An einen vornehmen Cavalier über die Gebuhrt eines Sohnes

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Christian Friedrich Hunold: An einen vornehmen Cavalier über die Gebuhrt eines Sohnes (1701)

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Wenn unser Leib entschläfst/ soll unsre Seele wachen.
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Wenn die Begierden ruhn/ ist offt der Geist bemüht.
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Drum führte mich ein Traum auf sonderbahre Sachen.
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[wie man in Träumen doch ein Bild des künftgen sieht!]
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Es brachte mich ein Zug/ der von den Sternen kommen/
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An einen Meeres-Strand/ und gab der Seelen ein:
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Daß Liebe von dem Meer viel gleiches angenommen/
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Und daß mehr Schätze da als wie auf Erden seyn.
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So gleich erblickte sie der Muscheln Menge liegen.
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Sie rief: ihr Schalen schließt was herrliches in Euch.
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Ihr seyd des Himmels-Schooß/ und seiner Kinder Wiegen.
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Was komt euch Perlen doch auf dieser Erden gleich?
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Der edlen Liebe Bild ist eine Perl zu nennen/
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Die weil des Himmels Gunst sie beyde rein gezeugt.
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Vor schön muß man die Perl/ dieweil sie rein erkennen.
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Nur reine Lieb' ist schön/ unreine die betreugt.
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Drauf kam/ so wie mich deucht ein Englisch Frauenzimmer/
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Hub eine Muschel auf/ und hielt sie an den Brand/
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Der von der Sonnen kommt: Es öffnet durch den Schimmer/
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Durch ihren heissen Strahl/ sich ja diß Himmels-Pfand.
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Du Muschel pflegest dich nicht eher aufzuschliessen/
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Biß daß des Himmels Strahl auf dich entzündet schaut.
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Mich Perle/ sprach sie fort/ kan also nur geniessen
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Die Sonne/ welcher mich der Himmel hat vertraut.
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Und wie nur eine Perl die Muschel kan gebähren:
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Denn mehr empfänget sie von Himmel niemahls nicht:
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Kan ich dem Liebsten auch ein Kleinod nur gewähren/
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In Liebe/ die ihm Wehrt/ und mir viel Lust verspricht.
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Die Schöne hielte noch die Muschel in den Händen/
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Die längst des Himmels Huld mit Morgen-Thau erqvickt/
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Als/ da die Sonn' anfieng/ mehr Strahlen drauf zu senden/
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Sie eine Perl daraus/ die wunderschön beglückt.
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Ich kan die Schätzbarkeit mit Worten nicht beschreiben.
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Der Himmel hat darzu so wie mich deucht gelacht/
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Und hieß die Welt damit ein groß Ergetzen treiben.
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Vor Freuden bin ich selbst darüber aufgewacht.
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Fast war ich müßvergnügt/ daß dieser Traum verschwunden/
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Da der beglückte Tag mir die Erklährung beut.
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Ach Himmel! war mein Traum ein Bild so froher Stunden/
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Da diß Hochadlich Hauß ein junger Sohn erfreut?
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Nun wohl/ so edle Lieb' ist Perlen gleich zu schätzen/
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Die kostbar/ keusch und schön und Himmels-Früchte trägt.
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Der Himmel müß auf Sie so vielen Seegen setzen/
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So viel das weite Meer an theuren Perlen hegt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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