Wenn ich in meinem Zimmer einsam bin

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John Keats: Wenn ich in meinem Zimmer einsam bin Titel entspricht 1. Vers(1815)

1
Wenn ich in meinem Zimmer einsam bin
2
Und häßliche Gedanken mich umdunkeln,
3
Wenn keine Traumlust schmeichelt meinem Sinn,
4
Aus kahlem Leben keine Blüten funkeln,
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Dann, süße Hoffnung, schenke Balsam du,
6
Mit Silberschwingen fächle mich in Ruh.

7
Und wenn ich wandre zu Beginn der Nacht
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Durch Dickichte, die keinen Mondglanz kennen,
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Und wenn Verzagtheit mich bekümmert macht
10
Und gut versteht, von Frohsinn mich zu trennen,
11
Dann lug durchs Laubendach als lichter Stern
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Und halt den Teufel Kleinmut von mir fern.

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Und sollt Verdruß, der Verzweiflung liebt,
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Für sie nach meinem jungen Herzen krallen,
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Die durch die Luft gleich schwarzer Wolke schiebt
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Und immer lauert, auf mich herzufallen,
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Dann, süße Hoffnung, strahle deine Pracht
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Und scheuche ihn, wie Morgen scheucht die Nacht!

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Spricht je das Schicksal jener, die mir nah,
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Zu meinem Herzen von betrübten Sorgen,
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O Hoffnung, heiliges Auge, lächle da,
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Laß deine süßen Tröstungen mich borgen,
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Himmlisches Leuchten, Hoffnung, schenke du,
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Mit Silberschwingen fächle mich in Ruh!

25
Wenn je unglücklich Lieben an mir zehrt
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Zu einer grausam unbarmherzigen Schönen,
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So laß mich denken, daß es doch von Wert,
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Sonette in die Mitternacht zu stöhnen!
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O süße Hoffnung, schenke Balsam du,
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Mit Silberschwingen fächle mich in Ruh!

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Im langen Lauf der Jahre, die da gehn,
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Gib mir, daß unser Land der Ehre diene,
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Und laß mich wieder seine Seele sehn:
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Die Freiheit – nicht nur freiheitliche Miene.
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Besondern Glanz, o Hoffnung, schenke du –
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Und gib mir unter kühlen Schwingen Ruh!

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Die große Freiheit, weiß und ungeschmückt,
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Um deren Reinheit Patrioten sterben,
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Laß mich nicht sehn, wie sie der Purpur drückt
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Und sie sich beugt und bietet dem Verderben;
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Doch laß mich deine Silberschwingen sehn,
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Die glitzernd breit in dunklen Himmeln stehn.

43
Und wie wohl eines Sternes kleines Licht
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Verheißungsvoll in schwarzen Höhen funkelt
45
Und milden Strahls durch finstre Wolken bricht,
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So, süße Hoffnung, wenn mein Sinn umdunkelt
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Von trübem Ahnen, dann erscheine du,
48
Mit Silberschwingen fächle mich in Ruh!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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John Keats
(17951821)

* 31.10.1795 in London, † 23.02.1821 in Rom

männlich, geb. Keats

britischer Dichter und Vertreter der englischen Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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