Freuden-Schreiben an J. G. als sein Sohn Hrn. F. G. zum Doctor beeder Rechte in Leipzig erkläret wurde

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Heinrich Mühlpfort: Freuden-Schreiben an J. G. als sein Sohn Hrn. F. G. zum Doctor beeder Rechte in Leipzig erkläret wurde (1686)

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Dieweil ich selbst nicht kan/ wie ich mir vorgenommen/
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Die Berge Schlesiens/ und dessen Pindus sehn/
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So soll/
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Und/ zwar gantz unbekant/ entdecken was geschehn.
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Ich weiß/ diß frembde Blat wird euch nicht frembde scheinen/
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Wenn ihr von
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Es wird das Vater-Hertz vor Freuden gleichsam weinen/
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Und eurer Jahre Zahl durch diese Post vermehrt.
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Mich dünckt/ ich sehe fast die Thränen auff den Zeilen/
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Wie eine Regung sich hier nach der andern weist/
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Wie Freude/ Hoffnung/ Trost/ und Ruhm zusammen eilen/
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Und jedes einen Krantz/ euch zu bekrönen/ schleust.
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Jhr denckt nun weiter nicht an die betrübten Zeiten/
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Die vor das gantze Land in Asch’ und Brand gelegt/
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An euren sauren Schweiß und Widerwertigkeiten/
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“und was vor Kummer mehr
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Der kalten Scheitel Schnee verkehrt sich in Narcissen/
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Nach dem der Freuden-May in eurem Hauß’ auffblüht.
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Die Kräffte wollen auch von keinem Abgang wissen/
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Jhr seyd auffs neu’ belebt/ es grünt ein jedes Glied.
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Die Nachbarschafft die merckt veränderte Geberden/
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Und euer
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Wacholdern müssen euch zu keuschen Lorbern werden/
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Womit ihr Tisch und Bänck’/ und alles überstreut.
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Denn dieses ist der Tag/ der auf dem
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Den Sohn im
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Es geht sein Ehren-Glantz vor andre Musen Söhne/
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Die Themis ist ihm hold/ Apollo hochgeneigt.
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Ach möcht ihr wesentlich/ mein Freund/ die Pracht anschauen/
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Die ich nicht so genau in Reim zu binden weiß!
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Die Augen würden da mehr Liebes-Tropffen tauen/
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Als bey euch Fichten sind/ und in dem Winter Eiß.
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Wie eifrig soltet ihr vor euren Schöpffer treten/
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Und tausendfachen Danck abgelten seiner Gnad;
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Jhr faltet eure Händ’ und würdet embsig beten/
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Daß GOtt den lieben Sohn so hoch erhoben hat;
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Und von des Pöfels Staub und schwerer
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Von
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Durch seine Hand befreyt/ und zu dem Ehren-Stande/
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Darinnen wir ihm itzt glückwünschen/ hat gesetzt.
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Ich fühle neue Glut/ die meinen Geist erhitzet/
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Es ist was Himmlisches/ so mir die Feder rührt/
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Nachdem ein alter Freund in solchen Strahlen blitzet/
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Die der Asträen Haupt Sieg-prangend umb sich führt.
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Gewiß mir brennt die Brust/ was Ewiges zu schreiben/
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Jhr Teutschen Clarien/ wo ich nicht Frembdling bin.
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Und solte
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Dem ich schon längst geweyht Gemüthe/ Hertz und Sinn?
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Als Jhm Sophia gab die Mütze von Violen/
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Und Bruder der Natur/ ja
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Lieff meine Pieris ihm einen Krantz zu holen/
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Der Teutsch geflochten war/ nach Brauch in unserm Land.
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Indessen weil das Glück uns von einander reisset/
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”(Wiewol kein Zufall nicht die Freundschafft reist entzwey/)
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Dianens Silber-Horn zum vierten jährlich gleisset/
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Kommt eine Post/ daß er der Rechten würdig sey.
