Wenn von Bergen nichts als Blitz und Strahlen schiessen/

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Christian Friedrich Hunold: Wenn von Bergen nichts als Blitz und Strahlen schiessen/ Titel entspricht 1. Vers(1701)

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Wenn von Bergen nichts als Blitz und Strahlen schiessen/
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Wenn oben her auf uns der Grimm der Wolcken knalt/
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Wenn Thiere sich zum Schutz in Thäler drauf verschliessen/
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Was Wunders/ sucht der Mensch auch gleichen Auffenthalt.
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Auff Höhen steigt man nicht/ wenn Unglücks-Pfeile spielen;
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Die Berge decken offt Verfolgte/ wie ein Schild;
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Die Hertzen seufzen tief/ die tiefe Wunden fühlen/
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Und Wasser kühlet mehr/ das in den Thälern qvillt.
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So suchten wir das Thal/ das Hohe
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Und dachten an die Noth/ die hier die Herrschafft drücket.

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Wir saßen nah an dem/ wo
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Und unser Seuffzen war: Uhraltes Helden-Hauß/
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Du hast dem großen
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Zwar starb dein hoher Stamm/ jedoch dein Ruhm nicht aus.
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Zum Preiß der Tapfferkeit bist du an Hatsfeld
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Der/ weil er dich verdient/ mehr als ein Erbherr war.
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Durch sein Geschlecht hat noch dein Glantz nicht abgenommen/
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Der Strohm davon ist rein/ so/ wie die Ovelle klar.
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Und Hatsfelds hohes Blut erweist in allen Dingen/
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Wie Erb- und Tugend-Recht der Herrschafft Würde bringen.

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Wie aber/ großes Hauß/ das Ehr und Tugend zieret/
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Geht unsre Wohlfahrt denn bey deiner Klarheit ein?
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Muß wenn Unsterblichkeit dich an die Sternen führet/
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In deinen Landen hier das Glücke sterblich seyn?
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Die Rücken bluten noch/ die Nordens-Last getragen/
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Und neue folgen drauff; die Aertzte helffen nicht/
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Und wollen Galtz dazu in offne Wunden schlagen.
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Ach scheine wiederum du höchst gewünschtes Licht/
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Daß unsre Herrschafft bald in unsern Gräntzen lache/
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Und Freuden-Thal so neu an Huld und Freuden mache.

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Die Seuffzer ließ das Land durch uns ins ferne schicken/
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Und hoffte/ weil doch nie der Himmel ewig blitzt/
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Einst wieder auf die Nacht
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Den Atlas bald zu sehn/ der ihre Wohlfahrt stützt.
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Wie Spreu an Diamant/ wie der Magnet nach Norden/
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Wie offt bey schlimmer Zeit betrübter Römer Sinn
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Nach einem Titus ist gebückt gezogen worden:
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So offt und mehrmahls noch gieng aller Wunsch dahin/
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Den gütigen
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Die kluge

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Wie Himmel/ kommen sie? Ach welche Post erschallet!
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Welch Mord-Geschrey ist das? der liebe Graf ist todt!
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Ists möglich/ das noch Blut in unsern Adern wallet?
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Erstarret nicht die Hand/ erstickt uns nicht die Noth?
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Der liebe Graf ist hin! der gütge Herr erblasset!
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Leutseelig von Gemüth/ erlaucht von Wissenschafft.
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Der unser Wohl geliebt/ wie unsre Noth gehasset/
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Der
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Kurtz: unser Vater stirbt/ wir Kinder müssen leben/
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Und bey so vieler Ovaal im Wäysen Elend schweben.

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Laß/ Hochgebohrne Frau/ in Gnaden dir gefallen/
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Daß bey dem großem Creutz/ so deine Seele rührt/
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Erst Knechte von Verlust des theuren Herren lallen;
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Die Ordnung wird nicht stets bey bittrem Sechmertz geführt.
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Wir wissen/ und die Welt muß noch in Marmor ätzen/
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Daß Eure Liebe starck wie Palmen Liebe war/
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Daß Ulmen sich so sehr an Reben nicht ergetzen/
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Als Euer Perlen Schmuck der Liebe/ Lust gebahr.
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Ihr waret Sonn und Mond/ dabey die Worte stunden:
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Aus beyder Einfluß hat das Land sein Heyl gefunden.

