1
als dieses durchgelesen/
2
Ist Föbus und auch Mars zwar was bestürtzt gewesen.
3
Noch dennoch sagte Mars: Es ist ja zwar nicht ohn’/
4
Er hat sich grob versehn; Es ist ein grosser Hohn
5
So euch erwiesen ist. Er muß auch gnugsam büssen/
6
Vor solchen Unbedacht/ man lessts ihn gnug geniessen.
7
Sein leiden (wie mir dünkk) das übertrifft die Zahl/
8
Des euch erwiesnen Spotts wol über hundert mal.
9
Auch über dieses noch/ so ist hinweg geflossen
10
Schon lange Zeit/ da er die Schmehwort’ außgegossen/
11
Wie uns das Datum zeigt/ daß also ich vermein’
12
Es kan die Missethat ihm wol vergeben seyn.
13
Hierauff fuhr Föbus fort: Es ist nicht zu verstehen
14
Nach blossem Wörterklang/ man muß auch recht besehen
15
Wie ers gemeinet hat/ geliebte Schwester ihr/
16
Er ziehlet nicht auf euch in diesem Liede hier/
17
Als auff das Wirkende. Vielleichte wird er meinen
18
Des Werkes Mißbrauch selbst/ wie solches fast wil scheinen
19
Aus seiner Redensahrt. Und wenns auch gleich so wer’/
20
Als ihr bey euch gedänkt/ so sol man nicht so sehr/
21
(verzeiht mirs Venusin) ein solches Ding auffrükken.
22
Ein ädler Sinn und Geist lest nicht den Eyfer blikken
23
Dekkt viel mit Sanfftmuht zu. Bey Menschen pflegts
25
Daß man gemeiniglich/ in Stahl und harten Stein/
26
Den zugefügten Schimpf gantz unvergeßlich schneidet:
27
Die Guttaht aber nicht; Die wird noch wol beneidet/
28
Und wenn sie ja wo lieb/ so schreibt man sie ins Eyß
29
So bald zerschmeltzen kan; So ist der Menschen Weis’
30
Und nicht der Götter Ahrt. Drüm bitten wir euch beyde/
31
Heifft doch Myrtillen ab von seinem schweren Leide/
32
Last sanffte Gütigkeit vor strenges Recht ergehn/
33
Last den betrübten doch einst eure Hülffe sehn/
34
Die er so lang gewündscht Er wird gewißlich wieder
35
Vor diesen Schimpf und Spott/ viel hundert schöne Lieder
36
Die eures Lobes voll/ von euch und eurem Sohn’
37
Euch singen hie und da/ in seiner Seiten Thon.
38
Hierauff besann sie sich/ und schwieg ein wenig stille
39
Hernacher sagte sie: Wolan es sey mein Wille
40
Was beyden euch gefällt. Myrtillen sey geschenkt
41
Was er verbrochen hat; Das/ was ihn heute kränkt
42
Soll ihn in kurtzer Zeit/ ja noch vielleicht’ auff Morgen
43
Entbinden aller Noht/ und allen Liebes Sorgen
44
Befreyen gantz und gar. Kupido komm mein Kind/
45
Du hast ja nun gehört/ daß alle Fehler sind
46
Myrtillens außgelescht. Drüm geh und nim den Bogen/
47
Und deine Pfeile mit womit du hast betrogen
48
So manches Menschen Hertz/ schau wo die Schäferin
49
Die Eufrosille sey/ brich ihren harten Sinn
50
Und triff das zahrte Hertz/ so gegen den Myrtillen
51
Wie Eyß erkältet war/ daß sie ihm sey zu Willen
52
Mit keuscher Gegengunst. Kupido sprach: Sehr gut.
53
Das ist ein Thun vor mich. Bald sol in Liebesgluht/
54
Der Schäfrin kaltes Hertz in vollen Flammen hitzen.
55
Und hierzu sol mir nicht/ mein Pfeil und Bogen nützen
56
Wie mirs pflegt in gemein. Ein funke Feur sols thun.
57
Und zwar auff diese Weis’ ich wil auf heute ruhn/
58
Früh morgens wil ich mich zum Eolus hin fügen/
59
Und bitten fleissig ihn/ daß er doch lasse fliegen
60
Auff morgen Vormittag den warmen Westenwind/
61
Der mir zu meinem Tuhn am allerbesten dient.
62
Mein Bruder Zynthius/ der hilffet mir auch mitte
63
Zu meinem Hertzensfang/ er wird auff meine Bitte
64
Gantz ungewölket stehn/ mit schönem Sonnen schein’/
65
In Summa/ es muß mir ein schönes Wetter seyn/
66
Damit die Schäferinn die Schäfchen aus zuweiden
67
Lust und Begierde hab’; es müssen mir die Heyden/
68
Ohn Schnee und Kälte seyn. Wenn sie denn nun wird
70
Daß sie der Himmel lokkt/ daß Wald und Felder stehn
71
In angenehmer Lust/ so wird sie sich erfreuen
72
Der schönen Herbestzeit/ So gleich dem jungen Mäyen
73
Des Menschen Sinn erfrischt. So wird die Schäferinn
74
Die ädel’ Eufrosill mit höchsterfreutem Sinn’/
75
Jhr wollenreiches Vieh hin auff die Weide treiben/
76
Da sie mit andern mehr wird wol vergnüget bleiben
77
Und haben ihre Lust. Hernachmals wird die Lufft/
78
Die aus Südwesten kömmt in ihrer warmen Klufft
79
Allmählich seyn versperrt; es wird Nordöstlich sausen
80
Auff Eolus Befehl/ mit einem kalten Brausen/
81
Dort aus Sarmatien der frische Subsolan.
