Komm edle

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Christian Friedrich Hunold: Komm edle Titel entspricht 1. Vers(1701)

1
Komm edle
2
Das aus der Buhlerey der Sternen ist gebohren/
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Die durch den Einfluß mir ein wenig günstig sind;
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Daß meines Geistes Krafft dich zum Magnet erkohren.
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Vergieb mir/ daß ich mich/ du Engel-reiner Schatz/
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An dich versündiget/ und dir nicht treu geblieben;
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Daß oft/ da meine Brust der Wollust Sammel-Platz/
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Ich manches schlüpfrigs Wort durch deine Kunst geschrieben.
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Ein Brenn-Glaß brennet nur durch reiner Sonnen-Strahl;
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Ach aber unser Hertz/ das bösen Zunder heget/
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Fängt leicht verbotne Glut/ wenn hier und überal
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So manch verbuhltes Aug' auf ihn die Funcken schläget.
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Geliebte
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So rein die Qvelle sich im Uhrsprung mag ergiessen/
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So wird er Flüssen gleich/ in die faul Wasser rinnt/
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Wenn der
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So war ich/ als ich noch in ihren Ufern gieng.
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In guten schlief ich meist; die Zeit war zum erwachen/
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Als mich ein Unglücks-Fall in einem Wald empfieng/
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Und denn der Blitz in mir begunte Licht zu machen.

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Die Schlange legt den Balg/ und die Natur das Kleid
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Mit jeden Jahr hinweg. Und soltet/ edle Seelen/
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Ihr/ die ihr selbst ein Geist von Gottes Wesen seyd/
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Nicht/ wenn ihr einst befleckt/ die alte Schönheit wehlen?
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Komm edle
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Wie/ wenn die Morgenröth' auf dunckle Nächte lachet.
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So bricht ein schöner Tag in meine Sinnen ein/
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Nachdem sie Wercke gnug der Finsterniß gemachet.
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Komm edle
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So schön
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So schreibet nun mein Geist/ was edel/ keusch und rein/
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Nachdem ihm
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Hier sitz ich/ wo vordem das Volck der Musen saß/
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Im grünen/ wo das Land an güldner Freyheit grünet/
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Und dencke/ wo man sonst die schnöde Welt vergaß/
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Die Welt/ die uns zur Schmach und zur Verführung dienet.
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Und also denck' ich dran/ wie meines Hertzens Ruh
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Den Hügeln/ Thälern gleich in Unschuld möge blühen.
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Steht/ liebste
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So werd ich mich durch dich um gleichen Schmuck bemühen.

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Durch deinen edlen Trieb lacht meine Seele nun/
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Wenn man mir Gräntzen setzt/ dich schöne Kunst zu treiben/
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Wenn man die Wahrheit sucht bey uns in Bann zu thun/
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Und uns durch das Verboth nur mehr bewegt zu schreiben.
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Nach dem der Sünden Fluht uns noch vor Augen steht/
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Will Gott/ daß jeder soll ein kluger Schiffer heissen/
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Und/ daß der Tugend Schiff im Welt-Meer nicht vergeht/
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Die groben Lasten frey in tiefsten Abgrund schmeissen.
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Wer Lastern abgeneigt ist von der Sünde rein.
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Eh' auf des Himmels-Stuhl die Hölle sich gesetzet/
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Und hier die Richter heißt der Laster-Stützen seyn/
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Wird meine Tadel-sucht nicht tadels wehrt geschätzet.
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Zu bessern eyfert man/ und zu verläumden nicht.
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Betrüger nenn ich euch/ ihr Spieler/ weil ihr spielet/
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Und eine – – die/ die theils die Ehe bricht/
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Theils in dem Jungfer Kleid im Schlam der Unzucht wühlet.
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Wen aber geht es an? spielt nicht die meiste Welt
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Den Nechsten Bettel-arm/ und sich zu großen Leuten?
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Wird unsern Gütern nicht manch schönes Netz gestellt?
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Den Jäger dieses Wilds muß oft ein Freund bedeuten.
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Und wo ist eine Stadt/ die von
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Diß Wort ist zwar nicht teutsch; jedoch weil Franckreichs Sünde/
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Langst teutsch geworden sind/ so wird die Schmeicheley
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Des neuen Nahmens mir viel schönes Volck verbinden.
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Was heißt
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Ihr Wollusts-Knecht zu seyn/ ihr Geld zu leben geben;
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Und wenn der Geist erschöpfft und die Vernunfft dahin/
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Mit ihr allhier bethört/ und dort verdammt zu leben.
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Wie? red' ich nicht zu kühn? was lehrt dich über mir
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Natürlich/ das ist schön/ vergnügtes Lerchen singen?
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Gewiß der Freyheit Schloß/ die sichre Gegend hier/
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Wo keine Geyer sich nach deinem Leben schwingen.
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Ein Geist der Banden fühlt/ dem Furcht sein Meister ist/
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Ein heischer Halß/ der singt/ sind nicht beliebt zu hören:
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Und kein Verstand schreibt wohl/ der sich nach Regeln mißt/
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Die der Tyrann der Welt/ der Wahn uns heißt verehren.
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Glückseelger Aufenthalt! wo mich der Westen Wind
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Anwehet ohne Furcht/ und ich nicht darf besorgen/
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Daß Dünste mit dabey vom gifftgen Athem sind/
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Und Abends mich erstickt/ was meine Luft am Morgen.
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Du sichre Freyheits-Stadt/ vom Himmel dem bestellt/
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Der durch ein Tugend Wort die Laster todt geschlagen.
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Vor dem ein Viertel-Jahr so mancher Gassen-Held
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Den Degen/ als ein Schaaf/ ergrimmt vorbey getragen.
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Was aber zürn ich noch/ daß man mir nichts gethan?
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Daß ich den Schertz umsonst mit andern Fehlern triebe?
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Ich zürne/ daß ich sie nicht besser machen kan/
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Und mich so mancher haßt/ weil ich so manchen liebe.
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Doch edle Poesie/ beruhige mein Hertz.
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Halt meinen Eyfer ab/ dem Meer den Sturm zu wehren.
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Ist andre kranck zu sehn wohl der Gesunden Schmertz?
92
O ja/ du must die Welt der Tugend wegen lehren.