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Nun reißt die Helsste Gott anitzt von deinem Hertzen?
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Dein' Augen-Lust ist hin! dein Graf und Herr erblicht!
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Was
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Nach des Gemahls Verlust in ihrer Brust erreicht/
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Die haben auch dein Hertz/ Hochtraurende/ bestritten/
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Und deine güldne Treu wird durch die Glut bewährt.
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Wenn jener Vater hat zu großes Leid erlitten/
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Und drum ein schwartzes Tuch vor sein Gesicht begehrt:
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So nahm auch dein Gesicht vor allzu vielen Jammer/
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Der Thränen Decke vor/ und weint in einer Kammer.

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Erbärmlichs Freuden-Thal! von Jammer schwangre Wiesen!
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Ihr Blätter/ die die Furcht an Bäumen zitternd macht!
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Ihr Auen/die die Fluth der Thränen soll befliessen/
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Ihr Kräuter/ die itzt Gifft vor Artzeney gebracht!
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Verhüllet euren Schmuck/ legt eure Kräntze nieder/
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Der May stell anderwerts sich mit Bezaubrung ein.
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In unser Hertz und Land kehrt itzt der Winter wieder.
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Die schönste Zeit des Jahrs muß uns die schlimste seyn/
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Drum gehe Freuden-Thal berühmt von deinen Freuden.
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Und frage/ was du wirst hinführo müssen leiden?

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Ein Leiden/ ohne Zahl! O Wechsel aller Sachen!
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Fünf hundert Jahre sind/ da man dich hat erbaut/
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Da Treu und Liebe dich zum steten Zeugen machen/
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Daß Ludewig sein Hertz da wieder angeschaut.
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Vor Freuden wurdest du ein Freuden-Thal genennet.
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Und ietzo bist du noch der Gräfin Cammer Guth.
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Ach aber weist du nicht/ wer sich von Ihr getrennet?
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Aus Cammer/ Hoff und Arm/ die treue Liebes Glut.
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Drum heiße Thränen-Thal. Ihr Hertz wird nun vermieden/
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Und Graf und Gräfin sind höchst-schmertzlich hier geschieden.

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Wenn von den Bergen wir nun dieses Thal erblicken:
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So komt uns Grauen/ Angst und bittres Klagen an.
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Doch wenn wir unten auf das Aug' ins Hohe schicken:
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So deucht uns/ sehen wir die Wort am Himmels-Plan:
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Armseelge/ die im Thal des vollen Unglücks schweben/
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In tieffster Traurigkeit/ betrübt von Gott und Welt/
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Nehmt dieses noch zum Trost: Gott und die Gräfin leben/
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Die als Elisabeth
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Zwar last euch Traurens-voll bey diesen Sturm und Winden/
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Doch unter unserm Schirm nicht in Verzweiflung finden.

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Wir wolten auch den Trost/ vor unsre Gräfin wissen/
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Schweigt/ sprach der Himmel drauf/ es krönt ihr edles Blut/
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Das einen Chur-Fürst kan als Anverwandten grüssen/
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In diesem Creutze sich mit Himmel gleichen Muth.
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Die Sara von Gedult/ und Hanna in dem Beten/
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Abigail im Geist/ und Ruth an Tugend ist/
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Braucht nicht/ daß niedrige beym Himmel vertreten/
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Mit Gottgelassenheit ist Sie schon ausgerüst.
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Sie wird des Grafens Heyl aus Liebe nicht beneiden/
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Er flieht das Trauer-Thal/ und komt ins Schloß der Freuden.

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Gedult und Hoffnung hieß hier unsre Thränen stillen.
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Nun Hochgebohrnes Hauß/ der Himmel wolle dich
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Mit grauer Ewigkeit an Ruhm und Flohr erfüllen.
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In deinen Tugend Strohm ergieß das Glücke sich.
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Und wie dein Christen Muth dein schweres Creutz bezwinget/
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So müssest du hinfort an hohen Wohlseyn blühn.
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Weil aber uns ein Thal des Elends noch umringet/
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So laß auf uns das Heyl von deinen Bergen ziehn/
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Und Wasser/ so dir Gott einst läst zum Trost geniessen/
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Zu der Erqvickung auch auf trockne Thäler fliessen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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