Die Käyser von Jul. Caesare an biß auf Augustulum

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Die Käyser von Jul. Caesare an biß auf Augustulum (1700)

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A. C.ERst lehret Julius die Römer dienstbar seyn/
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Biß ins verwirrte Reich Octavian tritt ein.
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Tiberius nach ihm ist voll von bösen Tücken/
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An dem Caligula ist wenig zu erblicken
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Als Grimm und Aberwitz. Der dumme Claudius
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So gleichfals ein Tyrann/ erlebet den Verdruß/
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Daß sein verhurtes Weib mit andern sich vermäh-
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Wie wird der Christen-Schaar zu Nerons Zeit ge-
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Der sich durch Mutter-Mord/ durch angelegten
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Und tausend Grausamkeit der Nachwelt macht be-
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Als Galba fällt durch Geitz/ wird Sylvius erkohren/
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Der aus Verzweifelung/ nachdem die Schlacht ver-
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Ihm selbst sein Mörder ist. Vitellius verhaßt/
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Weil er in Schlemmerey viel Gut und Blut ver-
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Wird wie ein Aaß geschlept. Vespasianus Güte
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Beglückt das Käyserthum/ in Titus sein Gemüthe
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Ist alle Welt verliebt/ wiewol die heilge Stadt
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Des Himmels schweren Zorn durch ihn empfunden
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Ihm folgt Domitian sein Bruder/ der am Blute
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Der Bürger sich ergötzt/ der Christen andre Ruthe/
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Biß endlich Nerva kommt/ gleich da die Zeit ver-
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100Der ersten hundert Jahr/ die er mit Ruhm be- schließt.
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Trajan ist zwar ein Held den selbst das Glücke
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Nur daß die Christen er/ zum dritten mahl be-
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Der Käyser Adrian schreckt sie zum vierten mahl/
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Und schlägt das Juden-Volck in einer grossen
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Dem frommen Antonin gefällt der edle Friede.
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Sein Folger Antonin der Weise/ wird bald
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Der Kirchen Feind zu seyn/ als durch des Betens
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Der Christen Legion ihm Sieg und Regen schafft.
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Sein Sohn der Commodus stirbt wie ein Wütrich
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Kaum hat der Pertinax den Purpur angeleget/
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Als ihn sein eignes Heer erwürget. Didius
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Erkaufft das Käyserthum/ stirbt durch des Rathes
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Septimius bezwingt die wider ihn sich rüsten/
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Es seuffzen unter ihm zum sechsten mahl die Christẽ.
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200Inzwischen hören auf die zweyte hundert Jahr.
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Des Caracalla Wuth bringt manchen in Gefahr/
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Den Bruder selbst und drauf Papinian ums Leben.
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Macrin kan kaum ein Jahr dem Reich Gesetze geben/
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Heliogabalus verübt viel Ubelthat/
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Der Alexander folgt zu sehr der Mutter Rath/
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Und wird von Maximin dem Thracier erschlagen;
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Um diesen Christen Feind vom Throne zu verjagen/
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Wird Gordian/ Balbin/ und Pupien ernennt/
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Der jüngste Gordian bekommt das Regiment/
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Ein Fürst der gutes Lob bey aller Welt erwirbet/
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Und durch des Arabers Philippus Untreu stirbet.
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Den auch die Rache trifft. Noch keiner war so schlim̃
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Als Decius nach ihm/ vor dessen Haß und Grimm
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Die Kirche wieder bebt. Der Gallus theilt die Bürde
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Des Reichs mit seinem Sohn/ und als hernach die
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Fällt auf Valerian/ muß Gallien sein Sohn
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Auch sein Gehülffe seyn; die Christen leiden Hohn
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Und Qvaal durch seinen Trieb/ zuletzt muß er den
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Zu Dienst dem stoltzen Fuß des
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Der tapfre Claudius regiert mit gutem Ruhm/
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Aurelian beschützt nach ihm das Käyserthum/
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Und kan Zenobien das Helden-Weib besiegen/
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Es läßt sich Tacitus an wenigem vergnügen/
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Der Probus macht durch Krieg viel Land ihm un-
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Der Carus nimt Carin und auch Numerian
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Zu Mitregenten an. Die keinen Weyrauch schütten
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Auf Heidnischen Altar/ die werden nicht gelitten
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Vom Diocletian/ der in der Christenheit
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Den zehnten Jammer macht. Es herrscht nach
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Der Chlorus Constantin/ mit ihm wird gleich geehret
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Maximian ein Hirt. Biß hieher hat gewehret
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300Das dritte hundert Jahr. Der wahren Lehre Licht/
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Das nunmehr durch den Dunst der Götzen-Dienste
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Begläntzt den Käysers-Thron/ als die Tyrannen
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Dem grossen Constantin/ dem GOtt ein Creutz zum
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Und Pfand des Sieges setzt. Von ihm wird erst
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Die Römische Gewalt/ es kriegt den Orient
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Sein Sohn Constantius/ den Rest die andern Brü-
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Constans und Constantin/ biß endlich alles wieder
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Der schnöde Julian ein Heyde zu sich rafft/
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Der Christen arger Feind/ der noch zuletzt die Krafft
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Des Galiläers fühlt. Der Persianer Waffen
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Die machen Jovian dem Käyser viel zu schaffen.
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Der Valentinian herrscht wieder nicht allein/
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Sein Bruder Valens muß ein Herr im Aufgang
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Und Gratian sein Sohn wird von ihm selbst gezieret
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Mit Käyserlicher Macht/ als er den Geist verlieret/
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Maßt auch sein ander Sohn der Valentinian
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Des Zepters sich zugleich mit jenen beyden an.
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Der Theodosius vom Gratian geruffen
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Betritt nach dessen Tod allein die höchste Stuffen
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Des unzerrißnen Reichs/ das nach ihm keiner thut;
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Den Söhnen theilet er ihr Erb- und Vater-Gut.
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Constantinopel muß Arcadius behalten/
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Honorius das Reich im Niedergang verwalten.
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Hier endet abermahl der Zeiten schneller Lauf
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400Das vierte hnnderthundert Jahr. Auf einmahl wachet auf
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Die gantze Barbarey/ ein Heer von Gothen/
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Und Hunnen/ überschwemmt die Welt an allen En-
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Die nie bezwungne Stadt bezwinget Alarich/
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Den Valentinian beschirmet ritterlich
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Aetius/ und hemmt des Attila Beginnen/
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Die Käyser nach der Zeit die können nichts gewin
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Es wächset hier und dar manch neues Reich her
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Durch Gensrichs Grausamkeit kommt Rom um
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Der letzte Käyser wird Augustulus geheissen/
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Ein Kind/ daß die Gewalt ihm läßt aus Händẽ reissẽ

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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