Auff den 76. Ejusdem

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Heinrich Mühlpfort: Auff den 76. Ejusdem (1686)

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Kuhmwürdigster Regent/ uñ Nestor unsrer Stadt/
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Den GOtt im Alter wil auff Adlers-Flügeln tragen/
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Daß auch die Nach-Welt kan von seinen Wundern sagen/
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Es heist mich Schuld und Pflicht ein ewig Lorber-Blat
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Zu opffern diesem Fest/ weil Breßlau niemals hat
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Dergleichen graues Haupt bey so verlebten Tagen
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Und solcher Jahre Zahl auff seinem Ehren-Wagen
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In Freuden angeblickt
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Alleine Geist und Muth lähmt mein beharrlich krancken/
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Deß Ruhmes Treffligkeit faßt nicht mein schwacher Kiel/
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Und der Verdienste Preiß/ so ich erzehlen wil/
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Schleust auch die Ewigkeit in ihre graue Schrancken.
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Selbst die Verwunderung legt mir Stillschweigen bey/
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Und sagt: Daß dieses auch der Ehrfurcht Abriß sey.

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Wenn jetzt der Sonnen Liecht die gantze Welt durch- fahren/
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Der Erden Schoß erwärmt/ der Berge Haupt erhitzt/
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Durch allgemeines Liecht der Menschen Thun genützt/
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So sieht man/ wie sie sich mit ihren Purpur-Haaren
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Stürtzt in die blaue See: deß Morgenlandes Wahren
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Sind nichts für ihrem Glantz; wie hell der Demant blitzt/
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Wie feurig der Rubin auch seine Funcken spritzt/
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So können sie doch nicht mit ihrer Pracht sich paaren/
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Sie scheint am herrlichsten wenn sie zu Golde geht/
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Und grüst die trübe Welt noch durch der Stralen Blicke.
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O Sonne dieser Stadt/ so ist Er auch erhöht/
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Deß Lebens Abend gläntzt von Tugend/ Ehr und Glücke/
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Seiu Ehren-Purpur wird in reinster Hoheit stralen
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So lange Phöbus wird das Rund der Welt bemahlen.

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Der Phönix/ den man sonst der Sonnen Vogel heist/
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Wenn er von Alter schwach/ von Kräfften abgezehret/
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Und nichts mehr als sein Grab/ den Port der Ruh/ be-
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Sucht/ wo das Morgenland von Würtz und Balsam fleust/
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Jhm Räuchwerck zu der Grufft; der Vögel Volck das preist
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Den Hochbeglückten Tod/ bald wird sein Wunsch gewehret/
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In dem der Sonnen Glut sein gantzes Nest verheeret/
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Und auß der Aschen sich ein junger Phönix weist.
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Gewiß/
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Und Kronen/ so die Treu der Bürgerschafft ihm flicht/
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Er Ehr- und Lebensvoll sich wird zum Grabe neigen/
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Sol doch nicht untergehn das angebohrne Licht/
41
Sein Grab und Asche wird noch dermaleins bekrönen
42
Das

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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