Kommt/ Töchter Salems/ kommt/ und schaut mein Leiden an/

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Christian Friedrich Hunold: Kommt/ Töchter Salems/ kommt/ und schaut mein Leiden an/ Titel entspricht 1. Vers(1701)

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Kommt/ Töchter Salems/ kommt/ und schaut mein Leiden an/
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Und wenn nicht euer Hertz von Eisen/ Stahl und Steinen/
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So seuffzet auch mit mir/ helfft eurer Schwester weinen/
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Weil ihr der Himmel hat im Zorne weh gethan.
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Mich hat des Höchsten Hand im Grimme wund geschlagen/
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Drum kommt und helffet mir den Schmertzen mit beklagen.

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Schaut meines Tempels Pracht/ wie solcher sich verstellt.
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Ich reisse Gold und Schmuck von dem bekrönten Haare:
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Denn selbst mein Heiligthum liegt auf der Todten-Bahre/
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Mein Kirchen-Pfeiler bricht/ mein Bet-Altar zerfällt/
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Man höret itzo nichts in meines Tempels Hallen/
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Als vieler Klagen Hall verdoppelt wiederschallen.

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Mein Halleluja kehrt sich in Eleison/
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Mein frohes Säitenspiel verwandelt sich in Heulen/
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Gebet und Sang muß sich in Ach und Weh zertheilen/
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Auf meinem Chore klingt ein steter Klage-Thon.
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Und wie soll nicht das Leid durch meine Geister dringen/
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Weil ich statt

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Ich lege Boy und Flor nicht nach Gewohnheit an/
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Ich weine nicht zum Staat/ ich klage nicht zum Scheine:
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Denn ein so grosser Fall zerqvetschet Marck und Beine.
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Es ist nun fast um mich und um mein Heil gethan;
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Weil meine Hanna todt/ die durch ihr stetes Beten/
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Bey manchem Unglücks-Sturm ist vor den Riß getreten.

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Und da ich mehr von Ihr zu rühmen willens bin/
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Will mich/ wie Nioben/ der Jammer fast entseelen.
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Der Mund erstarret schon/ ich kan nichts mehr erzehlen/
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Und weis/ als Todte/ nur auf
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Die stummen
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Was ich und was mit mir ein jeder hilfft beklagen:

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Schaut her/ wie um den Sarg nichts als nur
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Die uns ein Zeugniß giebt vom rechten Tugend-Triebe:
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In dessen Circkel ist der Mittel-Punct der Liebe/
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Weil von/ durch und zu ihr die ächte Tugend geht.
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Drum weil die Liebe selbst zum letzten Dienst erkohren/
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So sieht man/ daß mein Land was Liebes hat verlohren.

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Der aber liebet recht/ der
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Die
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Wie jener
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Der von dem Paradieß den schönen Rahmen trägt/
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Als welchem die Natur läßt keine Füsse geben/
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Daß er im Himmel soll/ nicht auf der Erden/ leben.

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Glaub'/ Hoffnung/ Tugend
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Daß unsrer Gräfin Geist/ weil er vom Himmel kommen/
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Nicht leicht was irdisches an sich hat angenommen.
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Und weil ihr Lieben frey von Fremden Feuer war/
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Hat man die Seltenheit um destomehr verehret/
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Da Stand und Schönheit hat derselben Pracht vermehret.

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Ob solcher Liebe Glut nun gleich zum Himmel geht/
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Auch ihrem Jesu nur die Glaubens-Lampe brennet/
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Wird doch das Hertze nicht vom Nechsten abgetrennet/
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Mit welchem es nechst Gott in treuer Liebe steht:
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Denn wer die Liebe nicht mit Menschen weiß zu üben/
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Wie kan der seinen Gott/ den er nicht siehet/ lieben?

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Der Himmels-Liebe kömmt fast Ehe-Liebe bey/
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Indem derselben Glut/ wenn Tugend sie entzündet/
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Auch mit dem Lebens-Licht im Tode nicht verschwindet:
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Denn in der Asche glimmt noch Glut von ihrer Treu.
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Gleichwie der Tod nur kan bey denen Turtel-Tauben
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Das Leben/ aber nicht die treue Liebe/ rauben.

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Selbst Dero Eh-gemahl bezeugt aus treuer Pflicht/
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Daß solche Liebe nie bey ihr hat aufgehöret.
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Biß daß sich durch den Tod das Feuer hat verzehret.
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Er glaubt/ die Glut verlescht auch in dem Grabe nicht:
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Drum weil nach Palmen-Art sie gleiche Liebe hegen/
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Soll man sie auch im Tod in eine Höle

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Der Ehe-Liebe folgt die Mutter-Liebe nach.
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Hier pflegt die Liebe denn mehr ab-als auf-zu steigen/
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Und sich mit gröster Lust den Kindern zuzuneigen/
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Drum flieht sie keine Müh und scheut kein Ungemach/
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Daß sie denselben mög' im Auferziehen nützen/
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Und einer Henne gleich die jungen Küchlein schützen.

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Hier trägt die Gräfin auch mit Ruhm den Preiß davon.
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Wie eine Muschel kan die schönste Perl erzeugen/
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Wenn alle Nahrungs-Krafft sich darff zu einer neigen;
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So war ihr gleichfalls auch der Hochgebohrne Sohn/
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Den sie alleine hat fürtrefflich wohl gepflogen/
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Und durch Gebet und Fleiß so herrlich auferzogen.