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Ich habe mich erfreut/ und Römisch da gesungen/
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Jhm nach dem
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Nun hör’ ich/ daß mein Wunsch ist überwol gelungen/
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Nachdem ihn Philuris zu einem
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Der Türckis wird gelobt/ den die Natur gemahlet/
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Ob der/ den Franckreich brennt/ gleich offters schöner sieht.
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”ein Mensch/ der weiter nicht als von der Tugend strahlet/
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&q;Hat vor dem Midas-Knecht doch jederzeit geblüht.
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&q;Der grosse Klumpen Gold/ der schärfft nicht das Gehirne/
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&q;Wo nicht Verdienste seyn/ taug auch nicht hoher Stand.
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&q;Der Ahnen grauer Ruhm beschämt der Kinder Stirne/
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&q;Wenn jene Tugenden/ die Lastern sind verwand.
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Nein;
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Jhn hat sein
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Doch weiß ich/ daß er wird sein Vaterland beblühmen
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Mit Wissenschafft und Kunst/ die keine Zeit verschweigt.
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”ob unser Himmel hart/ und nicht voll sanffter Winde/
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&q;So ist er dennoch nicht an grossen Seelen leer.
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Daß doch der Neid allhier nicht seinen Köder finde/
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Sonst käme mir die Zahl zu nennen nicht gar schwehr.
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”manch Berg/ wie kahl er ist/ hat fruchtbar Eingeweide;
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&q;Gibt nicht das Jthaca Ulyssens Witz an Tag?
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&q;Ja ein abscheulich Wurm spinnt uns so schöne Seide;
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&q;Der Türcken bestes Gold hat den geringsten Schlag.
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&q;Ort/ Reichthum/ thut es nicht/ daß kluge Söhne werden/
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&q;Sonst stünde Potosi mit Göttern angefüllt:
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&q;Man lobt den jenigen Asturco von den Pferden/
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&q;Der erst das Ziel erreicht/ und andrer Säumnüß schilt.
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Als unser
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Die Perle Schlesiens/ das Breßlau angeschaut;
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Fieng an in sein Gemüth der Künste Safft zu rinnen/
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Biß die berühmte Schul ihn besser noch erbaut.
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Den Keim der Gottesfurcht pflantzt’ in die zarte Seele
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Deß
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Den Leib beschleust zwar längst des finstern Grabes Höle/
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Wiewol sein Name wird aus seinen Söhnen blühn.
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Was die Beredsamkeit/ der Sprachen Eigenschafften/
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Und die Vernunfft Kunst lehrt/ hat
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Ein hochverdienter Mann; sein Ruhm bleibt bey uns hafften/
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Biß daß die gantze Welt wird in ein Nichts verkehrt.
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Was von Geschichten je der Zeiten Buch beschlossen/
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Was Kron und Thron erbaut/ und was sie nieder reißt/
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Kam aus
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Der noch ein Wunder-Trieb gelehrter Köpffe heist.
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Verhehl’ ich
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In welchen er erwieß/ was ein Poete kan/
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Wie herrliche Gedicht uns von der Grufft befreyen/
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Und des Gedächtnüß Ruff den Sternen melden an?
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Mein
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Der uns das Alterthum der Stein’ und Müntzen sagt/
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Zeigt/ wie der frische Muth die Schalen durchgebrochen/
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Und nach der Künste Kern begierig hat gefragt.
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”es wächset Pofosti eh’ als des Buch-Baums Aeste/
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&q;Dort bringts ein Tag und hier viel Jahre kaum hervor.
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&q;Egyptens Hunde sind nur an dem Nilus Gäste/
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&q;Wenn sie das Wasser labt, so schreckt sie doch das Rohr.
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&q;Kunst und Geschicklichkeit erfordert Müh’ und Schwitzen/
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&q;Ein Jahr/ das Faulen lang/ macht keinen nicht geübt:
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&q;Wer nicht wil Tag und Nacht bey seinen Büchern sitzen/
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&q;Derselbe lebt verhönt/ von Leuten nie geliebt.
