Gedancken über die Liebe zum Müßig-gange

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Christian Friedrich Hunold: Gedancken über die Liebe zum Müßig-gange (1701)

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Wer sich ernähren kan/ und dennoch sich beschwert/
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Daß ihn die Armuth drückt/ der ist der Peitsche wehrt.
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So muß ich mir den Text nun selber lesen.
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Gott hat mir zwar ein Pfund verliehn/
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Daraus ich können Nutzen ziehn;
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Doch bin ich sein nicht immer wehrt gewesen.
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Auf Wucher hab ich es so offt nicht ausgethan/
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Als man wohl kan.
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Die Arbeit war erst mein Vergnügen:
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Doch blieb sie wieder liegen/
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Und stanck mich an.
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Gantz nichts zu thun/ war mir nicht wohl gegeben.
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Drum nahm ich lauter Dinge vor/
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Als lebt ich bloß/ zum Zeit-Vertreib zu leben/
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Um nichts zu thun/ in dem ich doch was thate.
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Wer war wohl hier ein Thor?
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Ich/ in
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Und wenn ich denn biß auf die Nähte kahl/
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Und mich mein eigen Elend bate
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Die Arbeit zu ergreifen/
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So dacht ich ihr zu pfeifen;
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Allein sie hörte nicht.
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Ich reckte mich die Quer und in die Länge.
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Denn grif ichs an/ denn schmiß ichs wieder hin.
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Das Hauß war mir zu enge.
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Heut will ich noch zu guten Freunden gehn/
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So dacht ich denn/ und morgen früh aufstehn/
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Denn weiß ich/ daß ich fleißig bin.
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Der Tag/ der zwantzig mahl gekommen/
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Hat gleichwohl nicht das Gold des Morgens mitgenommen.
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Weil/ wenn
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Sie Musen Weißheits Gold in ihrem Munde zeigt.
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Inzwischen/ da die Armuth mich
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Wie ein Gewapneter wolt' überfallen/
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Da klaute denn der Müßiggänger sich/
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Und ließ ein Klage-Lied erschallen:
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Die Zeiten wären schlecht/ die Weißheit sey gedrückt.
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Da er sein eigen Creutz sich selber zugeschickt.
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Es klopfte niemand an die Thür/
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So dacht er gleich/ ein Mahner ist dafür.
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Was war zu thun? hier half kein Grämen/
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Der Faule muste sich bequemen
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Mit doppelt schwerer Pein
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Und steter Arbeit dran zu seyn/
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Daß er der Schulden sich erwehrte/
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Und sich nach Nothdurfft nehrte.
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Die Lehre/ hier/ mein Freund/ die deine Seele faßt/
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Ist gut/ wenn du sie nicht/ wie ich/ von nöthen hast.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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