Das Verlohrne Paradies. Erster Gesang

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John Milton: Das Verlohrne Paradies. Erster Gesang (1760)

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Von dem ersten Vergehn des ungehorsamen Menschen,
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Und dem verderblichen Essen der Frucht des verbo-
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tenen Baumes,
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Welches den Tod auf die Erde gebracht, und alles ihr Elend,
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Mit dem Verluste von
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5die verlohrnen Rechte von neuem erwarb, und von neuem
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Uns den seligen Sitz der Unschuld wieder gewonnen:
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Sing, o himmlische Muse, die auf dem geheimen Gipfel
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Horebs, oder auf Sinais Höhen den Schäfer begeistert,
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Der den erwählten Saamen zuerst gelehrt
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10Himmel und Erde Nach den ersten Worten des er- sten Buchs Mose. N. dem Chaos entsprang; — doch gefällt dir der Hügel
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Sions mehr, und der Bach Siloah Siloah war ein kleiner Bach, der nahe am Tempel Jerusalems vorbey floß. Er wird erwähnt Jes. VIII, 6. Daß Milton also in der That die himmlische Muse anruft, welche den König Da- vid und die Propheten auf dem Berge Sion, und zu Jerusalem begeistert, so wie Mosen auf dem Berge Sinai. N., der nah am Orakel
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Gottes vorbey fließt: so ruf ich von da zu dem kühnen Gesange
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Deine Hülfe herunter, der mit nicht gewöhnlichem Fluge
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Ueber den hohen
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15Und die geheiligte Spur von großen Dingen verfolget,
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Die sonst niemand vor mir in Prosa noch Reimen

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Und du besonders, o Geist
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Der du allen Tempeln ein Herz, das aufrichtig und rein ist,
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Vorziehst; unterrichte du mich, denn du weißt es
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20Gegenwärtig im Anfang, da du die mächtigen Flügel
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Ueber den weiten Abgrund, gleich einer brütenden Taube
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Ausgespreitet, und fruchtbar ihn machtest; — erleuchte was finster
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In mir ist, durch dein Licht, und alles was niedrig ist in mir,
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Das erhebe, das stärke; damit ich die ewige Vorsicht,
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25Nach dem erhabenen Innhalt des großen Gesanges, vertheidge,
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Und die Wege Gottes den Menschen rechtfertigen möge

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Sage zuerst, denn der Himmel hält deinem Blick nichts verborgen,
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Noch der Hölle Tiefen
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Die im glücklichen Zustand, (so hoch vom Himmel beseligt!)
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30Unsere Stammältern trieb, von ihres Schöpfers Befehlen
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Abzuweichen, und seinem Willen entgegen zu handeln,
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Welcher nur Eins verbot, und sonst sie Herren der Welt ließ?

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Sage, wer war es, der sie zuerst von ihrem Gehorsam
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Zu dem schändlichen Aufstand verleitet? — Der Drache der Hölle.
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35Dieser war es, welcher mit List, von Rachsucht und Neide
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Angefeuert, die Mutter des Menschengeschlechtes verführte,
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Als ihn sein Stolz mit dem ganzen Heere rebellischer Engel
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Aus dem Himmel geworfen, durch deren Beystand er glaubte,
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Ueber alle, die neben ihm waren, sich zu erheben;
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40Ja dem Allmächtigen selbst die Wage zu halten, wofern der
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Jhm widerstünde. Voll stolzer Ehrsucht begann er im Himmel
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Wider den Thron und die Herrschaft Gottes vermessene Kriege,
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Und gottlose Schlachten; mit eitlem Bestreben. Jhn stürzte
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Flammend von der ätherischen Bühne die Kraft des Allmächtgen
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45Mit erschrecklichem Fall, und gräßlichem Brande, herunter
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In das bodenlose Verderben. Hier sollte der liegen
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In dem strafenden Feuer, mit demantnen Ketten
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Welcher sich unterstand, den Allmächtgen zum Streite zu fordern.

