Aus der zehnten Satyre des Juvenalis vom 56. biß 77. Verß

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Aus der zehnten Satyre des Juvenalis vom 56. biß 77. Verß (1700)

1
Wje mancher/ den das Glück mit Ehr und Macht gekrönt/
2
Wird endlich von dem Neid zertreten und verhönt?
3
Wie mancher/ den die Kunst in blanckes Ertz gegossen/
4
Als führ er im Triumph mit seinen muntern Rossen
5
Nach Romuls hohen Burg/ verfällt im Augenblick/
6
Wenn man das stoltze Bild mit ausgedehntem Strick
7
Von seinen Pfeilern hohlt. Schau wie Gespann und
8
Das gleichwohl nichts gethan/ in stücken wird geschla-
9
Betrachte wie Sejan im Ofen schmeltzen muß/
10
Und wie/ (o Unbestand) durch einen neuen Guß
11
Des Käysers liebster Freund/ den alle Welt geehret/
12
Sich in ein schlecht Geschirr/ und Nacht-Gefäß verkeh-
13
Doch das erhitzte Volck sucht mehr als diß Metall;
14
Sejan wird selbst gestürtzt;man rufft mit frohem Schall:
15
Auf! laßt uns den Pallast mit Lorbeer-Aesten zieren/
16
Und auf das Capitol ein Stier zum Opfer führen;
17
Weil nun die Rache kommt/ und den verfluchten Mann
18
Zu seiner Straffe schleppt! sieh doch/ fängt einer an/
19
Sein tücksches Angesicht. Steht nicht/ was er betrieben/
20
Zusamt der Todes-Art/ an seiner Stirn geschrieben?
21
Ja/ spricht der andre drauf: ich wil es nur gestehn/
22
Daß ich ihn allemahl mit Abscheu angesehn.
23
Darf ich mit allem dem nach sein Verbrechen fragen?
24
Was hat er wider das/ was seine Kläger sagen/
25
Und die ihn überzeugt/ zur Ausflucht vorgewandt?
26
Ein mehres hört man nicht/ als daß mit eigner Hand
27
Der Käyser an den Raht/ vom Eyland der Capreen/
28
Von vielen Sachen schrieb/ aus welchen zu verstehen/
29
Daß der/ so alles war/ nun seines Herren Huld/
30
Ich weiß nicht wie/ verschertzt. Wolan so hat er
31
Das ist mir schon genug. So läßt zu allen Zeiten/
32
Das blinde Römer-Volck sich von dem Glücke leiten!
33
Wer das verlohren hat/ ist auch bey ihm verhaßt/
34
Denn hätte nur Sejan den Vortheil abgepaßt/
35
Und eh durch kühnen Mord den Käyser weggeschoben/
36
So hätte ihn dieses Volck an seine statt erhoben.

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.