Auff den 75. Ejusdem

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Heinrich Mühlpfort: Auff den 75. Ejusdem (1686)

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Nachdem/ Hoch Edler Herr/ und Nestor unsrer Stadt/
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Sich längst die Ewigkeit mit seinem Ruhm vermählet/
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Deß Alters Ehren-Schnee/ so siebentzig gezehlet/
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Nun auch das fünffte Jahr darzu geleget hat/
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Blüht sein Hoch-Adlich Hauß nicht nur allein in Freuden/
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Der Himmel wil die Stadt mit gleicher Lust bekleiden.
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Der Bürger treuer Wunsch/ der Unterthanen Pflicht/
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So vor den Weyrauch-Kloß die Hertzen selbst gewehret/
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Hat nie nichts eyfriger von GOttes Hand begehret
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Als diesen Namens-Tag/ das hoch-erwünschte Licht;
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Dem gar Aurora sich zu Diensten schöner schmücket/
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Und in ihr göldnes Haar die frischen Rosen drücket.
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Der Lorber-Wald erklingt von einem süssen Thon/
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Die Götter sind bemüht ihr Opffer abzulegen.
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Es heiligt Jupiter des hohen Alters wegen
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Den Eichbaum/ wie er pflegt/ und Phöbus reicht die Kron
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Von seinen Lorbern dar/ Cybele Fichten-Aeste/
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Und Hercules ertheilt die Pappeln solchem Feste.
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Was sol ich aber thun/ Stern der Gerechtigkeit/
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Hochwerthester Patron? Mein Einfalt heist mich schweigen/
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Die tieff-verbundne Schuld sich danckbar zu erzeigen.
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Minerva rufft mir zu: Wie mir vor jener Zeit
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Athen/ des Friedens Bild/ den Oelbaum pflag zu weyhen/
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So wil denselben ich zum Opffer dir verleyhen.
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Wolan! Nun ietzt die Welt mit Krieg zu Rahte geht/
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Und Mars sein Blut-Fahn schwingt/ Bellona durch ihr rasen
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Die liechte Krieges-Glut in Deutschland auffgeblasen;
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Hingegen noch bey uns der Friedens-Oelbaum steht
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In unverwelckter Pracht/ so heist mich
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Die Pallas ihren Baum zu einem Denckmahl setzen.
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Daß güldner Fried und Ruh in unsern Mauren wohnt/
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Recht und Gerechtigkeit einander sich noch küssen/
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Und heilsame Gesetz/ als wie aus Quellen fliessen/
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Daß man die Laster strafft und Tugenden belohnt/
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Und sich gemeines Heil in gutem Wolstand findet/
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Wird durch sein Regiment,
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Es geht an Nutzbarkeit der Oelbaum allen für.
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Es hieß des Höchsten Mund sein Volck auch Oele steuren/
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Das Heilige damit im Tempel anzufeuren.
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Mehr hat der Priester Hand gekrönter Häupter Zier
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Hoch-feyrlich eingesalbt/ und deutlich wollen lehren/
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Daß in Regenten wir des Schöpffers Bildnüß ehren.
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Es mag der Heyden Wahn die Steine salben ein/
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Wir ehren billich die/ so von dem lichten Morgen
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Biß in die tieffe Nacht für aller Wolfahrt sorgen/
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Und ein beflammtes Licht gemeinem Wesen seyn/
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Das mit der Weißheit Oel ersprießlich angefeuchtet/
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Durch dicke Finsternüß der Kummer-Nächte leuchtet.
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Sein hocherfahrner Witz/
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Hat wie des Pharus-Glantz zu Heil und Trost geschienen/
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Und mit getreuem Raht in Nöhten können dienen/
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So daß ihm ietzt mit Recht/ als hoher Tugend Lohn/
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Der Nach-Ruhm Kronen flicht/ und von den Oele-Zweigen
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Den immer grünen Krantz wil umb die Schläffe beugen.
