Letzte Pflicht der Freundschafft/ dem seel. Grafen Theodoro von Dona/ auf derje- nigen Stelle abgestattet/ da derselbe we- nig Wochen zuvor im Sturm vor der Stadt Ofen den tödtlichen Schuß empfangen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Letzte Pflicht der Freundschafft/ dem seel. Grafen Theodoro von Dona/ auf derje- nigen Stelle abgestattet/ da derselbe we- nig Wochen zuvor im Sturm vor der Stadt Ofen den tödtlichen Schuß empfangen (1700)

1
Laß mein beklem̃tes Hertz der Regung nur den Zügel/
2
Begeuß mit einer Fluth von Thränen diesen Hügel/
3
Weil ihn mein treuster Freund mit seinem Blut
4
Auf dieser Stelle sanck der tapfre Dona nieder/
5
Hier war sein Kampf und Fall/ hier starrten seine Glieder/
6
Als ein verfluchtes Bley die theure Stirn verletzt/
7
Das/ eh der Sonnen Rad den andern Morgen brachte/
8
Ihn leyder! gar zu bald zu einer Leiche machte!

9
Ach lebte Theodor/ wie wolt ich mit Vergnügen
10
Das stoltze Buda sehn in seiner Asche liegen!
11
Ich wolte manchen Ort/ der bey der späten Welt
12
Berühmt verbleiben wird/ mit Lust und Fleiß bemercken/
13
Dort wo der Feind versucht die Seinige zustärcken/
14
Doch wie ein schüchtern Wild in Tod und Stricke fällt;
15
Hier wo die Unsrige zuletzt die Stadt ersteigen/
16
Wenn er nur alles das mir selber könte zeigen!

17
Jetz und betrüben mich die umgewühlte Mauren;
18
Nicht den verdienten Lohn des Mein-Eyds zu bedauren/
19
Den sich der Himmel selbst zu straffen ausgerüstt;
20
Es müsse ferner noch der Hund dem Adler weichen!
21
Man jauchtzt mit gutem Recht bey diesem Sieges-Zeichẽ
22
Ich weine/ weil es dem ein Sterb-Mahl worden ist/
23
Den ich so sehr geliebt/ und kan nicht ohne Grauen/
24
Bey diesem grossen Glück/ mein gröstes Unglück schauen.

25
Mich deucht/ daß er mir noch vor dem Gesichte schwebet/
26
Und daß sein froher Geist den Cörper noch belebet/
27
Daß ihm die Redlichkeit noch aus den Augen sieht;
28
Ich stelle mir noch vor die angenehme Stunden/
29
Die in vertrauter Lust uns manches mahl verschwunden/
30
Daß Anmuth und Verstand auf seinen Lippen blüht/
31
Daß er noch wie vorhin/ mit dem/ was er beginnet/
32
Den Beyfall und die Gunst von jedermann gewinnet.

33
Wohin erst mancher kaum nach langem Schweiß ge-
34
Das war ihm alles schon in erster Milch verliehen/
35
Es schien als hätt er sich auf anders nichts gelegt/
36
Als durch sein höfflich-seyn den Hoff allein zu zieren;
37
Doch wer ihn sah das Volck in Stahl und Flam̃e führen/
38
Wo donnerndes Metall die Erd und Lufft bewegt/
39
Und wo er noch zuletzt die Lebens-Krafft verlohren/
40
Der meynte daß er bloß zu Waffen sey gebohren.

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.