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Jst iemals wol ein Tag so glüklich mir erschienen/
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Da ich mehr Uhrsach’ hett’ erfreuligst zu bedienen.
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Ein treues Freundeshertz/ hat temals eine Zeit/
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Mich so beseliget/ und die Gelegenheit
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Mir an die Hand gebracht mich innerlich zu freuen
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So ist es dieser Tag. Führt eure Freudenreichen
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Jhr Römer wie ihr wolt an eurem grossen Fest’
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Hilarien genant; machts auf das allerbest’
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Jhr klugen Attier wenn ihr mit vielen Springen
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Askolien begeht/ ich laß euch solche Dingen
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Jhr närrsches Heydenvolk zu eurer eignen Lust
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Mir ist auf diesen Tag ein’ andre Lust bewust:
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Es lest nicht Föbus nur mit angenehmen Winken/
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Am lichten Firmament die güldne Strahlen blinken
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Und führt den Tag herauf/ an dem mein lieber Freund
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Den mein unfalsches Hertz recht tren und redlich meint/
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Der eine Fakkel ist bey allen Kliussöhnen/
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Den die bekräntzte Schaar der löblichen Kamenen
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Ein Amaltheer Horn vol Weißheit überreicht/
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Der jenem Pindarus in teutscher Sprache gleicht/
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Zur Welt gebohren ist. Er lest sein Fuhrwerk stehen
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Und steigt zu uns herab nach dem Er angesehen/
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Daß ietzt erwehnter Freund bey dieser edlen Stadt
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Den Schulstaub mit Geduld so lang ertragen hat/
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Nimmt ihn von da heraus/ setzt ihn zu grösren Ehren
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Nicht aber daß Er sich der Mühe solt’ erwehren
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Und gantz befreyet seyn. Denn weil der Mensche noch
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Hier auf der Erden wallt/ liegt ihm das schwere Joch
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Der Arbeit auf dem Hals- und kan sich nicht entbinden/
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Müh’/ Sorge/ Schweiß und Angst wird sich doch allzeit
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Er mach’ es wie Er woll’. Er nimmt ihn bey der Hand/
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Und führet ihn hinauf in einen höhren Stand/
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Und zwar an diesem Tag’ an dem er ist gebohren’
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An welchem Tag’ Er ihn zu seinem Dienst’ erkohren/
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Stellt ihm ein wakkres Volk/ der Musen werthes Chor
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An jener Kinderstatt/ zu seiner Aufsicht vor.
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Wer nur was Redliches gelernet und verstehet/
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Der wird doch endlichen zum Ehrenstand’ erhöhet;
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Der bleibt nicht unten stehn der nur was gutes kan/
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Die Tugend hebet auf nnd ehret ihren Mann.
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Du bist es mein Herr Titz/ du Freund der Kastalinnen/
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Du deines Landes Zier/ du Liecht der Lignitzinnen
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Du teutscher Juvenal/ du hochbeliebter Freund
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Dem Föbus nun so schön/ so klar und frölich scheint.
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Du bist es mein Heir Titz/ den Er noch höher setzet/
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Den Er mit süsser Lust an diesem Tag’ ergetzet/
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Und inniglich erfreut/ Er giebt Dir zuverstehn/
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Daß dein so schönes Lob noch sol viel weiter gehn.
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Wolan ich freue mich/ daß Gott es so geschikket
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Daß eben diesen Tag dir solches hat geglükket/
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Daß du geehrter Freund auf einen Lehrstuel steigst
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Und in der grossen Schul dich als ein Lehrer zeigst.
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Auch dieses wünsch’ ich noch von meines Hertzengrunde
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Es wünschet Hertz und Mund/ daß dich zu aller Stunde
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Dergleichen Glükk erfreu’ und daß zu iederzeit/
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Wenn dein Gebuhrtstag kömmt sich auch dein Lob auß-
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und wachse mehr und mehr. (breit'