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&q;Die Wolle muß zuvor viel andre Säffte fassen/
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&q;Eh’ sie zu ihrem Schmuck die Purpur-Farbe trinckt:
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&q;Ein Demant wird sich vor in Gold einschliessen lassen/
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&q;Damit sein spielend Schein zum angenehmsten blinckt:
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&q;So auch/ wer für der Welt die Fackel des Verstandes
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&q;Einst auffzustecken denckt/ muß durch der Künste Licht/
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&q;Durch die Gelehrsamkeit/ die Flammen seines Brandes/
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&q;Zuvor den klugen Geist wol haben unterricht.
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Die Menge tapffrer Leut hat
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Wenn er sein gut Latein von dem Catheder laß/
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Und streute Reden aus/ gleich Blumen von den Wiesen/
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Wobey er weder Schluß noch Reinlichkeit vergaß.
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Er war nun ausgerüst mit Pallas Helm und Waffen/
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Die Hippocrene floß aus seiner Feder hell’/
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Als ihn die Reitzung hieß nicht mehr zu Hause schlaffen;
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Er suchte frembde Lufft/ und frembder Musen Quell.
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Es gab ihm Phöbus ein die
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Die Linden/ derer Pracht für Palm und Lorbeern geht.
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Wie er kaum angelangt/ hört man die Schwestern schliessen/
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Der Neu-willkommne Gast soll von uns seyn erhöht.
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Die Folge hats gelehrt. Sein rühmlich Wolverhalten
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Und unerschöpffter Fleiß legt ihm bald Gönner zu;
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Von welchen
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Der Hülff-reich sich erwieß/ und schafft ihm süsse Ruh.
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Aurora/ wenn sie blaß noch sonder Rosen blincket/
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Und der begraute Tag sich mehr und mehr vergüldt/
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Auch die besternte Nacht/ wenn sie ins Mittel sincket/
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Hat offtmals beyd’ ertappt in Bücher eingehüllt.
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Wie hoch sich
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Der Künste Förderer/ ja Stütze/ Trost und Heil/
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Anitzo sich erfreut ob
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Bezeigt er anderswo/ und durch mein Blat ein Theil.
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Ist je was seltenes von Schrifften ausgegangen/
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Das Tyber/ Tems und Sen’ ins Teutschland abgeschickt/
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Wie brante
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Biß
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Nun der Möcenas halff durch seiner Bücher Schätze/
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Als
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Der
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Weil er von Kunst und Witz ein reiffes Urtheil hägt:
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Ein Freund der jenigen/ so sich auff Tugend legen/
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Und
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Der Himmel kröne doch sein Hauß mit lauter Seegen/
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Und/ wenn er Lebens-satt/ die Musen seine Bahr!
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“es meldet Griechenland viel von des Herculs Seulen/
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&q;An die
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Biß daß er auf die Höh’ Parnassus können eilen/
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Und nun den argen Neid mit sichern Augen höhnt.
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“so muß der Weinstock auch den Ulmen-Baum umbarmen/
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&q;Jm Fall der schwancke Zweig noch weiter steigen soll/
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&q;Und von der Sonnen Glut zu reiffer Frucht erwarmen:
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&q;So ist dem Nelcken-Strauch/ wenn er gestängelt/ wol.
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&q;Der Mensch/ wie klug er sey/ darff doch der Menschen Rathen/
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&q;Ein jeder Schlüssel schleust nicht jegliches Gemach:
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&q;Wenn man vor Weise hört/ und überlegt die Thaten/
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&q;So folget auch beglückt die edle Würckung nach.
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Wie
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Der Dinge Heimlichkeit und Wechsel zu verstehn/
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Wie er ihm die Natur bekandt hat wollen machen/
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In ihrer Sacristeiverborgnes Zimmer gehn/
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Kan noch der Helikon und dessen Väter sagen:
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Er hat zu erst gelernt/ und darnach selbst gelehrt/
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Der Künste Honigseim anmuthig fürgetragen/
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So daß die Jugend ihn mit lauter Lust gehört.
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Bald ward die Sitten-Lehr/ und bald das Buch der Zeiten/
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Bald die Regirungs-Kunst/ und der verstellte Stat
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Zum theil von ihm erklärt/ zum theil durch kluges Streiten
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Erwogen und durchsucht so manch berühmtes Blat.
