Rom baue Schlösser auf/ und Griechenland Palläste

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Christian Friedrich Hunold: Rom baue Schlösser auf/ und Griechenland Palläste Titel entspricht 1. Vers(1701)

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Rom baue Schlösser auf/ und Griechenland Palläste;
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Da meinen immer hin der Erden hohe Gäste
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Durch des
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Vor allen diesen Preißt die Tugend Wanders leben/
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Und rufft: hier siehet man die Wohnung dieser Welt.
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Hier kehren Fürsten ein/ und müssen Abschied geben/
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Hier baut sich Troja auf/ und wird auch hingefällt.
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Du Wanders leben bleibst ein Bild der Städt' und Leute:
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Diß wandert morgen ab/ und jenes reis't noch heute.

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Schrieb jene kluge Faust zu Mosen in der Wüsten:
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Sie wandern/ aber doch unsicher allzumahl:
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So schreiben wirs zur Welt/ zum Labyrinth in Lüsten/
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Die wüst' an Glück und Wohl/ und reich an Angst und Qvaal.
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Die höchste Tugend ist ein Pilgerim auf Erden/
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Sie findet hier nicht statt/ und wandert wieder fort/
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Denn ihr bewehrter Sitz muß nur im Himmel werden.
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Drum unglückseeliges/ doch allzu wahres Wort:
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Ein Graf der Lebens wehrt und rühmlich war vor andern/
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Muß aus der Herberge der Welt auch wieder wandern!

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Wie auf den Erden Ball die Sonnen Strahlen kommen/
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So kamst du theurer Graf/ zum Heil auf diese Welt/
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Von herrlicher Geburt und Tugend hoch entglommen/
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Zum
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Dein Huld- und Weißheits-Strahl führt alle die zum Hafen/
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Die Ehr-Furcht/ Lieb und Treu dir unterthan gemacht.
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Wenn hier im Wander-Thal uns Sturm und Unglück trafen/
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So hast du uns gar offt in Ruh und Schutz gebracht.
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Bey allen Wegen hat uns so ein Herr vertreten/
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In dem ein Hertz/ worum Gott Salomon gebeten.

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Wie Bienen trugest du aus Blumen fremder Erden
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Durch deine Reisen dir der Klugheit Honig ein.
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Wie
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Durch hören/ thun und sehn/ wie andre Herren seyn.
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Du kamst vortrefflicher/ so wie des Mondes-Strahlen
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Im vollem Glantz zurück. Dein Einfluß hat erqvickt.
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Dein Licht wolt' aus der Fern das Land mit Huld bemahlen/
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Dein Schimmer hat dir Ruhm/ uns Leben zugeschickt.
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Die Tugend sahen wir in deiner Weißheit prangen:
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Biß deiner Sonnen-Gold zum Westen ist gegangen.

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Ihr Bürger dieser Welt/ die hier im Unglück schweben/
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Bedencket und beweint die allgemeine Pein:
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Von Wanders-leben geht der Weg nach Grabes-leben/
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Da senckt man Kleinen gleich auch große Herren ein.
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Doch geht die Sonne weg/ so kommen tausend Sternen/
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Nebst einem silber Mond ans hohe Firmament.
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So kan man einen Trost im Creutze fassen lernen/
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Wer unsre Gräfin recht und junge Herrschafft kennt.
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Es rief der Graf uns zu/ indem er wolt erblassen:
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Ich wandre/ doch zum Heil will ich euch diese lassen.

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Ja seine Tugenden/ die zwar nicht wohl zu zehlen/
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Doch fortgepflantzet sind/ beweisen hell und klar/
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Wenn sonst die Meinung falsch von Wanderung der Seelen/
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Daß sie dennoch zum Ruhm in unsrer Herrschafft wahr.
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Und wie ein Wanders-Mann/ zwar aus dem Gast-hoff gehet/
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Doch seinen Nahmen offt darein geschrieben läßt.
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So gehst du aus der Welt/ wo noch dein Nahme stehet/
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Und wo dein hoher Ruhm stets Diamanten fest.
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So kan sich deine Seel in Zions Wunder-Auen/
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Wir aber dich annoch auf Erden lebend schauen.

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Nun hoch-gebohrnes Hauß/ ihr tief gebeugten Hertzen/
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Es kehre Gottes Krafft bey euch von oben ein/
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Es komm ein Freuden-Tag auf diese Nacht der Schmertzen;
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Es müsse Crottorfs Schloß des Seegens Wohnung seyn.
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Der holden Gräfin Glantz/ ihr Klug und Weißheits Schimmer/
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Der theuren Herrschaffts Strahl beleuchten diß Revier.
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Herr zeig uns deinen Weg/ dein Licht verlaß uns nimmer/
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Beschütze du diß Land/ daß aus Egypten wir/
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Daß Wanders-leben kan vom Elend frey nebst andern
69
Biß letzt an Canaan beschirmt und ruhig wandern.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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