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Mich deucht/ man ruffet mir: du bist dein eigner Feind.
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Es will durch diesen Wald die heilge Stimm erschallen:
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Was sagst du andern viel? der ist sein bester Freund/
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Den so ein Eyfer treibt sich selber anzufallen.
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Greif an/ dich böses Thier: du stehest auf der Flucht/
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Der edlen Poesie von neuen aus zureissen.
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Was dich verwildern wird/ ist deine Tadel-sucht.
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Die Freyheit/ die hier grünt/ will dich zu weit verschmeissen.
101
Halt/ gieb dir einen Fang. Du Tugend nimm das Schild.
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Erwürg in seiner Brust der Eigen-Liebe Bild;
103
Eh' er an andre denckt/ gebt ihm mit sich zu schaffen.

104
Ich zittre vor der Stimm; ich bebe selbst vor mir.
105
Die Tugend greift mich an. Soll meine Lust erliegen?
106
Die Fehler durch zu ziehn/ ist unser Malvasier.
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Ach Tugend gönne doch mir ferner das Vergnügen.
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Du bist den Lastern feind/ und die bestreit ich nur.
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Schickt sich ein Straff-Gedicht und Tugend nicht zusammen?
110
O nenne/ hört ich drauf/ den Auswurf der Natur/
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Des bösen Hertzens Brunst/ nicht Eyfer-reine Flammen.
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Man kämpfet Helden gleich zwar mit der Laster-Brut/
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Doch mehr sie in sich selbst/ als andern zu bestreiten
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Hab ich mich nun besiegt/ und meins mit andern gut/
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Steht ihnen ins geheim mein Eyfer an der Seiten/
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Mit Liebe gantz vermischt/ mit Klugheit ausgedacht:
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Daß sie mein gutes Hertz zur Liebe muß bewegen.
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Doch welche Dornen hast du nicht hervor gebracht/
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Des Nechsten Wunden sie vor Pflaster aufzulegen?
120
Ihr tadelt öffentlich/ und seyd den Schreyern gleich/
121
Die auf dem freyen Marckt zur Schane wollen heilen.
122
Ein Artzt geht in das Hauß; die Klugheit macht ihn reich;
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Die Cur wird Ihnen Ruhm/ Euch Schimpf und Schand ertheilen.

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Ihr helft den Krancken nicht; doch schreyend macht ihr sie/
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Daß sie den bösen Artzt zum Teufel machten jagen.
126
Wenn ihr sie kräncker macht/ so kränckt euch dieses nie/
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O nein/ ihr lacht so schön/ die Hölle kans nicht sagen.
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Das ist das Malvasier/ das euch so lieblich schmeckt.
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Wenn Hochmuth/ Eigen Lieb und Neid euch nicht getrieben/
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Ihr wär't den Lastern wohl/ so sehr ihr euch verdeckt/
131
Das erste Straff-Gedicht biß itzo schuldig blieben.
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Es ist gar leicht gesagt/ und allzuschwer gethan/
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Den Fehlern scharff zu seyn/ und gütig den Personen.
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Die letzten mahlt ihr ab/ daß man sie greiffen kan/
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Und weiß/ in wem ihr wolt/ daß Laster sollen wohnen.
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Zu eurem gantzen Bild/ an dem kein schöner Strich/
137
Muß ein
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Ihr habt es nicht gemeint? und gleichwohl sieht es sich
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In einer Narren-Tracht biß auf die Füße leben.
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Besonders fallen euch/ in dem ihr schildern wollt/
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Die/ so ihr hasset bey. Denn gleicht der garstgen Mutter
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Der Feindschafft/ dieses Kind/ das ihr gebären sollt.
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Mit Galle zieht ihrs groß und mit der Boßheit Futter.

