Die edle Freyheit bey dem Land-Leben

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Die edle Freyheit bey dem Land-Leben (1700)

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Ein Sinn der nur nach seinem Ursprung schmeckt/
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Und sich nicht in den Schlam̃ der Eitelkeit versteckt/
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Kan/ was der Pöbel sucht/ mit leichter Müh vergessen.
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Dem Weisen ist sein Vaterland die Welt/
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Er bleibet unbewegt/ wenn alles bricht und fällt/
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Und wil sein Glück nach nichts als seiner Freyheit messen.

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Es kan ein solcher Mann sich an sich selbst vergnügen;
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Hat ein gekröntes Haupt ihm etwan wohl gewollt/
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Ist ihm das Vatican um seiner Tugend hold/
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Ja wil ein Fridrich selbst nach seinem Urtheil kriegen/
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So wird Er doch von Cron und Purpur nie bethört;
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Kein Wechsel kommt/ der sein Gemühte stöhrt;
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Drum wenn das Glück ihm endlich kehrt den Rücken/
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Kan er mit eben dieser Hand/
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Die gantzer Länder Zinß zur Pracht hat aufgewandt/
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In Demuth und Gedult/ ihm selbst die Hosen flicken.

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Sein Hoff wird ihm ein Hoff; sein Acker seine Freude;
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Ein finstrer Dannen-Wäld sein Pomerantzen-Haus;
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Der Heerde theilet er als denn die fette Weide/
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Wie sonst dem Krieges-Heer/ mit treuer Sorgfalt aus/
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Der Fürwitz treibt ihn nicht viel neues mehr zu wissen/
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Als was sein Meyer bringt; Er kehrt sich wenig dran
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Wer dort in einer Schlacht zu Boden wird geschmissen/
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Wenn er in Sicherheit die Garben binden kan.
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Ist ihm nicht mehr vergönnt zu küssen eine Docke/
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Die ihre freche Stirn mit Thürmen überhäufft/
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So thuts ihm ja so wohl/ wenn er nach einer greifft/
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Mit schlecht-geflochtnem Haar und aufgeschürtztem

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Wenn ihn zuweilen auch ein kleiner Kummer drückt/
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Wird er nicht weniger entzückt/
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So bald der Dudel-Sack in seiner Schencke klinget/
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Als wenn Bellerophon von seiner Liebe singet;
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Und kan er nicht ein
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Noch auch
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Auf seiner Taffel haben/
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So wird er sich an Gloms und an Pomocheln laben.

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Nun edles Preussen du/ du kriegst so einen Gast/
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Den du gewiß zu lieben Ursach hast.
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Du bist beglückt/ dieweil du Ihn gebohren/
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Beglückter/ daß er dich zum Ruh-Platz hat erkohren/
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Worin Er/ was sein Geist an Schätzen bey sich trägt/
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Als in der Mutter-Schooß/ verwahrlich niederlegt.

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Das Land von Mancha mag sich immerhin erheben/
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Daß nach vollbrachtem Ritter-Spiel/
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Kichote dort beschloß den Rest von seinem Leben;
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Sein Ruhm gilt lange nicht so viel/
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Als daß ein Curius nach größren Helden-Thaten/
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Zuletzt auf deinem Heerd wil seine Rüben braten.

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Sprichst du: was hilfft es mir ein Landes-Kind zu ehren/
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Das von dem Hofe weicht/ wenn es mich schützen soll/
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Und keinen Schoß kan von den Hufen kehren?
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Ach Preussen denck: Perkun/ Protimpos und Kirkoll/
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Die thaten auch bey jener heilgen Eichen
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Vor dem nicht immer Wunder-Zeichen/
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Da sie dein Opffer-Holtz doch offt berühret hat/
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Dein Held vermag so viel als sie mit Rath und That.
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Drum schicke dich wie Er/ ins Glück und in die Zeiten/
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Und öffne Thor und Hertz/ den Einzug zu bereiten.

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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