Tugend-Liebe

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Friedrich Hunold: Tugend-Liebe (1701)

1
Die Schönheit ist ein Feind der frey und reinen Brust/
2
Die Liebe/ die sie pflantzt/ ein Feind der Ruh und Lust.
3
Doch diese Feinde kan die Kranckheit überwinden/
4
Die Tugend aber nicht/ in der wir Ruhe finden.

5
Drum liebt ein edler Geist zwar einen schönen Leib/
6
Jedoch entflammt ihn mehr ein Engel-gleiches Weib/
7
Und will in der Natur er die Natur besprechen/
8
Muß ihm der Tugend-Hand der Schönheit Rosen brechen.

9
Der Himmel schlichtete den sonderbahren Streit/
10
Und sprach: der Tugend nur bleibt die Vortrefflichkeit.
11
Doch zancket nicht darum/ vereinigt euch zusammen:
12
Der Menschen-Liebe muß durch euch vollkommen flammen.

13
Er rief: was ich gesagt/ sey itzo Sonnen-klar/
14
Und suchte gleich darauf ein ihm beliebtes Paar.
15
Dem gab er sie/ und sprach: den süßen Brand zu heilen/
16
Solt ihr euch beyde nun in diese viere theilen.

17
Ich nehme sprach die Braut/ die Tugend in mein Hertz:
18
Sie ist der Seelen-Schatz/ der Engel Lust und Schertz;
19
Die Schönheit an den Leib. Wer will die Liebe haben?
20
Die beyden ersten sind bey mir des Himmels-Gaben.

21
So kom mein Edler Wolff/ nim beydes Lieben an.
22
Ich find an deinem Thun/ was mich entzücken kan:
23
Gelehrsamkeit/ Verstand/ die Anmuht in Geberden:
24
Wo durch ich schätzbar kan vor vielen Weibern werden.

25
Die erste Liebe soll nach meiner Tugend gehn;
26
Du wirst dem Glück dadurch unüberwindlich sehn.
27
Die Tugend ist ein Schmuck an Frauen hochzuschätzen/
28
Ein Atlas in dem Creutz/ ein Leitstern im Ergetzen.

29
Der Schönheit Liebe nimmt dein Hertz in die Gewalt/
30
Und giebt der Augen Lust beliebten Aufenthalt.
31
Sie soll die Dienerin von iener Liebe bleiben:
32
In Tugend die Natur vergnügen und vertreiben.

33
Die ungemeine Braut sprach so viel schönes aus.
34
Denn zog der Bräutigam in ihrer Tugend-Haus/
35
Und hat der liebe Geist/ den ihre Schönheit rühret/
36
In ihre keusche Brust durch Priesters-Hand geführet.

37
Drauf kam er Seegens-Mund und Schloß die kluge That:
38
Verliebt/ doch keusches Paar/ das nebst der Tugend hat
39
In Schönheit sich verliebt/ du wirst in kurtzen schauen/
40
Wie durch sein schön Geschöpff Gott will Geschöpffe bauen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.