144
Erst war ich ausser mir/ eh mich der Tugend Hand
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Zur Demuth unter sich gewaltig hat gebogen.
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Ach rief ich/ Poesie/ ists so mit dir bewandt?
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So ist die Lust von dir und Freyheit auch gezogen.
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Doch sie erwieß darauf/ daß dieses Sclaverey/
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Von der Begierden Macht die schwartzen Fessel leiden;
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Daß kein Vergnügen nicht so herrlich und so frey/
151
Als seinen Scharfen Sinn auf Tugend-Feldern weiden.
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Sie sprach: du warst ein Thor/ wenn du von andern schriebst.
153
Was heißt ein Gassen-Held? Wer liegt dir in Gedancken?
154
Da du den Schertz umsonst mit andern Fehlern triebst?
155
O Böser/ ach wie weit laufst du aus meinen Schrancken.
156
Denn wer erlaubet dir die Menschen durch zu ziehn?
157
Diß heißt die Obrigkeit Verläumderische Schrifften.
158
Zwar gehest du verdeckt? es ist ein leicht bemühn/
159
So sieht man/ wem du wilst ein ewig Schandmahl stifften.

160
Poeten sind von Gott und von Natur erkies't.
161
Des Geistes Hurtigkeit/ die Tiefe zu erfinden/
162
Die Klarheit/ der Verstand/ die Anmuth/ die hier fließt/
163
Sind eine Braut/ womit der Himmel zu verbinden.
164
Doch wo ein Rosen-Stock auf Sodoms-Acker steht/
165
Mit Neides Dornen reich; wo ein vergältes richten:
166
Da findet in der Schrifft sein Bildniß ein
167
Es muß der Menschen Hertz doch immer Böses tichten.
168
Wie ist nun diese Lust des Nahmens/ göttlich/ wehrt/
169
Wenn ihr aus Raserey die
170
Gomorrens Reben-Blut ist der Poeten Pferd/
171
Daß ihr berauschter Geist hernach nichts gutes träumet.
172
Drum steh auf deiner Hut. Sonst geußt die Tadelsucht/
173
Indem du andre strafft/ der giftgen Ottern Galle
174
In deinen klaren Wein. Sonst bringt der Even Frucht/
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Wenn du von Lieben singst/ dich wiederum zu Falle.
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Man strauchelt unversehns. Ein Aal schlüpfft durch die Hand;
177
Ein geil und hitzig Wort leicht von der glatten Zungen.
178
So keusch dein Hertz dir schien/ so helle dein Verstand/
179
Hast du zu beyder Schimpf doch manches Lied gesungen.
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Ach dämpfe deinen Zorn/ in dem dein Nechster fehit.
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Geh erst in deine Brust; du findest ohne Zweifel
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Der Menschheit schwaches Bild. Pfuy! wer
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Wie man den
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Was ist doch ein Poet/ der sich zum Narren keift?
185
Der auswirft/ was sein Hertz von Zorn und Wollust brütet?
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Der Unflaht/ den das Meer in seinem Grund ergreift/
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Und an das Ufer schmeißt/ so oft es tobt und wütet.
188
Wer nun nicht straffens-werth/ der straffe/ wenn er kan/
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Die Laster insgemein/ bescheidentlich zu lesen.
190
Daß wenn dein Tugend Glantz sich andern aufgethan/
191
Man rühmet/ wie in dir der Himmel klar gewesen.
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Ergetzt dich der Triumph der holden Musen-Schaar;
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Bezwang der Schwester Arm die lieblichsten
194
So reiß diß ungeheur/ das Eigen-Liebe war/
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So schön es singt/ aus dir/ wenn sich dein Haupt soll krönen.
196
Denn schärffe/ bist du frey/ der Tugend ihren Kiel/
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Daß wer noch Fühlung hat sich vor der Thorheit schämet.
198
Stell' alles künstlich vor/ daß durch der Sinnen-Spiel
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Man bittrer Wahrheit folgt/ zum guten sich bequemet.

