Auf einen unglückseeligen und plötzlichen Todes-Fall eines Studiosi

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Christian Friedrich Hunold: Auf einen unglückseeligen und plötzlichen Todes-Fall eines Studiosi (1701)

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Das dieser Erden Kreiß ein Unbestand der Freuden/
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Ein Sammel-Platz der Qvaal/ ein Hauß der Eitelkeit/
3
Ein Garten schnöder Pracht und kurtzer Sinnen-Weiden/
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Wo Blumen unsrer Lust ein schneller Raub der Zeit/
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Läßt jene Wunder Macht den Menschen offt erschallen;
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Doch muß am schmertzlichsten itzt dieser Donner knallen.

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Das Unglück laurt auf uns/ indem wir kaum gebohren.
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Der Kindheit schont es nicht/ wächst mit den Jahren groß/
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Sein Pfeil hat diesen bald/ bald jenen sich erkohren.
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Jemehr man lebt/ jemehr bricht aller Unfall loß.
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Denn kömmt zuletzt der Todt/ läßt seine Ströhme fliessen/
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Das Ubel dieser Welt durch unsern Sarg zu schliessen.

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Wohl diesem/ welcher sich weiß klüglich abzusterben/
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Sein Grab im Lentzen baut/ statt aller Jugend Lust
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An die Verwesung denckt/ des Leibes sein Verderben/
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Und faßt zur Seelen Heil Gott stündlich in die Brust.
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Kommt denn ein Unglücks-Fall/ so mag die Schale brechen/
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Wenn in der Muschel nur die Perle frey zu sprechen.

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Die Jugend unsrer Lust/ die Anmuth schöner Glieder/
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Der hohen Eltern Trost/ der treuen Freunde Hertz/
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Sinckt jämmerlich durch dich von – – nieder.
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Da du erkalten must blüht deiner Jahre Märtz.
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Trost/ Anmuth/ Hertz und Lust/ hat nun der Todt getroffen/
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Und legt damit ins Grab/ was noch von dir zu hoffen.

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Wie viel Geschicklichkeit dir die Natur gegeben/
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Wie Redligkeit und Treu in deiner Brust gebrandt/
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Wie weit dein Witz und Geist sich durch ein länger Leben
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Gewiß hervor gethan/ weiß der/ so dich gekandt.
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Doch nun erblassest du: zu tieff sind diese Wunden/
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Und werden gantz durch nichts als Gottesfurcht verbunden.

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Hochwohlgebohrnes Hauß/ das grauen Adel zieret/
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Das sein Verdienst erhebt/ das reife Klugheit preißt/
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Im Wappen Ehr und Ruhm/ im Hertzen Tugend führet/
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Das sich bey jeden Fall mit wahrer Großmuth speißt/
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Diß Creutz wird dein Gemüth so zu dem Himmel schicken/
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Daß wir den Helden-Muth des Christenthums erblicken.

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Mehr Worte wollen uns die Thränen nicht erlauben/
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Es schließt ein wehrter Freund zwar plötzlich seinen Lauff/
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Doch sagt der Christen Lehr: ein Augenblick im Glauben/
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Den Gott in uns erweckt/ macht auch den Himmel auf.
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Hochwohlgebohrnes Hauß/ je herber dero Schmertzen/
42
Je mächtiger sey Gott in dero Himmels Hertzen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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