2
Auf ihren großen Stryk/ ihr Geist auf seine Schrifften/
3
Ihr Hertz gen Himmel sieht/ und da den Weyrauch streut/
4
Daß Gott ein ewig Hauß den Seinen möge stifften/
5
Betrachteten den Stand/ in dem sein theurer Sohn
6
Viel kluge Kinder zeugt/ doch keine Leibes Erben/
7
Und klagten: Trägt der Preiß Gelehrter diß davon/
8
Zu leben nur in uns/ und selbst in sich zu sterben!
10
Noch mehr/ wenn unser Stryk in Büchern gleich gebauet/
11
Was die gelehrte Welt nie satt erlernen kan/
12
Die auch im Tod auf Ihn/ als ihr
13
So sind wir doch betrübt/ wenn sein Gedächtniß nicht/
14
Die Seele/ welche nur wird ihres gleichen zeugen/
15
Vermittelst durch den Sohn in weitre Zweige bricht/
16
Und Stryken aus der Krafft der Stryken wieder steigen.
17
Die Tugend/ welche zwar den Musen anverwandt/
18
Doch immer auf den Geist/ der ewig lebet/ siehet/
19
Allein des Leibes-Lust/ der Liebe süssen Brand/
20
Als ein gefährlich Meer entflammter Seelen fliehet/
22
Daß Stryk nicht fort gepflantzt. Wer vor Glückseligkeiten/
23
Damit der große Mann euch und die Nachwelt speißt/
24
Statt danckens sich beklagt/ hat Tugend nicht zur Seiten.
25
Was wolt ihr mehr von Ihm? mehr Erben sprechet ihr;
26
Und derer sind so viel/ als würdig ihn gehöret.
27
Stellt seine Bücher euch als lauter Kinder für/
28
Die einst die Nachwelt noch vor ihre Väter ehret.
29
Daß durch die Barbarey/ daß durch der Feinde Wuht
30
Nach der Verheerung auch
31
Daß Griechen-Land nach Mord und viel vergoßnem Blut
32
Noch als ein freyer Marckt der Künste vor uns schwebet;
35
Mit denen hätt' ihr Feind/ wie mit der Stadt gespielt/
36
Und ihre Väter auch in Staub und Tod gerissen.
37
So aber leben sie durch ihres Geistes Krafft;
38
In Büchern die umsonst die Barbarey bestritten.
39
Wer glaubet/ daß ein Weib die Ewigkeit verschafft/
40
Der hat den rechten Sporn der Tugend nicht gelitten.
41
In Schrifften lebt mein Stryk/ und in dem theuren Sohn.
42
Sein theurer Sohn durch ihn/ und in gelehrten Leuten.
43
Wenn die die Zeit begräbt/ so wird man
44
So wird man selbst der Welt ein Grabmahl zubereiten.
45
Herr Hoffrath Stryck vernahm den Streit von bey den wohl.
46
Sein Eyfer brand in Ihm/ den Büchern obzuliegen.
47
Mit seinem Nahmen gieng sein Hertz zum Sternen Pol/
48
Nichts aber schien Ihn mehr auf Erden zu vergnügen.
49
Darum so siel er auch der strengen Tugend bey/
50
Und suchte zwar durch sich des Vaters Aehnlichkeiten/
51
So wie die Trauben dort des
52
Doch nicht durch eine Frau lebhafftig auszubreiten.
54
Auf aller Musen Wunsch von diesem Schluß zu lencken.
55
Er nahm sie willig auf/ nur
56
Ihr bitten war umsonst/ ihr einen Blick zu schencken.
58
Ein Hochberühmter Sohn des Vaters Ehren Wagen
59
In unverdroßnen Fleiß biß zu der Sternen-Bahn
60
Durch Tyger-schnellen Lauf will folgen und erjagen/
61
So deucht uns/ es besteht nicht die Unsterblichkeit
62
In dem/ daß vor der Zeit ich dieser Welt absterbe;
63
Zu treiben allzusehr/ was mir den Geist zerstreut;
64
Hingegen nicht zu thun/ wodurch ich Krafft erwerbe.
