1
Glükk zu Herr Bräutigam! glükk zu zum neuen Leben/
2
Der grosse Gnadengott der woll’ euch reichlich geben
5
Zu Rom erlanget hat; was Metellin begehret
6
Bey seiner Lebenszeit/ das sey auch Euch gewehret
7
Vom hohen Himmel selbst. Der Anfang ist gemacht/
8
Zu der Glükseligkeit: Gott hat Euch zugebracht
9
Solch ein beliebtes Mensch die gleichsam wie durchsternet
10
Mit schönen Tugenden/ die gleichsam wie durchkernet
11
Mit lauter Frömmigkeit; wer steht doch nicht das Licht
12
Der ädlen Keuschheit selbst in ihrem Angesicht’/
13
Jm fall man Achtung giebt auf ihre fchöne Sitten?
14
Wer urtheilt anders doch aus ihren sanfften Schritten
15
Als daß sie stille sey/ die euch wird anvertraut?
16
Glükk zu Herr Breutigam zu solcher lieben Braut.
17
Mein schauet die Gestallt/ schaut ihre schöne Wangen/
18
Die Felder keuscher Zucht/ wie sie so lieblich prangen
19
Mit Milch und Blut vermischt/ seht wie Sie ihren
21
Den liebbestrahlten Blitz viel hundert hundert mal
22
Auf euch verliebet wirfft. Dort jener Aganippen
23
Schmekkt lang so süsse nicht als ihre Rosenlippen.
24
(welchs Jhr Herr Breutigam am aller besten wisst
25
Weil euch die Prob’ allein nur zugelassen ist.)
26
Ich gläube sicherlich/ wen sich anitzo fünde
27
Klisthenis Tochter selbst/ und hier zugegen stünde
28
Das schöne Griechenbild/ Sie würde warlich frey
29
Bekennen/ daß Sie nun weit übertroffen sey.
30
Und zwar was ihre Zier/ was ihre wehrte Tugend/
31
Was Leibsgeschiklichkeit/ was rechtbejahrte Jugend
32
Und Schönheit anbelangt/ an ihr die euch vertraut
33
Glükk zu Herr Breutigam zu solcher schönen Braut!
34
Ich’ merk es von ihr ab/ ihr werdet an ihr haben
35
Ein solch Mensch/ die euch wird nach Hertzenswunsche
37
Man kans ja leichtlich sehn. Sie gibt es an den Tag/
38
Durch einen keuschen Blikk/ was Sie ersreuen mag.
39
Perikles der ist nie nicht aus dem Hause gangen
40
Er hat znvor aus Lieb’ Aspasten ümfangen
41
Sein liebes Ehgemahl nach lieblichem Gebrauch.
42
Wolan so machet es mit eurem Liebchen auch.
43
(jhr wisst wol was noch mehr) ich weiß Sie wird her
45
Euch die Versprechung thun/ daß Sie auf allen Wegen/
46
Es sey auch wo es woll’ Euch wird zu willen stehn.
47
(versucht es Morgen nur so werdet ihr es sehn)
48
Wo ja ein Wetter kömmt das Euch dänkt zu betrüben;
49
Schikkt etwa Gott ein Kreutz/ so euch das süffe Lieben
50
Mit Wermuht untermischt/ (denn dieses bleibt nicht
52
Kömmt wo ein Unglükk her und fordert Euch herauß.
53
Wolan! so nehmt es an/ geht ihm nur unter Augen
54
Eur allerliebstes Hertz wird euch zur Hülffe taugen;
55
Sie stehet als ein Mann gleich wie Hipsikrathe
56
Bey ihrem Mithridat; So wie Penelope
57
Ulissen hat geliebt/ verspricht sie auch im gleichen/
58
Auch an der schönen Treu’ Alzesien kaum zu weichen.
59
Ist das nun nicht eln Trost! kein Kreutz ist ja so schwer;
60
Roch Unglükks Last/ die nicht noch halb so leichte wer’
61
Jm fall dieselbe nur auf zweyen Seulen lieget.
62
Wol dem wol über wol/ der solch ein Seelchen krieget
63
Das ihn von Hertzen liebt und treulich bey ihm steht
64
Mit unetschrokknem Sinn. es geh auch wie es geht.
65
Wolan Herr Breutigam/ Jhr Jhr habt durch das Hoffen/
66
Was euer Hertz gewünscht/ nun endlich angetroffen.
67
Gott geb’ euch Glük darzu. Lebt wie der Rubrius
68
Mit seiner Ennia ohn allen Uberdruß.
69
Geht nehmt die Liebste weg/ geht führet Sie zu Bette/
70
Es leuft doch darauf aus/ schertzt mit ihr üm die Wette.
71
Die Gäfte wünfchen Heyl/ und ruffen überlaut
72
Glükk zu Herr Bräutigam zu solcher ädlen Braut.