Der 139. Psalm

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz: Der 139. Psalm (1700)

1
HeRR du erforschest mich. Mein Ruhen und Be- wegen/
2
Ist besser dir als mir bewust.
3
Du siehst es/ wenn in meiner Brust/
4
So wie der Wellen Sturm/ sich meine Lüste regen.
5
Eh’ mir ein Wort entfährt/ ist dir es schon
6
Und was ich denck’ und thu’/ das steht in deiner Hand.

7
O Allmacht! die kein Mensch auf Erden kan verstehen/
8
Wo ist der Ort der mich versteckt/
9
Den nicht sofort dein Geist entdenckt?
10
Könt’ ich mich schwingen auf zu den gestirnten Höhen/
11
Mein GOtt so bist du da. Führ ich zur Höllen Grund/
12
Da machest du dich auch mit Schreck und Rache kund.

13
Könt’ ich der Sonne gleich/ den Himmels-Creiß durch-
14
Und folgen/ biß sie ihre Gluth
15
Löscht in des letzten Meeres-Fluth;
16
So würde mich auch dort dein starcker Arm erreichen.
17
Der Schatten finstrer Nacht deckt meine Sünde nicht/
18
Weil deiner Augen Blitz durch alle Winckel bricht.

19
Und HErr wie solte dir mein Wandel seyn verborgen?
20
Der du/ eh’ ich das Licht geschaut/
21
Den Cörper den du mir gebaut/
22
Mit lebendigem Geist hast wollen selbst versorgen;
23
Der du von Ewigkeit schon hast gezeichnet auff/
24
Was mir begegnen soll/ und meiner Jahre Lauff.

25
Es kan dis Wunderwerck allein mich überzeugen/
26
Daß ich in unverfälschtem Sinn
27
Dir Danck und Opffer schuldig bin;
28
Da Erd’ und Him̃el nicht von deinen Kräfften schweigen.
29
So daß man eh den Sand der Wüsten zehlen kan/
30
Als was du grosser GOtt für Wunder hast gethan.

31
Mein Hertz ist dessen voll. Ich finde mein Vergnügen
32
Darin/ daß ich den gantzen Tag
33
Der Länge nach betrachten mag/
34
Wie sich doch alles muß nach deiner Ordnung fügen.
35
Ja wenn die Sinne sich vom Schlaafe loß gemacht/
36
So spür’ ich daß ich auch im Traum daran gedacht.

37
Wie aber? fehlt es dir itzund an Donnerschlägen/
38
Dem Hauffen/ der dir spöttlich flucht/
39
Und nur das Blut der Frommen sucht/
40
Zu zeigen/ daß du ihn bald in den Staub kanst legen?
41
Sein Stoltz und Lästern wird noch immerhin gemehrt/
42
Weil dein gerechter Grimm/ nicht dieses Wesen stöhrt.

43
Gewiß ich hasse sehr/ die dich den Höchsten hassen:
44
Und wenn ich seh/ wie trotziglich
45
Sie offtmahls handeln wider dich/
46
So kan ich meinen Zorn nicht in den Gräntzen fassen/
47
Er bricht in Flammen aus. Ich eyfre deine Schmach/
48
Darum so stellen sie auch meiner Seelen nach.

49
Erforsche mich mein GOtt/ und prüfe mein Gemüthe/
50
Schau ob noch etwan Heucheley/
51
Und eitle Liebe bey mir sey/
52
Und denn so wircke stets in mir nach deiner Güte.
53
Weil auch des Himmels Bahn so schmahl und schlüp-
54
So leite du mich selbst/ der du mein Vater bist.

([Canitz, Friedrich Rudolph Ludwig von]: Neben-Stunden Unterschiedener Gedichte. [Hrsg. v. Joachim Lange]. Berlin, 1700.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz
(16541699)

* 27.11.1654 in Berlin, † 11.08.1699 in Berlin

männlich

deutscher Diplomat und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.