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Hiemit hub an sein Ruhm sich in die Höh’ zu schwingen/
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Die Hohe-Schule hieß ihn
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Jhm war es nicht genug: sich weiter noch zu bringen/
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Lag er den Rechten ob/ und buhlt umb Themis Gunst.
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Was des
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Der Rechte grosses Buch von den Gesetzen zeigt/
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Beflammte seine Brust mit einem solchen Feuer/
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Daß sein Gemüthe nur auff ihren Zweck geneigt.
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Jhm stand’ die edle Reyh der alten Rechtsgelehrten/
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Der
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Die Lichter unser Zeit/ so jener Hoheit ehrten/
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Die reitzten
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Und der Gerechtigkeit gantz Diamant’ne Krone
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Warff Blitze/ derer Glantz der Laster Nacht zertrieb.
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Asträa wieß bereit den Purpur ihrem Sohne/
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Und schwur auß Mutter-Treu/ Er wär’ ihr hertzlich lieb:
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Er solte mit der Zeit geweyhter Priester heissen/
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Beträngten schaffen Rath/ und zweiffelnden ihr Recht;
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Der Zänckereyen Garn durch den Verstand zerreissen/
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Und sorgen/ daß niemand wo die Gesetze schwächt.
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Man würde seinen Mund wie ein Orakel ehren/
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Wenn er als Oedipus/ manch Rätzel außgelegt;
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Die Nachwelt eilte schon sein edles Lob zu mehren/
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Wie Rom den
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Was wundern wir uns nun/ daß dieses Prophezeyen
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Der Außgang hat erfüllt/ und
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Wir hören durch die Lufft/
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So/ daß der Lorbeer-
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Und weiter sind bemüht die hurtigen Poeten/
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Zu schreiben seinen Ruhm ins Buch der Ewigkeit.
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Der singt ihm auf der Ley’r/ und jener auf der Flöten/
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Jedwede Gratie steht ihm zu Dienst bereit.
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Und solte
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Die angeborne Lieb’ und Treu’ nicht lassen sehn?
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Wie groß die Freude sey/ ist unschwer zu ermessen/
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Vor vollem Jauchzen muß die Brust sich mehr aufbläh’n.
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Er sagt sich selbsten wahr/ daß/ wie der Themis Hertze/
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Der
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Und
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Zu
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Der Grund-gelährte
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Und
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Man siehet
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Zusamt dem
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Und was vor Seulen mehr Asträens Tempel zieren/
230
So
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Mnemosyne gräbt ein den taurenden Saffyren/
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Zu was vor einem Mann ihn wacker Fleiß gemacht.
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Allein ich werde laß: Ruh Clio/ denn ein Schreiben/
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Das beyde Händ’ erfüllt/ ist selten angenehm.
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Mein eintzig Zweck der muß beym
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Dem dieser werthe Tag zur Frölichkeit bequem.
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Jhr habt/ bejahrter Greiß/ genugsam können mercken/
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Wie seiner Jahre Lauff der Sohn hat hingelegt/
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Und was vor Ehr’ entsprosst auß Kunst und Tugend-Wercken/
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Wie seine Scheitel nun die Sieges-Lorbeern trägt.
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Unfehlbar wird euch jetzt das Blut in Adern quellen/
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Und ener Sinnen-Hauß Ergetzligkeit beziehn.
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Der Himmel hat euch woll’n ein solches Glück zustellen/
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Aus welchem Freud’ und Lust gantz überschwencklich blühn.
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“wie wenig Väter sehn an ihren Kindern Kronen/
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&q; Viel bauen dem Geschlecht ein ewig Schmach-Altar:
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&q;Doch weil die Frömmigkeit der Höchste wil belohnen/
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So machet er den Spruch durch diß Exempel wahr.
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Indessen lebt vergnügt; es muß euch selig preisen
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Die Nachwelt/ ob den Leib die Fäulniß schon verzehrt.
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“denn wenn die Väter sich durch solche Söhne weisen/
252
&q;Wird ihrem dunckeln Grab deß Ruhmes Licht gewährt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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