65
Das ist/ Hochwehrter Stryk/ du liebst die Ruhe nicht/
66
Die auf die Arbeits-Last kan Stärckungs Balsam geben/
67
Die der gelehrten Welt so viele Krafft verspricht/
68
So viel ein schwacher kriegt von wahren Nectar-Reben.
69
Wer ohne Wissenschafft zwar immer müßig ist/
70
Hat sich und seinen Ruhm schon lebend eingegraben;
71
Doch wen die Arbeit offt/ die Ruhe selten grüßt/
72
Bey dem will Leib und Geist bald ein Begräbniß haben.
73
Viermahl verändert sich in einem Jahr die Zeit;
74
Und ein Gelehrter muß im Sommer seiner Strahlen
75
Zuweilen sein Gemüth in reiner Freudigkeit/
77
Will der nun eingesperrt/ und eingekerckert seyn/
78
Der gleichwohl sich zum Ruhm so weit gereißt gewesen?
79
Weiß zur Veränderung mein Stryk denn gantz allein
80
In Teutschland keinen Ort/ der trefflich auszulesen?
82
Das auch der theure Mann vor andern hat erwehlet.
84
Ach/ daß Ihn wiederum der Liebe Macht beseelet!
85
Ja/ gab die Liebe drauf/ es wird des Himmels-Hand
86
Durch mich die keusche Glut/ der Reinsten Ihr empfinden/
87
Der ersten Menschen Trieb/ des Paradieses Brand
88
In kurtzen wiederum in seiner Brust entzünden.
89
Nach Hamburg geht mein Stryk/ und da ist schon erkiest/
90
Was sein Gemüthe wird/ wie seine Sinnen rühren/
91
Und/ wenn sein Augenstrahl nun solches in sich schließt/
92
Der reinen Liebe Werth Ihm dann zu Hertzen führen.
93
Die Uffelmannin ist mehr Tugendhafft als schön/
94
Und schön/ als ob Sie nur an Schönheit hoch zu schätzen.
95
Durch diese soll sein Geist bald überzeugt gestehn:
96
Daß holde Frauen auch Gelehrter Krafft ersetzen;
97
Daß ehe man die Burg der Ewigkeit ersteigt/
98
Uns frische Geister offt am Wege stärcken müssen;
99
Und mancher Weise sich so störrisch nicht erzeigt/
100
Wenn manchmahl sein Geblüt sich können so versüssen;
101
Daß/ wenn man durch den Kiel gleich fortgepflantzet wird/
102
Ein süsser Trost doch sey/ wenn wir durch edle Frauen
103
Der Seelen Wanderung/ wovon
104
In ächten Kindern auch zugleich behauptet schauen.
105
Da nun Herr Hoffrath Stryk die Hammons-Burg er blickt
107
Ihm seinen Geist gerührt/ sein Hertze so entzückt/
108
Als ob Er bloß aus Ihr sein Leben müsse saugen.
109
Die Tugend/ die sich erst der Liebe wiedersetzt/
110
Rief: Unvergleichliche/ dir gönn' ich das Vergnügen.
111
Bestricke meinen Stryk; wer saget wohl zuletzt:
112
Ob Schönheit/ oder ich in dir am meisten siegen?
113
Die Ehe/ welche nur der Sternen Rath beschließt/
114
Durch deren Schluß diß Paar einander ist gewogen/
115
Durch die in ihr Gemüth ein gleiches Wollen fließt/
116
Ward in erwünschtem Glück und höchster Lust vollzogen.
117
In aller Musen Brust entstund ein Jubel-Fest/
118
Der Himmel wünschten sie/ schenck Euch so vielen Seegen/
119
Euch letze/ trefflichs Paar/ so offt ein Anmuths-West/
120
Als Seufzer sich in uns vor unsre Stryken regen;
121
Du großer Stryk vor dich/ Gott möge lange Zeit
122
Dir Krafft zu unserm Heil/ dem Sohn die Gnad erzeigen/
123
Daß sich dein Saame noch so vieler Erben freut/
124
Als kluge Kinder dir aus deiner Stirne steigen.