Glückwunsch an zwey vom Adel auff ihre Reise. Hoch-Edler/

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Heinrich Mühlpfort: Glückwunsch an zwey vom Adel auff ihre Reise. Hoch-Edler/ (1686)

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Deinen Brief hab ich zurecht empfangrnempfangen/
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Es hat das reine Blatt dein reines Hertz entdeckt/
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Wie unser Freundschafft-Licht im finstrem nicht ver-
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Wie dein beflammter Sinn der Liebe Feur erweckt.
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Der einig-liebe Brief war voller Liebligkeiten/
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Man sah die Gratien auff jeder Seiten stehn/
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Der Römer darff nicht mehr mit unsren Deutschen streiten/
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Dein Red-Art zeugte schon daß du ihm vor-solst gehen.
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Nur eines lob’ ich nicht; daß du mich loben wollen;
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Dein Ruhm beschämet mich; ich weiß wie schlecht ich bin;
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Ich hätte freylich mehr auß Pflicht-Schuld leisten sollen/
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Die Kräffte mangeln mir/ doch aber nicht der Sinn.
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Du sihst auß diesem Brieff/ wie ich so alber fchreibe/
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Wie alle Zierlichkeit von meinen Reimen fleucht/
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Weil ich die Poesie nicht mehr so brünstig treibe/
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So spührt man Sonnenklar/ daß Phöbus von mir weicht.
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Ich wolte sonst ein Lied zum Angedencken setzen/
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Und beyder Brüder Ruhm den Sternen machen kund;
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So/ weil die Musen nicht mich wollen mehr ergetzen.
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So nimm das Hertze hin/ nicht den beredten Mund.
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Reiß’ immer wohlbeglückt du Zwey Gestirn im Adel/
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Und ziere deinen Stamm/ dem nichts an Würden gleich/
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Der Ahnen ewig Lob und Leben sonder tadel
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Schlägt alle Mißgunst weg/ und macht den Neider bleich.
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Der Zunder wird dich auch du werthes Paar anzünden/
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Der angebohrne Muth zu Thaten muntern auff/
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Du wirst Gelegenheit zu grossen Dingen finden/
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Je schöner ist der Lohn/ je weiter ist der Lauff/
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Wir können nichts von dir als gute Früchte hoffen/
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Weil sich die Blüthe schon in solcher Anmuth wieß/
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Weil Adel/ Witz und Kunst bey dir zusammen troffen/
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Und die Vollkommenheit sich scheinbar sehen ließ.
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Die Morgenröthe wil den Tag/ der folget/ zeigen/
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Die Wiegen sagen offt den Baur und Fürsten an/
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Wird nur die Jugend nicht nach Ruhm und Ehren steigen/
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So ists im Alter wol umb Würd und Pracht gethan.
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Zu dem so darffstu nicht erst Ehren-Bilder suchen
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Schau Vat- und Vettern an/ und ihren hohen Stand/
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Sie haben schon die Bahn/ die du itzt gehst/ gebrochen/
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Der Degen und der Kiel macht sie der Welt bekand.
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Wo diese beyde sind da thut man Wunder-Sachen/
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Die Feder und der Helm sind Pallas Eigenthum;
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Es muß für unser Heil zu erst der Lands-Knecht wachen/
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Da gibt ein kluger Kopff auch seinem Fechter Ruhm.
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Wohl an du edles Paar/ du wirst im frembden Sande
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Erlernen/ wie der Siaat mit Witz zu führen sey/
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Diß was uns Tacitus gesagt im Vatterlande/
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Das kömmt dort lebendig durch viel Exempel bey.
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Wo dich Argyrope zu ersten wird umfassen/
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So fleust auß Böclers Mund/ was deinen Geist erquickt/
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Wo du das Rhein-Athen dann wieder solst verlassen/
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So führe dich der Fluß ins Niederland beglückt.
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Der alte Vater Reihn/ wird auß dem Schilffe schauen
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Sein rechtes teutsches Blut und Trauben tragen für/
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Ja lauter Freud und Lust auff deine Scheiteln tauen/
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Und dreymal hüpffen auff von deiner Nahmen Zier.
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Die blaue Schelde wil ingleichen dich begrüssen
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Die schwesterliche Maß’ in Hafen lassen ein/
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Doch Unglück! Seuch und Pest/ soll itzt die Ort umschlüssen/
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Wo wirst du edles Paar hinfüro denn nun seyn?
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Du seyst auch wo du wolst; niemahls auß meinem Hertzen/
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Gelehrte Liebe trennt auch nicht die weite See.
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Und wann die Lippen nicht/ so müssen Briefe schertzen/
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Damit die helle Flamm der Freundschafft nicht vergeh/
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Du wirst doch noch einmahl zurück nach Breßlau dencken/
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Wie manche Stunde wir mit Reden zugebracht/
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Du wirst noch einen Gruß dem alten Löchal schencken/
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Den itzt im Fall dir Jehn gar zum Juristen macht.
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Ich klage diß allein/ daß ich nicht kan vollbringen
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Was ich beschlossen hatt’ ein himmlisches Gedicht/
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In dem ich must mit Staub und tausend Acten ringen/
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So sihstu liebstes Paar/ wie mir mein Wunsch gebricht.
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Was wüntsch ich endlich dann/ nichts als nur langes leben/
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Den Eltern und auch dir/ so steht schon alles wohl/
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Du wirst noch Schlesien mit neuem Glantz umbgeben/
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Das werthe Schlesien/ das schier verfallen soll.
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Hoch-Edles Zweygestirn erschein’ uns auch denn wieder/
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Weil unserm Vaterland die Lichter nöthig seyn;
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Dann sprechen in gesambt des Landes treue Glieder/
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Hier gehet Castor auff/ dort Pollux güldner Schein.
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Hiemit hochwerther Freund/ beschließ ich meine Zeilen/
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Doch baut die Liebe dir im Hertzen ein Mausol/
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Zeit und Gelegenheit die hieß mich also eilen/
84
Sey tausendmahl gegrüst/ mein

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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