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Neunmal die Zeit, die den Tag und die Nacht den Sterblichen abmißt,
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50Lag er mit seinem scheußlichen Haufen, überwunden,
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In dem feurigen Schlunde sich wälzend, vom Falle betäubet,
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Obgleich unsterblich. Jedoch zu größern Qualen versparte
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Sein Gericht ihn. Jhn nageten itzt die schwarzen Gedanken
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Seines verlohrnen Glücks, und der immerwährenden Schmerzen.
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55Rund umher wälzt er die giftigen Augen; sie sprachen Verzweiflung
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Tiefe Betrübniß, mit standhaftem Haß, und verhärtetem Stolze
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Untermischt: Und so weit, als die Blicke der Engel nur dringen,
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Uebersieht er auf einmal die wüste traurige Gegend,
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Unermeßlich; ein schrecklicher Kerker, rund um ihn her flammend,
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60Wie ein feuriger Ofen; doch schoß kein Licht von den Flammen,
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Sondern vielmehr eine sichtbare Finsterniß
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Lange Prospekte voll Jammer, und Regionen voll Kummer
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Zu entdecken, und traurige Schatten, in welchen die Ruhe,
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Und der Friede nie wohnt; die nie die Hoffnung besuchet,
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65Die sonst alles besucht; wo nichts als Qualen ohn' Ende
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Unaufhörlich quälen, und eine feurige Sündfluth,
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Die mit immerbrennendem Schwefel, der niemals verzehrt wird,
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Sich unterhält. Und dies war der Ort, den die göttliche Rache
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Diesen Rebellen bereitet, hier wies sie ihnen den Kerker
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70In der äußersten Finsterniß an, und ihr trauriges Erbtheil,
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Dreymal so fern von Gott, und von dem Lichte des Himmels,
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Als von dem äußersten Pole, der Erde Mittelpunkt absteht
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Dieser Ort, o wie war er dem Orte so ungleich, von welchem
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Sie herunter gestürzt! Daselbst erkennet er plötzlich
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75Seines Falles Gefärthen, von Wirbelwinden, und Fluthen
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Stürmenden Feuers, bedeckt. Dicht neben ihm wälzt sich der nächste
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Nach ihm, an Macht, und an Bosheit, den lange nachher
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Unter
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Satan Denn das Wort Satan bedeu- tet im Hebräischen einen Feind. Er ist vorzüglicher weise der Feind; der Haupt- feind Gottes und des Menschen. seitdem deswegen genennet) kehrte sich zu ihm,
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80Und brach so mit vermessenen Worten das gräßliche Schweigen:
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O! wenn du es noch bist; doch ach! wie gefalln, wie verändert,
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Bist du von dem, der sonst in den glücklichen Reichen des Lichtes,
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Mit hellscheinender Klarheit gekleidet, so hell sie auch glänzten,
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Myriaden weit überstralte! — Wofern du noch der bist,
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85Den ein gemeinschaftlich Bündniß, vereinte Gedanken und Thaten,
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Gleiche Hoffnung, und gleiche Gefahr, zum glorreichsten Endzweck
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Ehmals mit mir verbunden, und welchen itzo das Elend
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Mit mir im gleichen Verderben vereint! — du siehest, wie tief wir
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Aus der Höh in den Abgrund gefallen, so sehr hat sein Donner
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90Stärker, als uns, ihn gemacht; allein wer kannte bis hieher
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Dieser greulichen Waffen Gewalt? Doch fürcht ich auch sie nicht,
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Noch wird irgend etwas, womit uns der mächtige Sieger
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Noch in seinem Zorne verfolgt, zur Reu mich bewegen,
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Noch mein standhaft Gemüthe verändern, so sehr ich verändert
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95Nach der äußeren Herrlichkeit bin, noch weniger jemals
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Jenen Unwillen, den die Verachtung meiner Verdienste
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In mir erweckt; der mit dem Allmächtgen zu streiten mich antrieb,
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Und zu dem trutzigen Streit unzählich gewaffnete Geister
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Herzuführen, die Muth genug hatten, sein Reich zu verlassen,
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100Mich ihm vorzuziehn, und auf den Ebnen des Himmels
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In der Schlacht, die so zweifelhaft war, mit Gegengewalt sich
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Jhm entgegen zu stellen, und seinen Thron zu erschüttern.
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Ist gleich das Schlachtfeld verlohren, so ist drum nicht alles verlohren.
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Nicht der unbezwingliche Wille, der Trieb nicht nach Rache.
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105Noch der unsterbliche Haß, und der Muth, sich nie ihm zu beugen,
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Noch im geringsten nachzugeben, und alles was sonst noch
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Nicht überwunden kann werden. Die Ehre wird er von mir nie
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Weder durch Zorn, noch durch Macht, erzwingen! — Mit flehendem Kniefall
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Seine Gnade zu suchen, und dessen Macht zu vergöttern,
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110Der bey dem mächtigen Schrecken, so dieser Arm ihm verursacht,
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Noch so kürzlich gefürchtet, sein wankendes Reich zu behaupten:
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O dies wäre niedrig, in Wahrheit! und eine Schande,
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Eine noch größere Schmach, als dieser gewaltge Herabsturz.
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Da vermöge des Schicksals
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115Nicht vergehn kann; da durch die Erfahrung des wichtigen Ausgangs
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Wir in Waffen nicht schlechter, in Vorsicht stärker geworden;
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O so können wir uns mit beßrer Hoffnung entschließen,
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Einen ewigen Krieg mit unsern mächtigem Feinde
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Künftighin durch Gewalt oder List unversohnlich zu führen;
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120Welcher itzt triumphirt, und übermäßig sich freuet,
122
Daß er die Tyranney in seinem Himmel allein hat.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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