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Deßwegen klagt Er auch/ daß seine Zierd und Lust
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Gleich einer Rosen fällt;
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Den die Durchlauchtigste
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Der Kindes-Kinder
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Daß sie nicht weiter soll dergleichen Wartung laben/
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Wovon sie höchst-vergnügt viel Wachsthum würden haben.

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Doch muß die Liebe noch bey Christen weiter gehn/
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Und muß auch ihre Frucht an fremde Leute zahlen/
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Doch nicht den Heyden gleich mit ihren Gaben pralen
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Bey solcher Güte kan kein Mangel nicht entstehn/
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Wenn man aus Liebe gleich/ um andern nur zu nützen/
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Läßt wie ein Pelican/

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Zu Zeugen stehen dar Hof/
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Die sie/ als ein Magnet/
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Und für derselben Heil stets Sorge hat gepflogen/
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Drum stunde Schwartzburg stets im höchst-beglückten Stand/
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Biß daß sein Baum verdorrt/ der Nutzen hat gegeben/
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Und nur noch oben pflegt zu blühen und zu leben.

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Meint aber nicht/ daß hier des Lobes Grentzen sind/
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Und daß/ nachdem man viel von Ihrem Ruhm geprießen/
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Die vielen Tugenden hier ihren Reihen schließen:
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Ach nein! weil man noch viel an ihr zu loben sindt.
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Schaut/ wie viel Tugenden noch hier im Leide stehen/
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Und wie viel Künste selbst mit ihr zu Grabe gehen.

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Es weiß mein Priester-Volck und der Gelehrten Schaar/
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Wie Ihr erlauchter Geist die Schrift wohl kunt ergründen;
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Wie Ihre Klugheit stets hat wissen Rath zu finden;
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Wie Ihre Poesie recht zu bewundern war;
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Wie Kunst und Tugend hier zusammen streiten wollte/
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Wer unter Ihnen doch den Vorzug haben sollte.

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Schaut/ wie viel Strahlen hier von denen Lichtern gehn/
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Damit die Nacht nicht kan den Ehren-Prunck verdunckeln;
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Doch pflegt der Gräfin Nuhm unendlich mehr zu funckeln.
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Und da im grösten Glantz viel Kronen
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So wollen selbige mit klaren Worten sagen:
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Sie sey vielfältig werth/ dergleichen Schmuck zu tragen.

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Wenn alles Silber-Zeug
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Und sich das schwartze Tuch
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So wär es nicht genug Sie würdig zu verehren;
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Wär auch die theure Cron an Steinen noch so schwer/
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Die von dem Sarge pflegt mit Schimmer vorzublicken/
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So wär sie doch zu leicht/ Sie würdigst auszuschmücken.

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Wer so ein Tugend-Bild zu schildern sich bemüht/
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Dem geht es/ gleichwie dem/ der in die Sonne schauet/
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Und dieses göldne Licht zu mahlen sich getrauet/
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Alleine halb-verblendt mit Schimpfs zurücke sieht.
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Drum wie der Sonnen Glantz sich nicht kan bilden lassen/
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So kan der Gräfin Lob auch keine Bildung fassen.

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Wer sonsten von dem Ruhm erhabner Leute singt/
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Pflegt meist aus falschen Thon sein Singen anzufangen/
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Biß er sich endlich hat in solchem übergangen/
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Daß es/ zu Schimpfs und Spott/ verstimmt am Ende klingt;
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Allein so Freund als Feind/ so Lieb als Neid gestehet/
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Daß unser Gräfin Lob weit über alles gehet.

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Es rühmt der Zeiten Ruff längst Ihren Tugend-Pracht;
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Doch dringt die
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Vor welcher Gottheit auch die schwartz-bewölckten Düffte
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Sich haben aufgeklährt/ und ihr den Weg gemacht:
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So lange solche nun wird ächtes Lob erhöhen/
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Wird Dero Nahme nicht durch ihre Hand vergehen.

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Jedoch die Liebe wird Ihr länger dienstbar seyn:
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Wenn Glaub und Hoffnung einst wird in der Welt vergehen/
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Wird Sie die Liebe noch zur Ehr und Lust erhöhen.
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Sie strahlt auch schon durch Ihr mit ungemeinen Schein:
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Sie hat das Lamm geliebt/
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Den Gottes Lamm gestifft/ ein theures Mitglied worden.

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Gott stellet nun mit Ihr des Lammes Hochzeit an.
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Die Liebe kan das Lamm nun in der That genießen/
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Das bloß die Hoffnung hier so freudig hat geprießen:
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Es wird Ihr nun von Ihm auf ewig wohlgethan.
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Allein Ihr Wohlseyn will uns nichts/ als Weh/ gebähren/
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Und Ihr Verlust erpreßt von uns viel tausend Zähren.

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Drum hemmt mein Schwartzburg auch die milden Thränen nicht/
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Weil ihm das theure Reiß von Barby ist entrissen:
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Und weil mit Ihm der Stamm ist gäntzlich umgeschmissen/
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Sieht man wie Barby selbst für Leid sein Wappen bricht:
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Drum können wir mit Recht die Kleider auch zerreissen/
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Und Schwartzburg seinen Schmuck für Wehmuth von sich schmeissen.

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Ach qvillet/ Zähren/ qvillt! ergieß dich/ Thränen-Bach!
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Ob ich gleich schon so viel der Thränen Fluht vergossen/
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Daß fast der Lebens-Geist mit ihnen fortgeflossen/
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Und ich nichts sprechen kan/ als lauter Weh und Ach!
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Ja weil die Kirche nichts für Jammer mehr kan sagen/
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So helfft/ ihr Schulen/ auch den Jammer mit beklagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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