Ihr Musen der betrübten Saale/

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Christian Friedrich Hunold: Ihr Musen der betrübten Saale/ Titel entspricht 1. Vers(1701)

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Ihr Musen der betrübten Saale/
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Die itzt von vielen Thränen schwellt/
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Wie wird euch bey dem starcken Strahle/
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Der euer Saal-
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Ihr müßt in tausend Schmertzen stehen/
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Denn so ein Schlag ist nie gesehehen.

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Weil Fridericiana prauget/
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Die Tochter Preussens Majestät/
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Weil Stryk und Thomas ihr erlanget/
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Was über ihres gleichen geht/
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Weil die berühmten Helden lehren/
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Ist kein so großer Fall zu hören.

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Entfernte/ die sich mit den Schätzen
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Die theils die halbe Welt besetzen/
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Wo sie die Ehre hingebracht/
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Laßt Euch in fernen Landen sagen:
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Der große Stryk ist zu beklagen.

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Der Glocken-Klang macht ein Gethöne/
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Und schlägt dadurch an unsre Brust.
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Die Klagen aller
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Sind die: Hier lieget unsre Lust/
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Der Ruhm/ der diß
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Daß sich sein Glantz unsterblich schauet.

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Ihr/ die ihr euch in Schrifften grabet/
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Und draus den Kern der Rechte zieht/
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Die ihr die besten Bücher habet/
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Ihr/ deren Aug' auf Gründe sieht/
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Laßt es in lauter Thränen rinnen/
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Denn der euch schrieb/ nun von hinnen.

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Ihr Redner/ deren Lippen Quellen/
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Mit güldnen Adern ausgelegt/
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Wo Geist und Anmuth sich gesellen/
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Küßt dieses Grab von Schmertz bewegt:
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Der Mund/ wo Lieblichkeit geflossen/
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Liegt unter diesem Stein geschlossen.

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Ihr Klugen/ die des Fürsten Augen/
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Ihr Reichen/ die der Armen Schatz/
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Ihr Christen/ deren Wercke taugen/
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Betrachtet diesen engen Platz:
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Hier liegt ein Wunder dieser Zeiten/
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Von klugen/ reich und frommen Leuten.

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Die Ceder fällt von unsern Höhen/
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Der Rechtsgelehrten Fürst erblaßt.
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Ists müglich/ daß es kan geschehen/
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Daß unser Mund die Worte faßt:
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Der Vater/ den die Musen haben/
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Der holde Stryk wird nun begraben.

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Was die Natur fast sonder gleichen/
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Die Kunst zum Wunder hat gemacht/
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So weit als ein Verstand kan reichen/
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Hat in dem theuren Stryk gelacht/
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Dem alles war in diesem Leben/
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Die Ewigleit nur nicht gegeben.

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Sprich/ Franckfurth/ Wittenberg und Halle/
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Hat Strykens gleichen je gelehrt?
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Ihr Hochberühmt Gelehrten alle/
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Die ein
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Sprecht/ ob nicht Wissenschafft und Gaben/
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Zur Cron

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Die Ewigkeit nahm eine Feder/
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Die Weißheit ihren holden Mund/
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Die Sonne nahm die güldnen Räder/
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Und machten unsern Stryken kund:
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Hiermit lauf durch das Rund der Erden/
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Du sollst dadurch unsterblich werden.

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Was die gesaget/ ist geschehen/
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Kein Ort ist in gelehrter Welt/
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Wo nicht diß Licht der Welt zu sehen/
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Im Geist und Schrifften aufgestellt.
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Zu diesen ungemeinen Strahlen/
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Will nun der Todt die Schatten mahlen.

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Sein Geist bleibt ewig hochgepriesen/
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Der/ ob des Lebens Kräffte schwach/
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Doch Riesen Stärcke hat erwiesen/
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Sein Muth gab nicht den Jahren nach.
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Man konte bey dem Wunder mercken/
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Daß ihn der Himmel müsse stärcken.

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Der Himmel gab zu großen Dingen
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Der Erden seinen Stryk allein/
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Drum halff er Ihm auch die vollbringen/
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Und da sie nun vollendet seyn/
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So nimmt er Ihn: doch muß der Erden.
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Was irrdisch war/ auch wieder werden.

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Ihr Musen gehet tief im Leide/
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Folgt seiner Leiche willig nach/
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Denckt an die Ehre/ Ruhm und Freude/
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Damit man sonst von Halle sprach:
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Entfernte helfet gleichfals klagen/
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Denn Stryk wird auch von euch getragen.

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Wohin/ ins Grab? Nein/ in die Hertzen.
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In Erde? Rein/ in den Verstand.
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Sein himmlisch Wesen/ seine Kertzen
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Sind nie vom irrdischen entbrandt.
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Drum ist die Grufft/ Ihn einzusencken/
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Hochachtung/ Lieb' und Angedencken.

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Hier wird man Ihn unsterblich schätzen/
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Weil der Gelehrten Welt noch ruht/
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Die
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Hier liegt ein unvergleichlich Gut/
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Von Strykens-Tugend balsamiret
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Das die Verwesung nicht berühret.

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So muß ein Stryk auf ewig leben/
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Wie viel hat Gott dir noch gegeben;
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So lebet auch dein Friederich/
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Der deinen Glantz so hoch erhöhet/
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Daß anderwerts nur Schatten stehet.

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Ihr
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Die mehr als Diamanten seyn.
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Laßt eure scharfen Sinnen eilen/
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Doch haltet mit der Kühnheit ein.
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Was unser großer Stryk gewesen/
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Muß man aus Strykens Schrifften lesen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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