
355
So hätte man sein Bild wohl gar zum Gott gemacht
356
und zu dem Tempel hin mit Hertzens-Lust gebracht.
357
Wie hätten diesen wohl die Sindier geehret/
358
Der ihnen diese Kunst die Drücker-Kunst gelehret?
359
Sie hätten ihm gewiß was sonderlichs erdacht/
360
und bey der andern Welt ein ewigs Lob gemacht.
361
Was aber thut man dir? Nun ob dir gleich zu Ehren
362
Diß alles nicht geschehn/ so kan man doch noch hören
363
Dein Lob in aller Welt/ daß du ein Göttlich Werck
364
uns habest auffgebracht/ du edler Guttenberg.
365
Es wird auch wol dein Lob/ weil Menschen seyn/ bekleiben/
366
Dein Nahme nicht vergehn/ so lange man wird schreiben/
367
So lang' uns ein Magnet die Zeit und Stunde sagt/
368
und zeigt wo Wind und Fluth das schwache Schiff hinjagt/
369
Auch wohl bey finstrer Nacht. Man wird an dich gedencken/
370
So offt man alle Müh und Sorgen wird versencken
371
In manches schönes Buch/ so lang' in vollem Schein
372
die güldne Sonne steht/ wird deine Kunst auch seyn.
373
Nun weil mein schwaches Schiff den sichern Hafen sihet/
374
So werff ich Ancker ein und bin itzund bemühet
375
Zu enden mein Gedicht auff dessen Nahmens Ehr/
376
Der uns geführet hat und führt je mehr und mehr.
377
Hier denck ich auff dein Lob und dieses zu beschreiben/
378
Soll itzt und immerfort mein Geist bemühet bleiben/
379
O Gott du Quell der Kunst; du Gnaden-Vater Du/
380
Dir dancken wir anitzt und loben immerzu
381
Dein großes Gnaden-Werck; daß Du uns hast gewiesen
382
Die edle Drücker-Kunst/ die noch nicht gnug gepriesen
383
So als sie würdig ist: Hast sie zweyhundert Jahr
384
Erhalten und gemehrt/ Du hast uns hell und klar
385
Durch sie dein Wort geschenckt. Ach! Vater/ laß doch scheinen
386
Die Fackel deines Worts; Erhalte sie den Deinen
387
Noch ferner hell und klar. Erzeig' uns deine Gunst/
388
Laß blühen für und für die edle Drücker-Kunst.
389
Ach! gib uns doch einmahl den lang-gewüntschten Frieden/
390
Ach! Vater bistu dann/ Ach! bistu dann geschieden
391
Von deiner Christenheit? Ach! hörestu denn nicht/
392
Was itzt dein liebes Volck in letzten Zügen spricht?
393
Ach! höre/ höre doch/ und laß uns einmahl blicken
394
Dein Gnaden-Angesicht/ daß wir uns auch erquicken
395
und loben Dich dafür/ Ach! nim das schwere Joch
396
Von unsern Achseln hin: Ach! höre/ höre doch!