200
Wenn neben dir ein Freund aus
201
Und seinem Geiste wird hernach die Ader reißen:
202
So folge nicht/ wenn dir ein böser
203
In seinen klaren Fluß ein stinckend Aaß zu schmeißen.
204
Ich weiß/ daß dich der Neid mit Herculs Krafft ergreift;
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In Brand geräht dein Hertz; dein Kopff erwehlt die Waffen/
206
Die schärffer/ als ein Dolch/ den sich ein Welscher schleift/
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Unredlich seinen Feind aus dieser Welt zu schaffen.
208
Gesetzt/ du kommest ihm nicht an den bloßen Leib;
209
Dein kahler Rumpf ist selbst viel leichter anzutasten:
210
So schmälst du auf das Kleid; Es ist dein Zeit-Vertreib/
211
Daß er nicht Friede hat/ nicht ruhen kan/ noch rasten.
212
Es sey ein Punct so klein/ wie ihn die Fliege setzt/
213
Du kanst ihn Bergen gleich durch dein Geschwätze machen.
214
Genug/ daß der dich rühmt/ den dein Gewäsch' ergetzt/
215
Daß wenn du lügst und schwermst/ die Leute drüber lachen.
216
Weg mit der bösen Brut aus der Gelehrten Welt.
217
Wenn du die Sonne bist/ so must du Sternen leiden:
218
Nur prüfe dich vorher/ ob nicht des Himmels Zelt
219
Für deinen Ruhm zuhoch. Wer klug/ wird sich bescheiden.
220
Zwar deiner Muse sey zu tadeln unverwehrt/
221
Wenn wieder meinen Trieb
222
Doch höflich/ daß man ihm nicht Haut und Haar versehrt/
223
Und/ weil er kein Poet/ den Mann in Oele siedet.
224
Lehr ihn bescheidentlich: Er danckt vieleicht dafür;
225
Wo möglich in geheim: diß wird sein Hertz erfreuen.
226
Setz ihm nicht in der Nacht
227
Der ihn am Morgen muß vor aller Welt beschreyen.
228
Ists aber/ sprach sie fort/ ein zweifelhafter Streit/
229
Daß die Gelehrten sich deswegen sämtlich spalten:
230
So folge deinem Licht/ wirf dessen Strahlen weit/
231
Und seh'/ ob ohne Zwang es welche mit dir halten.

232
Setz eine Hechel nicht an anderer Vernunfft:
233
Ein starcker Guß verschwemt den Saamen mit der Erde.
234
In der Gelehrten Reich ist keine solche Zunfft/
235
Allwo ein eintz'ger Wahn zum Ober-Meister werde.
236
Was hilf' es/ wenn du dich' zu einem Riesen schriebst/
237
Dein Hochmuth trät' hervor Hohn aller Welt zu sprechen/
238
Und endlich in der Schlacht mit einem David bliebst/
239
Wenn dir die freche Stirn sein Einwurf köndte brechen?
240
Was hilf es/ wenn dein Mund das große Schwerdt geführt/
241
Er fodert' jederman/ den Kampff mit ihm zu wagen/
242
Und würdest/ wenn die Welt dein bös' Gemüth verspürt/
243
Verachtet und verhaßt in aller Brust geschlagen?
244
Man sicht zu unsrer Zeit mit keinem Weber-Baum.
245
Wer tapfer/ braucht in Noth nur einen kleinen Degen.
246
Vor deinen engen Ruhm hat oft dein Zimmer raum;
247
Doch soll durch deinen Kiel die Erde sich bewegen.
248
O Armer miß dich erst mit dreyen Ellen aus;
249
Wenn du noch länger bist/ man wird es selbst erblicken/
250
Und/ wäre gleich bey dir ein Faß der Demuth-Hauß/
251
Dich mit dem Königs-Stuhl wie einen Saul beglücken.
252
Im Felde wird ein Held/ ein Weiser in der Schrifft/
253
Die Zwistigkeiten hegt/ an Geist und Hertz erkennet.
254
Wie mancher tödtet sich durch seinen eignen Gifft/
255
Daß ihn der Christen Welt den Schaum der Heyden nennet?
256
In Zanck und Streit beruht die wahre Weißheit nicht/
257
Der Seelen ruhig seyn und Stille muß sie suchen.
258
Wo deren Ruh' ein Leib voll von Bergierden bricht/
259
Dem wird die tolle Welt mit samt der guten fluchen.

260
Gemeines Volck hinweg! ein Weiser legt den Sinn
261
Auf rechte
262
Sein Fleiß erbaut die Welt; er schreibt was edles hin.
263
Ihn stöhret kein Geschrey vom eitlen Welt-Getümmel.
264
In diesem Walde soll kein
265
Ob gleich diß wilde Thier/ die Menschen mehr zu qvälen/
266
Auf hohe Schulen zieht/ und noch zu mehrer Pein
267
Mit seinem Saamen will so Stadt als Land beseelen.
268
Drum jag es aus der Brust: kein edler
269
Als der den scharffen Zahn an seinen Mängeln wetzet/
270
Und durch ein Straf-Gedicht/ das er sich selber lis't/
271
Die schönste

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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