1
Wein Jesus werde gar in meine Brust gemahlt!
2
O Glaube/ reiß Ihr ab/ so wie er hier getroffen.
3
Wie Er die Sünde trägt/ wie Er vor mich bezahlt:
4
In Jesu Wunden steht der gantze Himmel offen.
5
Er hat sein Creutz im Arm. O ungemeine Huld!
6
O Liebe/ die uns kan den bittern Tod versüssen!
7
Ach! Jesus Lieb' umarmt so fest der Menschen-Schuld/
8
Als wär' es seine Lust am Creutze sterben müssen!
9
Er legt es an das Hertz/ und zeigt beweglich an/
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Wie lieb Er uns gehabt/ wie unser Heil und Leben
11
Ihm an den Hertzen liegt; wie es Ihm Weh gethan/
12
Daß wir im schweren Zorn auf ewig solten schweben.
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Er stehet nackend da. Die Unschuld braucht kein Kleid.
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Die Demuth Christi büßt/ was unser Stoltz verdienet.
15
Daß uns die Sünde band/ war unserm Jesu leid/
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Er trug die Banden selbst/ daß unsre Freyheit grünet.
17
Den Schwamm hält seine Hand/ mit Eßig angefüllt.
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Welch Labsal vor ein Hertz/ das mit dem Tode ringet!
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Wie bitter ist sein Kelch/ woraus das Leben qvillt/
20
Das uns sein Kelch nunmehr in seinem Blute bringet!
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Der Rohr-Stab steht am Creutz. O schlag' an deine Brust!
22
Um deinetwegen wird dein Jesus wund geschlagen.
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Man geisselt seinen Leib um unsre böse Lust/
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Wir sollen sein Verdienst/ er will die Schmertzen tragen.
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O welch Erbarmen ists! bist du von Marmor-Stein/
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Bist du von Diamant/ sein Blut muß dich erweichen.
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Schick einen Blick dahin/ wo Jesus Wunden seyn/
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Wo sich um deine Schuld die Unschuld läßet streichen.
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Vieleicht so jammerts dich; es bricht dein Hertz entzwey/
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Die Wehmuht schließt es auf mit tausend Thränen-Güßen.
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Er leidet ja um dich. Wer wolte diese Treu/
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Nicht voller Lieb und Schmertz mit naßen Augen Küßen.
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O Seele thu es doch! Er hatte nichts gethan/
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Und gleichwohl zaget er um deiner Ubelthaten.
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Ach eile zu dem Creutz/ schau Ihn mit Zähren an/
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Und höre/ was er wird der matten Seelen rahten:
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Ich lege mein Verdienst/ spricht Jesus/ nun auf dich.
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Gedenck an meine Huld/ du hattest viel verbrochen.
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Doch deiner Sünden-Last erbarmt mein Vater sich/
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Und hat durch meinen Todt dich völlig loß gesprochen.
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Geh hin/ ich liebte dich/ wie nie ein Mensch geliebt.
42
Erinnre dich daran/ mich wieder lieb zu haben.
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Stirb allen Lastern ab/ die mich schon einst betrübt/
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Weck nicht die Sünden auf/ die ich vor dich begraben.
45
Weil du in meinen Tod getauffet worden bist/
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So lebe nun mit mir/ damit ich möge sehen/
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Daß auch dein alter Mensch mit mir gecreutzigt ist/
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Daß ich den neuen seh in meinem Wandel gehen.
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Betrachte mich recht wohl/ beschaue meine Noth/
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Hier geb ich/ liebster Mensch/ was dich allzeit beglücket:
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Es sey in Freud und Leid/ im Leben oder Todt/
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So habe Jesus Creutz in deine Brust gedrücket/
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Wie es die Liebe hält/ die Menschen Liebe heißt/
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Wie ich den Arm gestreckt/ der deiner sich erbarmet/
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Wie ich mein Creutz umfaßt/ das niemand von mir reißt/
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Du aber bist mein Creutz/ wie ich dich selbst umarmet.