Liebkeusche Braut der steten Stille du

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John Keats: Liebkeusche Braut der steten Stille du Titel entspricht 1. Vers(1819)

1
Liebkeusche Braut der steten Stille du,
2
Du Pflegekind von Tag und Tag und Schweigen!
3
Welch blumiges Waldgeschichtchen schilderst du –
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Und sagst es süßer als ein Reimereigen?
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Welch blattumrankte Mär umstreicht dein Rund
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Von Göttern oder Menschen oder beiden
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In Tempe oder in Arkadiens Hängen?
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Wer sind sie, die an Mädchenangst sich weiden?
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Was jagt so toll? Was ringt und flieht so bunt?
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Welch Flötenlied? Welch lustberauschtes Drängen?

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Gehörtes Lied ist süß, doch süßer ist
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Ein ungehörtes: sanfte Flöte, weiter!
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O wie du, klanglos, mehr als köstlich bist,
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Du geisterhaft-lautlosen Lieds Begleiter!
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Nie kannst du, Jugend, lassen von dem Sang,
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Wie nie die Bäume hier ihr Laub verlieren;
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Du keck Verliebter, nie, nie kannst du küssen,
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So nah du auch dem Ziel – doch sei nicht bang:
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Nie welkt sie! Wirst du auch entbehren müssen,
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Wird Liebe dich und Schönheit sie stets zieren.

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Glücklicher Baum in ewiger Frühlingszeit,
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Nie sinken deiner Zweige Blätter nieder.
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Glücklicher Sänger, ohne Müdigkeit
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Für immer flötend immer neue Lieder!
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Und Liebe, Liebe, voll von größerem Glück:
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Für immer heiß und der Erfüllung harrend,
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Du immer jagende, du immer junge!
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Wie steht vor dir lebendige Gier zurück,
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Die Herzen satt macht, im Genuß erstarrend,
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Die Hirn erhitzt und dürr versengt die Zunge!

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Und wer sind diese mit dem Priester hier
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Und jener Färse? Welcher Gottheit danken
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Im Grünen sie mit schönstem Opfertier,
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Dem Kränze blühen um die seidnen Flanken?
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Welch kleine Stadt an Fluß, in Bergeshain,
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An Seestrand, Stadt mit Burg zu Wehr und Frieden.
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Steht diesen frommen Tag mit leeren Gassen?
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Du kleine Stadt wirst ewig stumm nun sein,
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Denn keinem wird die Heimkehr je beschieden,
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Dir kundzutun, warum du so verlassen.

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O attische Form, so schön wie nie erschaut,
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Um die sich marmorn Mann und Mädchen ranken,
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Mit vollen Zweigen und zertretnem Kraut,
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Schweigende Form! du rufst in uns Gedanken,
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Wie Ewigkeit es tut: kalt Schäferspiel!
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Sind wir mit unserm Leid dahin, so findest
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Du andres Leid und wirst in Kümmernissen
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Den Menschen trösten, dem du dies verkündest:
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»schönheit ist Wahrheit, Wahr ist Schön!« – Nicht viel,
50
Nur dies weißt du – und brauchst nicht mehr zu wissen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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John Keats
(17951821)

* 31.10.1795 in London, † 23.02.1821 in Rom

männlich, geb. Keats

britischer Dichter und Vertreter der englischen Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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