82
Wenn dieses nun geschicht/ fang’ ich das Mein? auch
84
Ich werffe von mir ab mein fliegendes Gefieder/
85
Ich lege Köcher/ Pfeu’ und meinen Bogen nieder/
86
Zieh’ Hürtenkleider an/ gürt’ eine Tasch’ üm mich/
87
Nehm’ einen Schäferstab/ so bin ich nicht mehr Ich.
88
Denn mach’ ich mich dorthin/ und komm’ auff jene Haiden
89
Gleich wie ein Hürtenknab’/ ich schaue wo sie weiden
90
Der Eufrosillen Schaf’. Ich schlage Feuer auff/
91
(damit ihrs kürtzlich wist) leg’ alte Pfeile drauf/
92
Die ich vor dem gebraucht/ und noch viel andre Sachen/
93
Die/ wenn sie brennend sind/ gar bald verliebet machen
94
Wenn man zu nahe steht; Drauff geh’ ich hin zu ihr
95
Gleich wie ein andrer Hürt/ und bitte sie zu mir
96
Daß sie sich wärmen soll/ wenn sie sich denn wird setzen
97
Zu meinem Liebesfeur/ und sich bey dem ergetzen
98
Mit ihrer Schwesterschafft/ wenn sie ihr bildet ein
99
Vor meiner Listigkeit am sichersten zu seyn.
100
Sol ihr ein Fünkchen Feur durch ihre Kehle fliegen
101
Und setzen sich ins Hertz/ es soll darinnen liegen
102
Und glimmen mählich fort/ biß ihr eißkalter Muht/
103
Entbrenne liechterloh mit einer heissen Gluht.
104
Denn soll Myrtillus sein gewünschtes Ziel erreichen/
105
Und seine Schäferinn/ die Eufrosill’ imgleichen
106
Von ihm getröstet seyn. Des Vorschlags ward gelacht/
107
Vom Föbus und vom Mars/ der ietzo vorgebracht
108
Vom kleinen Liebesgott. Sie nahmen ihre Reise
109
Nach Hause wieder zu. Nach vor erzählter Weise
110
Fing auch sein kluges Tuhn der Venus kleiner Sohn
111
Ins Werk zu stellen an/ und machte sich davon.
112
So sols ja seyn geschehn/ wie mir gesaget worden/
113
So soll die Schäferinn in den verliebten Orden
114
Hinein gerabten seyn. Es saget sich zwar viel.
115
Obs aber also sey/ ob sein gewünschtes Ziehl
116
Myrrillus hab’ erlangt/ das werdet ihr ja müssen/
117
Hochädler Breutigam/ am allerbesten wissen.
118
Man sagt es sey nicht weit von eurer Gräntz geschehn.
119
Ach ja es mag wol seyn. Ich habe selbst gesehn/
120
Daß der Passargerfluß nicht weit von euch geflossen/
121
Da da wo der Myrtill viel Thränen hat vergossen.
122
Es ist mir auch gesagt was vor ein Abendtheur
123
Da vorgelauffen ist/ bey jenem Liebesfeur/
124
Welchs auffgefechelt hat der kluge Lieberwekker/
125
Kupido jener Schalk/ der kleine lose Lekker;
126
Auch dieses weiß ich schon was unsre Schäferin/
127
Die allerschönste Nymf’ in treu verliebtem Sinn’/
128
An ihren liebsten Schatz Myrtillen hat geschrieben
129
Und wie sie ihm hernach ihr keusches Gegenlieben
130
Gegeben an den Tag; Auff was für Weis’ und Ahrt
131
Er sein beständigs Hertz ihr wieder offenbahrt;
132
Und endlich wie er sie nach Hause hat geführet
133
In seine Schäferey/ die er wol außgeziehret
134
Mit schönem Bilderwerk. Dieß weiß ich alles wol/
135
Wolt’ auch von Hertzen gern/ wie ich denn billich sol/
136
Erzählen die Geschicht/ nun aber muß es bleiben
137
Weil in so kurtzer Zeit ich nichts Beliebts kan schreiben.
138
Nur bloß ein kurtzes Lied mit seiner Melodie
139
Sey noch herzu gesetzt/ dergleichen man fast nie/
140
Was Stimmwerk anbelangt in Teutschland angehöret
141
Es ist auff Polnisch’ Ahrt/ zum Brauttantz’ ihm ver-
143
Dem Herren Breutigam/ welchs manchen hat ergetzt.
144
Und wo mir anders recht so war so gesetzt: