Auf die Reise Hn. M. G. F

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Heinrich Mühlpfort: Auf die Reise Hn. M. G. F (1686)

1
So fällt ein himmlisch Feu'r/ mein Freund/ auf seine Zunge/
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Gleich da der lichte Blitz um die Apostel schwebt/
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Als ein zertheilter Strahl in ihre Seele drunge/
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Und Krafft von oben ab sie hat auffs neu belebt.
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So wil der Tröster Jhn in seinen Weinberg senden/
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Auff eben diesen Tag/ da er gesendet ist;
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Der Lehrer/ der gelehrt an jeden Ort und Enden/
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Den hört man wie er auch durch seine Lippen list.
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Ruff in der Cantzeley deß Himmels unterschrieben!
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Und Schluß den eintzig nur macht die Dreyfaltigkeit!
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Verwaltung/ die bloß heist der Seelen Wohlfart lieben!
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Und Arbeit welche zu deß Lebens Heil bereit!
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Verwunderns voller Tag! dreymahl-beglückte Stunden!
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Licht/ daß den Anfang macht zu einem grossen Werck!
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Und Außgang/ den gewiß kein Menschen-Witz erfunden;
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Nein/ der alleine kömt von Zions heilgem Berg.
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Ein Mensch ist ohne GOtt mit seinem Dencken nichtig/
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Und einer Harffen gleich/ die falsch und ungestimmt:
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Die Weißheit dieser Welt als wie ein Schatten flüchtig/
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Dem Regenbogen gleich/ der bald sein Ende nimmt.
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Hingegen wenn der Geist deß Herren in uns fähret/
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Und sein lebendig Wort in Hertz und Adern wacht/
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So wird uns neue Krafft und neue Macht gewehret/
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Die unsre Blödigkeit hier noch zu Engeln macht.
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Wer hätt’ es außgedacht/ wer hätte diß geschlossen/
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Daß er/
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Daß er die Mutter-Brust/ die er bißher genossen/
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Und was sonst Breßlau hegt setzt auß der Augen Schein?
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Doch GOttes Stimme rufft ihn zu den nahen Polen/
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Er fol zu Schlitigheim bedienen das Altar/
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Die Hertzen anzuglühn/ Feu'r auß dem Himmel holen.
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Und treulich Tag und Nacht der Heerde nehmen war.
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Wohlan/ er geh getrost und gürte seine Lenden/
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Sein Beystand hüllet ihn in Stern und Flammen ein/
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Und wird dem Hertzen Krafft/ der Zunge Wortesenden/
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Daß Frucht und Nutzen folgt im Wandel der Gemein.
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Er sey Basilius/ wenn ihn Gefahr bedreuet/
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Und ein Ambrosius/ wenn es zum trösten kömmt/
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Ein hurtig Cyprian/ der auch den Tod nicht scheuet/
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Ein Bernhard dem sein Hertz in Jesus Liebe glimmt.
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Er weise seinem Volck/ das ihm ist untergeben/
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Und dessen Seelen sind vertrauet seiner Hand/
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Wie unser Heyland sey/ Weg/ Wahrheit und das Leben/
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Daß der nicht irren kan/ der dieses hat erkant.
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Er sey gletch einem Thau/ der für der Sonnen-Hitze/
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Die welcken Kräuter stärckt mit seinem Perlen-Safft.
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Er sey gleich einem Schwerdt/ das mit beflammtem Blitze
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Die frechen Sünder hin zu der Bestraffung rafft.
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Er lasse seine Stimm als wie Posaunen hören/
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Und weck’ auß Sicherheit die trägen Hertzen auff.
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So halt er fleissig an mit Beten/ Trösten/ Lehren/
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Und fördre/ was er kan/ der Andacht ihren Lauf.
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Er sey ein solcher Artzt/ der böse Schäden brennen
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Und Unbußfertige mit Essig beitzen muß.
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Hingegen wo er auch kan Reu und Leid erkennen/
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Daß er so Wund und Drüß heilt durch deß Oeles Fluß.
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Er theile Manna mit dem Hunger ihrer Seelen
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Und tränck’ auß Jsraels Heil-Quellen Leib und Geist.
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Er steh als Wächter da vor ihren Hütt’ und Hölen/
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Den auch die Müdigkeit nicht einmal schlnmmern heist.
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Diß hoffen wir von ihm; Erwegen wir die Gaben/
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Die Kunst und Wissenschafft/ mit welcher er geziert/
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Mein Freund/ so wird er schon ein sattsam Zeugnuß haben/
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Daß ihn von Jugend auff ein geistlich Trieb gerührt.
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Wenn andrer Eitelkeit in Helicon gegangen/
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Und Blumen die vergehn/ vom Pindus abgemeit;
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Mit Aganippens Quell gestillet ihr Verlangen/
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Und ähnlich sich gemacht den Weisen dieser Zeit:
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So muste Sinai nur sein Parnassus bleiben/
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Und Zion galt vielmehr als Pindus grüne Höh.
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Er forscht’ in GOttes Wort/ ließ andre Künste treiben/
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Die wol vergänglicher als noch der Mertzen-Schnee.
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Aurora hat ihn offt zu Leiptzig früh erblicket/
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Wenn sie ihr Angesicht in Rosen eingehüllt/
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Wie er so eyfrig sich zu seinem Zweck geschicket/
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Und Fleiß und GOttes-furcht gebraucht zu einem Schild.
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Es hat ihn offt der Mond bey Mitternacht erschlichen/
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Wenn er zu Wittenberg noch bey den Büchern saß/
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Und von gefastem Schluß und Arbeit nie gewichen/
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Daß er darüber Speiß und Tranck vielmahl vergaß.
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Wir haben auch gemerckt der Sinnen edle Früchte/
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Wie hurtig er allhier auff Cantzeln sich gezeugt/
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Und von deß Höchsten Gnad und schrecklichem Gerichte/
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Deß Volckes Ohr gelehrt und hartes Hertz gebeugt.
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Mit was vor freyem Muth und vor Beredsamkeiten/
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Er eigentlich den Text und Oeutung hat durchsucht/
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So daß kein Wort umbsonst durfft auß dem Munde gleiten/
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Und seine Lehren nie verstrichen sonder Frucht.
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Ein Baum wächst mit der Zeit/ und nicht an einem Tage
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Streckt sich der Ceder-Baum biß an der Sternen Zelt.
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Und daß ich von der Frucht der Aloe nichts sage/
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Die ihre Seltenheit viel Jahre vorbehält:
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So wird ein Priester auch durch lange Zeit geübet/
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Die Kunst thuts nicht allein/ wenn die Erfahrung kömmt/
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Und Trübsal denn dar zu/ die den Probirstein giebek/
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So siht man wie so hell sein Licht deß Glaubens glimmt.
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Mein werthgeschätzter Freund/ so tritt er voller Freuden
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Den geistlichen Beruff mit Adlers Kräfften an.
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Es wird ihn GOttes Geist mit solcher Weißheit kleiden/
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Daß er sein heilig Ampt getrost verrichten kan.
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Indeffen wie ein Kind der Mutter nicht vergisset/
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Es rufft ihr immer nach und denckt an ihre Gunst;
103
So glaub er/ ob ihn gleich jetzt Breßlau schon vermisset/
104
Daß ihre Mutter-Treu und Liebe nicht umbsonst.
105
So eyfrig kan er nicht bey seinen Polen lehren/
106
Daß nicht ein heiß Gebet vor Breßlau mit ergeht;
107
Wie freudig werden wir die liebe Bothschafft hören/
108
Daß er im Gottes-Hauß wie eine Lenchte steht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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