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Mein ausserwehltes Kind/ wie? waren dieses Küsse
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So ich in jener Nacht in jener Freudenzeit/
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Von dir empfangen hab’? Ach nein/ es waren Flüsse
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Von lautrem Honigseim/ vol süsser Liebligkeit/
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Das/ was ich halb verzukkt von dir/ mein Hertz/ ge-
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War/ daucht mir lauter Trank der Himmels Nektar
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Und von den Göttern selbst in deinen Mund gegossen/
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Das war es/ wo mir recht/ womit mein Hertz ge-
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Und so gelabet war. Was man an Zimmetrinden/
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Am Zukkerkandien an Ambr’ und Nardus schmekkt
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War liebstes Seelchen da an dir mit Lust zu finden/
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So mir noch diese Stund’ ein’ Hertzensfreud’ erwekkt/
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Ach weh! was sag ich Freud/ Ach ja noch größre Schmer-
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Hat mir es zugebracht. Zuvor war ich verliebt
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In ihre Freundligkeit aus recht getreuem Hertzen
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So niemals fasch gewust noch Heucheley verübt.
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Nun ich mit ihr geredt/ nun ich mit schlechten Worten
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Jhr meinen Sinn erklährt nun ich mit höchster Lust
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Hab’ ihren Mund geküsst die rohtkoralne Pforten
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Wol zehen zehen mal ist mir fast nichts bewust
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Als nur Verzweiffelung; Ich bin nur halb bey Le-
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Ich weiß nicht was ich thu’/ ich weiß nicht was ich
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Ich bin der Hertzensangst und grossem Leid ergeben/
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Ich geh’/ ich steh’/ ich sitz’/ ich schlummer’ oder
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Es funkeln stets für mir der schönen Augen Strahlen/
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Die mich so angeleucht in jener dunklen Nacht/
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Der Zukkersüsse Mund den ich zu vielen malen
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In keuscher Gunst geküsst mir einen Nachschmakk
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Mir deucht ich fühl’ allzeit die Wollenweiche Händchen
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Die mein’ in treuer Lieb’ hertz-hertzlichen gedrükkt/
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All’ Augenblikk’ und Stund hör ich die Komplement-
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Die sie zu machen wust’/ und mich damit erquikkt
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Ach Jammer! Hertzeleid/ ach hertzliches Bekümmern!
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Ach weh daß ich so bald von ihr geschieden bin/
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Ach fliesst ihr Thränen fliesst! erseufftz in grossem Wim-
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Du treuer Thyrsis du setz deinen gantzen Sinn
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In schwartze Traurigkeit. Doch wenn ich wissen solte
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Daß mein geliebtes Hertz/ mein klarer Leitestern
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Die ädle Karitill beständig lieben wolte
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Mit Felsenfester Gunst (Ein falscher Schein sey fern!)
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So wolt’ ich alles Leid aus dem Gemühte treiben
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Das mich bey Tag und Nacht fast unauffhörlich
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Und mit Beständigkeit in fester Hoffnung bleiben/
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Wie denn mein redlichs Hertz auff anders nichts ge-
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Wolan ihr Gotter ihr/ die ihr mein Hertze sehet
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Und wisset wie ich bin macht mich des Leidens frey
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Und wo es euch gefällt/ so schafft daß sie verstehet/
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Daß sie mein liebstes Kind und ich ihr Diener sey.