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Was heilet nicht das Oel? es ist kein edler Safft/
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Der mehr Ergetzung gibt den abgeschwächten Gliedern/
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Der die verlohrne Kräfft und Geister kan erwiedern.
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Was Würckung hat es nicht in der Artzney geschafft?
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So daß die Reisenden für rahtsam es befunden/
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Nie sonder Oel zu seyn/ dem Balsam ihrer Wunden.
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Kein Oel ist so gelind als seine Freundligkeit/
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Budorgis Salomon. Die Sanfftmuht im regieren
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Mit schlauem Witz vermischt/ muß nur den Scepter führen
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Sol blühn die Policey. Und wenn bey schwerer Zeit
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Sich irgend hie und da Gebrechen wollen finden/
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Wird sie die Güte mehr als strenger Ernst verbinden.
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Es ließ das Morgenland voll Uppigkeit und Pracht
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Auff ihre Häupter Oel mit vollen Strömen fliessen/
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Der Jugend Rosen-Lentz anmuhtig zu geniessen.
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Weg mit der Eitelkeit. Des Höchsten Wunder-Macht
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Hat nun/
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Mit frischem Seegen-Oel sein graues Haar erquicket.
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Er grünt dem Oelbaum gleich. Wie dessen frisches Blat
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Ein steter Frühling schmückt/ und spielet in den Zweigen/
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So ob die Jahre schon auff hohe Staffeln steigen/
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Blüht doch des Geistes Krafft/ der keinen Abgang hat
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Von seiner Treffligkeit/ und unablässig dencket/
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Wie er das Regiment auff Heil und
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Der Oelbaum/ wie man sagt/ steht in zweyhundert Jahr.
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Den ersten Krantz davon hat Hercules erreichet
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In der Olymper-Spiel. Ob schon diß Ziel nicht gleichet
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Mit unserm Lebens-Lauff/ so ist doch einmal wahr/
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Daß GOtt die sättiget mit einem langen Leben/
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So seinen Willen thun und ihm Gehöre geben.
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Frolockt nicht unsre Stadt/ wenn sein beschneites Haupt
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Sich in der Adler Krafft und Ehren-Lilgen weiset?
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Der muß von Marmel seyn/ der nicht die Vorsicht preiset/
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Der nicht die Centner-Last der schweren Sorgen glaubt/
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So Er dem Atlas gleich höchst-preißbar unterstützet/
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Und wie ein Scipio dem Vaterland genützet.
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Deß Oelbaums Blüte zeigt deß Jahres Fruchtbarkeit/
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Auch/
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Wir wollen ingesamt zu GOtt die Händ erheben/
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Daß unsers Oelbaums Blüt uns blühe lange Zeit/
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Daß sein Hoch-Adlich Stamm in Segen-vollen Zweigen
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Mög als die Cedern hoch/ schön als die Palmen steigen.
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Daß unter ihm die Stadt sey Noh
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Zu dem die Taube fleugt mit Oel und Friedens-Blättern.
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Daß ihre Gräntzen seyn befreyt von Krieges Wettern/
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Daß sie kein Feind erschreck’/ kein Unfall mache bleich/
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Der Kirchen Oelberg auch in Blüht und Wachsthum bleibe/
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Und seine Pflantzen so dem Himmel einverleibe.
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Asträens ewig Ruhm/ des Käisers treuer Raht/
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Hoch-Edler Herr von Götz/ es müssen Rosen sprissen
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Wo hin sein Fuß nur tritt und Oel aus Felsen fliessen
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Zu Preiß dem Namens-Licht.
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Beblick’ uns noch viel Jahr/ und seh’ auch allenthalben/
108
Wie GOtt

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Heinrich Mühlpfort
(16391681)

* 10.07.1639 in Breslau, † 01.07.1681 in Breslau

männlich, geb. Mühlpfort

deutscher und lateinischer Dichter des Barock

(Aus: Wikidata.org)

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