Vergnügte Gedancken über den Gebuhrts-Tag seines Herrn Vaters

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Christian Friedrich Hunold: Vergnügte Gedancken über den Gebuhrts-Tag seines Herrn Vaters (1701)

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In dem wir bey der Last der schweren Krieges-Zeiten/
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Annoch beglücket sind/ daß unser Saal-
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Die süße Ruhe krönt/ und wir den Fröhligkeiten
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Nach aller Arbeit auch vermögen nach zugehn:
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So will ich diesen Tag zur grösten Freude weihen/
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Denn heute muß mein Glück gedoppelt schön gedeihen.

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Herr Vater/ dessen Gunst ich als ein Sohn muß ehren/
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Der durch des Himmels-Huld den besten Vater hat/
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Ich hoff/ er werde mir nicht mein Vergnügen wehren/
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Er gebe meiner Lust in Halle heute statt.
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Denn/ daß ich mich allhier kan untern
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Läst eben Gott durch ihn und durch sein Wohl geschehen.

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Itzt scheinet ihm ein Fest/ das/ wie es ihm das Leben/
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Und biß auf diesen Tag Glück und Gesundheit giebt
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Mir auch das Leben hat und alles Heil gegeben/
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Das meine Seele so/ als wie sein Leben liebt.
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Die Sonne muß der Welt zu ihrem Lichte dienen/
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So macht sein Lebens-licht/ daß mir der Tag geschienen.

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Den Blumen geht es wohl/ weil sie der Gärtner wartet/
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Die Zweige wachsen schön/ dieweil er Baum noch grünt.
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So blühet auch ein Sohn/ der nach dem Vater artet
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Dem seiner Eltern Bild zum steten Muster dient/
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Dem ihre Gütigkeit/ die immer auf ihn dencket/
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Durch edles Auferziehn das andre Leben schencket.

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Kunst/ Klugheit/ Tugenden/ Gelehrsamkeit und Waffen/
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Gehn über die Gebuhrt/ und biß zum Sternen-Dach.
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Kan ich mir was davon durch muntern Fleiß verschaffen/
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So leb ich dem Befehl des theuren Vaters nach.
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Von allen/ was ich nur allhier kan gutes fassen/
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Ist ihm/ nechst Gott der Ruhm/ Herr Vater bloß gelassen.

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Drum soll mein Hertze nichts Vergnügen sprechen.
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Es kehrt die Freudigkeit gedoppelt bey mir ein.
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Kein Unmuht soll bey mir die Sinnen brechen/
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Und dieser Tag ein Tag von lauter Wonne seyn/
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Denn diesem geht es wohl der mir zur Lust erkohren/
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Durch den mein Glück und Heil anheute neu gebohren.

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Doch meine Freude ruht am meisten im Gemühte/
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Und ist mehr Tugendhafft als frey und Welt gesinnt.
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Ich preise die an mir erwiesne Vater-Güte/
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Womit mich Gott durch ihn Herr Vater lieb gewinnt/
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Es soll ein treuer Wunsch von lauter Seegens-Küßen/
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Die Wehrteste – – nebst ihm zu gleich begrüßen.

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Es müsse dieses Fest noch funfzig mahl erscheinen.
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Die Jahre mehren sich/ wie dero Wohlergehn/
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Wird sich des Himmels Ja mit meinem Wunsch vereinen/
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So wird mein Glück und Wohl auf festem Fuße stehn.
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Der Himmel schencke nur ihm noch ein langes Leben/
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Das übrige wird mir treuer Vater geben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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